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Volkslied.
Volksschule.
erlangt haben, tragen schwäbischen Typus;" und sogar von einem mitgetheilten polnischenOriginalvolkslied (S. 119) wird dort nicht mit Unrecht bemerkt, „cs könnte seiner ganzenHaltung nach sehr wohl in Schwaben entstanden sein." Daß es namentlich dem verewigtenSilcher gelungen ist, eigene Melodien zu schaffen, die nach kurzer Frist zu deutschenVolksliedern geworden sind, von denen Tausende schon nicht mehr wissen, noch darnachfragen, wer sie componirt habe, das wird wohl allgemein anerkannt; cs gebührt dieserRuhm aber, namentlich wenn wir die Gesangvereine, die Liedertafeln u. s. w. als Trägerdes wenn auch schon veredelten und unter den Taktstock gebrachten Volksgesangs betrachtendürfen, seit Weber, Kreutzer, Mendelssohn noch manchem andern, wenn auch verhältnis-mäßig nicht von vielen dasselbe gesagt werden kann, was die oben erwähnte LimburgerChronik aus dem 14. Jahrhundert von einem ungenannten Barfüßermönch sagt: „Waser sung, das sungen alle Leute gern und alle Meister Pfiffen und alle Spielleute führtenden Gesang und das Gedicht." Palmer.
Volksschule. Mit diesem Worte pflegt man in Deutschland diejenigen Lehran-stalten zu bezeichnen, welche dazu bestimmt sind, die nach Abzug der inEhöheren Schulenbefindlichen übrig bleibende große Masse der schulpflichtigen Kinder zu unterrichten unddiese zu dem jeweilig als unentbehrlich für jeden Volksgenossen angesehenen elementarenWissen und Können anzuleiten. In andern Ländern werden solche Lehranstalten alsPrimär-, Trivial-, Elementarschulen bezeichnet, und früher hießen sie bei uns kurzwegdeutsche Schulen, zum Unterschied von den lateinischen, für höhere Berufsarten undauf gelehrte Bildung angelegten. Mochte der ältere Name von da an weniger mehrpassen, wo zwischen diese beide Hauptlehranstaltcn sich andere in die Mitte geschoben haben,die, ohne lateinische zu sein, doch ein höheres Maß von Kenntnissen als die deutschenSchulen bieten sollten, so wird man doch zugeben, daß der moderne Titel nicht ebenglücklich gewählt ist, schon wegen des Doppelsinns im Worte Volk (— Volksganzes oderuntere Volksschichten), und dann auch in der That wegen der im Klang des Wortesliegenden Versuchung, die Ansprüche an die Leistungen dieser Gattung von Lehranstaltenund die Meinung davon über das natürliche Maß hinaus zu steigern; hat sich doch dar-aus der monströse Titel „Volksbildncr" entwickeln können, welcher für die Lehrer derVolksschule geschöpft wurde und Verbreitung zu finden vermochte. Indessen haben wirnun einmal den Namen, und es muß genügen, denselben durch die an die Spitze ge-stellte Erklärung gegen Misverständnis und Misbrauch geschützt zu wissen.
Fragen wir denn zuerst nach dem Ursprung, der Entstehungsweise und derFortentwicklung derjenigen Lehranstalten, welche unter dem Ausdruck „Volksschule"in Deutschland begriffen werden, so muß die Antwort ganz allgemein dahin lauten: unsreVolksschule ist eine Frucht der Humanität, der christlichen Humanität. DaS Christen-thum hat nemlich zwar keineswegs positiv eingegriffen, um die schroffen Unterschiede dergesellschaftlichen Stände aufzuheben, nicht einmal die Sklaverei hat es durch ein unmittel-bares Gebieten abgeschasft; aber das Christenthum kennt kein Ansehen der Person vorGott, Juden und Griechen, Knechte und Freie, Weise und Unweise sind gleichermaßenberufen zu dem Heil in Christo, den Armen wird das Evangelium gepredigt, jede Men-schenseele ist Werth geachtet in Gottes Augen. Aus dieser dem christlichen Glauben inne-wohnenden Grnndanschauung von dem hohen Werth des Menschen an sich gieng wesent-lich das Gefüb* '-..'Pflicht hervor, sich der Unwissenden ebenso anzunehmen wie derleiblich Arme Elenden, und ein Paulus hat nicht bloß vor schriftgelehrtcn Judenin den Synagogen, nicht bloß in Athen vor philosophisch gerichteten Hörern sein Evangeliumverkündigt, sondern auch einen entlaufenen Sklaven — s. Brief an Philemon — im Christcn-thum unterrichtet, und dort in Korinth „nicht viel Weise nach dem Fleisch" zu Schülerngehabt. Allerdings handelte es sich damals zumeist vom Unterrichten Erwachsener; aberje mehr das Christenthum sich ausbreitcte und christlich gewordene Familien in Gemein-den sammelte, je mehr auch kam das „Waide meine Lämmer" zur Geltung, vornehmlichzur Vorbereitung der Heranwachsenden auf den Empfang der Taufe; die Geschichte der