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Volksschule.
unter den Füßen hat? Oder soll der Reiz des Entfernten, Nichtgesehcncn den Sinnund Trieb erwecken? Wir meinen, es sei nicht wohlgethan, die Frage disjunctiv zustellen. Sicher erscheint dieses: um überhaupt jn Landkarten sich orientiren, um diesebenützen zu lernen, dazu leistet die Beschreibung der nächsten Heimat, des Wohnorts undseiner Umgebung die besten Dienste. Hier sieht der Schüler den Zug der Wege seinesWohnorts, seiner Markung u. s. f., den Lauf der Gewässer, die Richtung, worin Bergund Thal streichen, ans der Wandtafel entstehen, auf einer Karte dargestellt, so daß erzunächst das Wirkliche in seiner Uebersetzung auf die geographische Zeichenschrift lesenund zugleich das Rückübersetzen vom Zeichen in die Wirklichkeit erlernen kann. Dadurchwerden Auge und Verstand befähigt, hernach auch die Darstellung fremder Gegenden,großartigerer Bilder von ganzen Reichen und Welttheilen in seine Vorstellung überzu-tragen. Aber es hat die christliche Volksschule mit und neben dieser elementaren, un-mittelbar praktischen Uebung eine dem Idealen zugewandte Geographie zu treiben, dasist die Erdbeschreibung von unserem religiösen Heimatland, von Palästina; hier, in Ver-bindung mit der biblischen Geschichte, vereinigt sich der Reiz des Entfernten, Nichtge-sehenen mit dem, was doch wieder für Gemüth und Herz nahe ist, und so wird mansagen dürfen, daß schon die Elemente des geographischen Lernens eine gleichzeitige Be-treibung von Idealem und Praktischem mit sich bringen. Es ist natürlich hier nicht derOrt, den ganzen Unterrichtsgang des in Frage stehenden Fachs zu beschreiben, sondernes genügt an diesen Hindeutungen; nur das sei noch anzufügcn erlaubt, daß selbstver-ständlich auch beim weiteren Fortschreiten es weniger auf Einprägung von Zahlen, als viel-mehr auf Erschließung des Sinnes, auf Veranschaulichung und dazu auch noch auf illu-strirende Geschichte ankommt. Ein angemessener Unterricht in der Geographie bringtWeckung in der Schule hervor, findet das zum Aufmerken und Lernen antreibende Interessebei den Kindern und wirkt disciplinirend. Man hat also hier eine den LebcnSbedin-gungen des Volkes wie dem Bedürfnis der Gegenwart entsprechendes Unterrichtsfach fürdie Volksschule.
Ein anderes, ihm theilweise ähnliches ist das der Geschichte; wir reden hier vonder Profangeschichte, wie man freilich nicht sagen, sondern den Titel nur für eine profanirendeDarstellung dessen, was in der Menschheit geschehen ist, aufsparcn sollte, weil ja dieEntwicklung, das Blühen, Wachsen und Welken der Nationen des Erdbodens, das Er-scheinen bedeutender Persönlichkeiten auf dem Weltthcatcr, das Eintreten von durch-schlagenden Ereignissen auch ein Buch giebt, worin große Gottcsthatcn, sei es zum Wohlder Völker, sei's zum Gericht verzeichnet stehen. — Weltgeschichte im Zusammenhangfreilich paßt nicht für das Alter noch reichte die Zeit für sie. Man muß sich beschrän-ken auf die zugleich das Gemüth ansprechenden, den patriotischen Sinn weckenden Tat-sachen und die hervorragenden Persönlichkeiten der vaterländischen Geschichte. Wohl demVolk, das eine solche Geschichte durchlebt hat und in seinen Kindern nachleben kann.Daß unsere deutsche Geschichte und Geschichtserzählung jetzt von großem pädagogischemWerthe ist, zählen wir auch zu dem Segen der neuesten Ereignisse. Wehe aber einemVolke, dessen Eitelkeit schmeichelnd genährt wird, indem man seiner Jugend eine erlogeneGeschichte einprägt, weil osficielle Schönfärberei das Rühmliche steigert, Gewöhnlichesmit Flitterstaat aufputzt, Schmähliches vertuscht, und so das Sichbesinncn zur Unmög-lichkeit macht. Nnpädagogisch wäre es, in der deutschen Schule nur die Lichtseiten dereigenen Geschichte zu zeigen; man soll auch die Schatten nicht verhüllen und dabei Raummachen für das Verständnis des Wortes: „wenn du mich demüthigest, so machst du michgroß." Neben der vaterländischen ist die Weltgeschichte zu pflegen; diese aber nur inihren wichtigsten und solchen Erscheinungen, welche auf die vaterländischen einen vor-bereitenden oder begleitenden Einfluß haben. Nicht viele Zahlen und Namen, aber dieseso fest und klar, daß ein späteres selbständiges Hincinschauen in Geschichtsbücher daranHalt, Anlehnung und Licht findet. — Als Regel gilt: mehr Geschichten als Geschichte;nur soll der Unterricht nicht in verwirrenden Anekdotenkram ausarten; auch bei ihm gilt