Volkslied.
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oder das mindcrbekannte: „David spielt vor König Saul," selbst das Duett zwischen.„dem geduldigen Hiob und seinem bösen Weib" (in dem oben citirten „ohrenvergnü-genden und gemüthergötzenden Tafelconfect" vom Jahr 1733), so harmlos, daß wir davoneine Schwächung der Ehrfurcht vor der Bibel bei noch unverdorbenen Kindern nicht zubefürchten haben. Der Katholik ist darin allerdings weniger difficil; seine Legendenvon St. Peter und den Heiligen schließen das volksthümlich - Komische nicht aus; derProtestant dagegen, weil ihm das Heilige nicht als eine magisch wirkende Macht, son-dern als das makellos Sittliche vor Augen steht, weil er überhaupt nicht, wie jener,durch die Menge der Heiligen, die zwischen Gott und dem Menschen in der Mitte stehen,ja durch das Papstthnm selber an eine Vermengung des Göttlichen mit Menschlichem,ja sehr Menschlichem gewöhnt ist, sondern auch die Einheit beider in der Person des Er-lösers doch nur als eine sittlich erhabene, von heiligem Ernst getragene anschaut —ist weit empfindlicher gegen alles, was wie eine Verletzung dieser Erhabenheit durchlächerliche Ingredienzien aussieht. Allein ob ein Lied sich dieses Sacrilegiums wirklich schul-dig macht, das kommt eben aus die Behandlung und schon auf den Stoff an; eine Ge-schichte wie Davids Kampf mit Goliath bietet dem gesunden menschlichen Sinn doch auchnoch eine andere Seite dar, als die erbauliche. Das Christenthum ruht auf einer Ge-schichte, die eine große Menge und Mannigfaltigkeit von Menschen und echt menschlichenSituationen und Verwicklungen uns vorführt; daß nun diese in mancher Einzelheitisolirt aufgegriffcn und poetisch, sei es in hochdramatischcr Form, sei es in Gestalt einesVolkslieds etwa auch anachronistisch und dadurch mit komischer Wirkung umgestaltet werden,das kann die Religion selbst weder entweihen noch in des Volkes und der JugendHerzen abschwächen.
Wir haben bis hierher vom deutschen Volkslied gesprochen. Wie aber Herder schondie „Stimmen der Völker" gesammelt und darin tüchtige Nachfolger unter Dichtern undLiteraten gefunden hat, so war man auch seitens der Musiker nicht müßig, Sammlungenfremdländischer Volksmelodien zu veranstalten, wodurch auch die Texte doch erst ausden Studirzimmcrn der Sprach- und Litcraturgclchrten in weitere Kreise, in Familien,Gesangvereine u. s. w. eingeführt wurden. Dem Sammlcrfleiß einer Reihe von Män-nern, wie L. Erk, Fr. Silcher, I. O. Eschmann, Julius Maier, K. Israel u. a. ver-danken wir die Kenntnis vieler trefflichen Sachen; schwedische Lieder, die einst JennyLind in ihren Concerten sang, hat Lindblad, polnische H. M. Schlcttercr, rumänischeA. Deprosse veröffentlicht. Es ist freilich weit nicht alles schön, was fremdländisch ist;aber wir Deutsche bewähren auch darin unfern kosmopolitischen Sinn, daß wir geradedem uns Fremdartigen mit eigentümlichem Interesse lauschen; in unserer Gutmütigkeithaben wir einst auch die Marseillaise und die Parisienne (letztere von Auber 1830) und„Noch ist Polen nicht verloren" mit Feuer gesungen, so überaus geringen Werthes auchnamentlich die letztere Melodie ist. Aber es ist in der That auch für die musikalischeBildung wenigstens der begabteren Schüler nicht unwichtig, daß sie ein Ohr gewinnenfür die selbst in der Musik erkennbaren Unterschiede der Nationalitäten. Die oben citirteMusikzcitung macht (1867. S. 111) die richtige Bemerkung: „Die Südländer zeigenein capriciöses, übermütiges, hastiges Wesen, etwas von toller Laune; die Franzosensuchen nach Pointen und kommen über parlante Formen nur selten hinaus; die Nord-länder bleiben immer unter dem Bann einer überwältigenden, alle Eindrücke beherrschendenNatur und zeigen nur ernste feierliche Mienen. Die Deutschen treffen den ausgleichendenTon am sichersten und wissen ihn in vollster Reinheit festzuhalten, ihm hin und wiederauch einen schalkhaften Anstug zu verleihen, der den innigen Grundcharaktcr nicht auf-hebt und sich mit den melancholischen Wendungen zu vertragen weiß. Das jetzt popu-läre deutsche Lied stammt aus Mittelgebirgsländern mit ihrem ansprechenden Wechselvon Berg und Thal, Wald und Wiese, es spiegelt in seiner Weise diesen landschaftlichenCharakter." Näher wird dies in einer Art bestimmt, die für uns Schwaben eine fastunerwartete Ehre ist: „Diejenigen Volkslieder, die dermalen auch in den Salons Zutritt