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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschule.

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Katechetenschule in Alexandrien beweist es, wie sehr die namhaftesten christlichen Gelehrtensich den Unterricht der Katechumenen haben angelegen sein lassen. In Deutschland aller-dings, nachdem es durch Bonifacius eng an das römische Kirchenwescn gekettet worden,scheint lange Zeit die Unterweisung des Volks sich fast allein ans die rituelle Seite desGottesdienstes beschränkt zu haben; und der Anlauf, welchen Karl der Große mit Er-richtung von Volksschulen genommen, erscheint nur wie ein flüchtiger Silberblick in derKulturgeschichte unsres Volks; aber merkwürdig, daß auch in diesem Kricgshcldcn, demMann einer weitausschauendcn Politik, der die Sachsen mit Feuer und Schwert zumChristenthum zwang, daß dennoch in ihm dasihn jammerte des Volks" sich offen-bart, indem er seinen Völkern Schulen giebt, die nicht bloß für Gelehrte und Beamtedienen sollten. Auch finden sich Spuren von Schulen, die auf wirkliche Unterweisungin der christlichen Lehre zielten,damit das noch in vielen Herzen glimmende Hcidcn-thum dadurch gänzlich erlöscht werde" (1270 des Erzbischofs Engelbert III. von KölnSazungcn des Küsters und Schulmeisters." Es sollten die Kinder im Lesen und Schreibenunterrichtet werden und die Schulpflicht wurde durch Strafandrohung an die Elternaufrecht erhalten. S. v. Heifert, die österreichische Volksschule I. S. 35, Heppe,Geschichte des deutschen Volksschulwesens I. S. 1). Was freilich im Stillen geschehensein mag durch christliche Herzen, um das:Lasset die Kindlein zu mir kommen" zu be-folgen, das melden die mit Staatsactionen, Kriegsthaten und Greueln und mit demwelthistorischen Kampf zwischen Kaiserthum und Papstthum vollauf beschäftigten Chronikendes Mittelalters nicht, aber es ist undenkbar, daß damals sollte die Kinderwelt ganzkeine Theilnahme seitens einer freien christlichen Liebesthätigkeit gefunden haben, währendallerdings eine organisirte Pflege derselben durch förmlichen Unterricht selten und magergenug gewesen sein wird. In den Städten allerdings befanden sich während des Mittelaltersdeutsche Schreib- und Rechenschulen, eine Einrichtung, an welche die Reforma-toren anknüpften, soscrne denselben auferlegt wurde, daneben auch deutsche Psalmen,deutsche Sprüche aus der-Schrift und Katechismus zu lehren; es sind jedoch dieseSchulen anzusehcn als mehr aus dein Bedürfnis des städtischen Lebens, auS der Sorgefür den Gewerbe und Handel treibenden Theil der Bevölkerung entsprungen, denn ausdem Bestreben für das Volk im Ganzen eine Bildungsgelegcnhcit zu schaffen. Sie zeigeneher ein Analogon der späteren Real- als der Volksschule.

Gewöhnlich datirt man den eigentlichen Anfang unserer Volksschule von der Refor-mation an. Und in gewißcm Sinne mit Recht (S. d. Art. Reformation ponWagenmann in B. VI. S. 882.). Nur darf man sich nicht vorstellen, als wäre derBildungsproceß derselben so leicht von statten gegangen, oder als hätte man schon da-mals alle die Ziele vor Augen gehabt, welche das moderne Schulwesen sich gesteckt steht.Es galt in der Reformationszcit recht wesentlich, für Staat und Kirche die nöthigcnDiener heranzuziehen und also für lateinische Schulen zu sorgen; dieser Zweck aber schienda und dort gefährdet zu werden, wenn man die deutsche Schule begünstigte, und sokonnte es denn geschehen, daß z. B. im Jahr 154ß Herzog Ulrich von Württembergsogar die Abschaffung der neben den lateinischen bestehenden deutschen Schulen in denkleineren Landstädten allerdings vorübergehend anordnete. Die starke Anziehungs-kraft des in hoher Blüte stehenden Handels und Gewerbes einerseits v v auf der andernSeite die Aufhebung der Klöster in den meisten reformirten Ländern drv > mit einemempfindlichen Mangel an Männern für die Besorgung des öffentlichen ss. Daherbeziehen sich die vielen Klagen, Ermahnungen zu Errichtung von Schrckep und das Lobder Schule in Luthers und seiner Genossen Mund hauptsächlich auf diejenige Schule,welche jenem Mangel abzuhelfen und die Lücken auszufüllen geeignet war. Gleichwohlaber blieben daneben die Bedürfnisse des untern Volkes nicht vergessen; und was füralle das Wichtigste war die reine Lehre des Evangeliums das sollte den Geringstenund Aermstcn ebenso zugänglich werden, wie den höheren Ständen. Glaubensbekenntnis,PSdag. EncyNopädie. x. 2