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Volksschule.
Sprache letzteres erzielt werden soll, ist nicht zu begreifen; die Sprache selbst will durchihren richtigen Gebrauch gelernt sein. Hiezu hat dann auch besonders eine gute Aus-wahl von mustergültigen Sprachstücken zu dienen, an welchen das Ohr sich üben kann»Viel kommt auf zweckmäßig eingerichtete Lesebücher an, auf den Inhalt und auf dieForm, worin dieser gegeben ist. Geistvoll sollte alles sein, geistreich ist bald zu vielund bald zu wenig. Einfache Satzbildung würde auch den Gebildeten schmackhaft, welchedaran sich gewöhnen mußten, durch seitenlange Sätze um manche Ecken herum und oftnahe an Abgründen des Sinnes vorüber zu Punctum und Athem kommen zu lernen;aber nur Flimmern vor den Augen und Ohrensausen erzeugen Aufsätze mit solchen ein-und durcheinandergeschachtelten Perioden dem Theil des Volkes, dem und dessen Kindernunsere deutsche Schule geistige Nahrung zu bringen hat. Die deutsche Sprache ringtschwer nach dem richtigen Ausdruck, seitdem sie die schlichte, markige Art, wie sie inunseres Luthers Bibelübersetzung vor uns tritt, verließ, um durch Latinisirung und Galli-strung sich verunstalten zu lasten; es waren die größten Anstrengungen unserer Klassikernöthig, bis sie wieder auf den Weg zu sich selbst zurückgelangte. Aber auch unter demBesten, was diese Heroen den Gebildeten bieten, ist nicht vieles, das man populär indem Sinne zu nennen vermag, wie es für unfern Schulzweck dienlich wäre, und dasVerlangen nach Einführung in die classische Literatur der Deutschen, sowohl ge-meint es ist, zeugt nicht von Kenntnis dessen, was eine Volksschule bedarf und was sievermag. — Freuen wir uns auch darum unserer Lutherbibel, aus welcher wieder deutschzu lernen unsere größten Classiker sich nicht geschämt haben, und freuen wir uns desevangelischen Liederschatzes, woraus so mancher Wohlklang mit deutscher Kernhaftigkeitin der Kinder Ohr und Gemüth hereintönt. Hier vor allem ist praktische Einführungin die deutsche Literatur zu treiben, ohne daß man den Titel selbst Vonnöthen hätte.
Gehen wir nun weiter über zu der Betrachtung der einzelnen Wissensstoffe, welchein der Volksschule zur Verwendung zu kommen haben, so stehen wir abermals vor sol-chen Fragen, welche unter Berücksichtigung des wirklichen Bedürfnisses sowie des Lebens-alters der Schüler, also des hievon bedingten Fassungsvermögens und naturgemäßen In-teresses zu lösen sein werden.
Jene Unterrichtsgegenstände sind geschichtlich zuerst unter dem Gesammttitel von„gemeinnützigen Kenntnissen" in der Volksschule eingeführt worden, und man hat derenbekanntlich bald eine große bunte Menge den Kindern des Volkes gönnen wollen. Einmenschenfreundliches Unternehmen, hervorgegangen aus der Absicht, Aufklärung zu ver-breiten, Volkswohlfahrt zu befördern, auch die untern Schichten der Bevölkerung mit denFortschritten in Gewerbe, Landwirthschaft, Gesundheitspflege u. s. w. bekannt zu machen.Und gewiß nicht ohne Nutzen ist das geschehen, soferne nur nicht durch die Mannigfal-tigkeit eine Uebertäubung der Kinder, durch Seitenhiebe auf die religiösen AnschauungenMistrauen der Eltern entstanden ist. Später hat sich der praktisch lautende Titel dergemeinnützigen Kenntnisse in den schon mehr theoretisch klingenden und umfassenden Na-men der „Weltkunde" verwandelt, deren Ziel das Oeffnen des kindlichen Geistes für diewichtigeren Erscheinungen in Natur und Geschichte, die Beibringung von Kenntnissen ist,welche allgemein menschliche Bildung verbreiten. So gleicht der neu erwachte pädago-gische Drang und Eifer dem Jünglinge in Schillers Glocke, das Schönste suchend aufden Fluren, womit er seine Liebe schmückt. Hernach spaltete sich die Weltkunde in ein-zelne Disciplinen — Naturlehre, Naturgeschichte, Geographie, Welt- und Vaterlands-geschichte, was an sich ein Fortschritt zum Concreten und Faßbareren, zugleich aber aucheine Versuchung zur professorenartigen Behandlung der Unterrichtsfächer, also zur Eitel-keit geworden ist. Doch nicht genug damit, nun sollte die Volksschule auch noch zureinleitenden Vorschule für die verschiedenen Arbeitsberufsarten werden, sollte Chemietreiben, damit der Bauer seine Gülle besser zu Rathe halten, die Lehre von der Boden-bedüngung verstehen lerne, gewerbliche Buchführung zu Nutzen des künftigen Schreiners,Schusters u. s. s., und daneben Leibesübungen, militärische Excrcitien theils zur Erho-