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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
Entstehung
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Vocabcllcrnen.

Volkslied.

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zweckmäßige Auswahl der Wörter vielfach vermißt wird. Einzelne Vocabclbüchcr fürFranzösisch sind meist für das bloße Auswendiglernen in den unteren Elasten bestimmt;andere vocalmlairos, Phrasen-und Dialogensammlungen sind sachlich geordnet (sMo-matignes) und sollen als Anleitung zum Sprechen (§uiäo äs convorsation tranyaiso)in oberen Elasten dienen. Vgl. darüber Schmitz, Encyklopädie des philolog. Studiumsder neueren Sprachen, S. 127, 211, 432. Sachlich und etymologisch ist daslateinisch-deutsche Vocabular von Beck mit Gegenüberstellung der betreffenden fran-zösischen und englischen Umbildungen von Ben ecke. Berlin 1868. Oucck.

Vocationsdecret,urkunde Anstellungsdecret s. Anstellung S. 219.

Volkslied. Wir haben diesen Gegenstand hier weder vom ästhetischen noch vomlitcrar-historischcn Gesichtspunct ans zu betrachten; die Frage ist für uns nur diese:ob und in welcher Weise das Volkslied auch für das Jugcndalter beizuzichcn und alsBildungsmittel zu gebrauchen sei? wobei sowohl die poetische als die musikalische Seitein Betracht kommt. Die edelste Gattung des Volkslieds, den Choral, lassen wir hierunerörtert, da das Nöthige hierüber schon in den Artikeln Gesang (Bd. II. S. 759761)und Gesangbuch gesagt ist.

Gehen wir zunächst von der Melodie aus denn ein Volkslied, das nicht gesungenWird, ist ein non ons, im Volke selbst erhält es sich immer nur dadurch, daß es wirklichgesungen, nicht etwa gelesen oder gar declamirt wird, also nur durch seine Melodie:so bietet die Leichtigkeit der Ausführung, das Einfache, Ohrenfällige des Volksliedes,das weder Sprünge in der Tonfolge, noch entfernte Ausweichungen, noch chroma-tische Gänge kennt, das auch dem nicht musikalisch geschulten, aber eines guten Gehörssich erfreuenden Sänger das sogenannte Secundiren sehr leicht macht, all dasbietet, sagen Wir, die erwünschte Gelegenheit, dem Kinde, noch che man es mit demNotcnlernen plagen muß, sobald nur sein Stimmchcn feste Tonfolgen zu Standebringt, solche Melodien zu geben, die es augenblicklich fassen und nachsingcn kann, jadie es, sobald es sie einigemal gehört hat, ungeheißen zum eigenen Vergnügen nach-stngt. Der Text ist ihm dabei oft so sehr Nebensache, daß cs auch Unverstandenesgetrost acceptirt, manchmal auch sich den Text in einer Weise zurecht macht, wodurcher erst zum blanken Unsinn wird. Das muß natürlich aufhören, sobald eS mit demSingenlernen Ernst wird. Alsdann dürfen Volkslieder nicht mehr der einzige Stoffsein, der im Unterricht und zum musikalischen Genuß verwendet wird, weil sonstGehör und Stimme für die mannigfacheren und höheren Gattungen, wie namentlichfür den kunstvolleren Chorgesang und Einzelgesang nicht ausgebildct würden; aber einwerthvoller Thcil des Gesanges bleibt das Volkslied auf allen Stufen. Wie so manch-mal bei Gesangfesten ein Volkslied, gut gesungen, als echte Perle aus allen Produc-tionen hervorglänzt, so haben ja unsere größten Meister immer wieder aus diesenQuellen geschöpft; wie hat nicht nur z. B. Boieldieu seineweiße Frau" mit den köstlichenschottischen Volksmelodien zu schmücken verstanden, sondern wie klingt selbst aus Bcethc-vcnschen Symphonien, noch weit mehr in Haydns großen Vocal- und Instrumental-Werken der Ton der Volksmelodie so reizend heraus! Für Kinder vollends sind dieVolkslieder den expreß componirtcn Kindcrliedern (man merkt die Absicht undwird verstimmt," heißt es so oft bei diesen) durchschnittlich vorzuziehcn. Und wennihrer Zeit Nägeli, Gersbach und andere Männer der Aufkläruugszcit mit Gering-schätzung auf die originalen Volkslieder (auch auf die Choräle der Gemeinde) herabzu-sehen liebten, weil sie viel Besseres selbst producircn zu können überzeugt waren, oderwenn, wie der Unterzeichnete mit eigenen Ohren vernahm, ein angesehener Rcsidenzprc-diger in den, dreißiger Jahren es für eine Schande erklärte, daß ein Mann wie Silchersich mit Bauernliedchen abgebe, so ist das nur ein weiterer Beweis, wie man gerade inder Zeit, in der man so recht populär sein wollte, von wirklicher Popularität keineAhnung hatte.