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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vocabellerncn.

untern Gossen bedürfen einer bestimmten Anleitung, wie sie beim Präparircn zu Werkzu gehen haben; und die einmal erlernten Vocabcln müssen ebenso wie die Regeln Gegen-stand wiederholter Repetition sein, bei der durch mannigfach wechselnde Fragweise einemmechanischen Auswendiglernen vvrgcbeugt wird; bei den Versetzungen ist auf sichereVocabelkenntnis ein größeres Gewicht zu legen, als gemeiniglich geschieht. Wenn aufLiese Weise durch feste Einprägung der in der Grammatik und den Lcsestücken vorkom-menden Vocabcln dem Bedürfnis der untersten Gassen im allgemeinen genügt werdenkann, so ist doch außerdem, in Betracht der Nothwendigkcit empirischer Grundlagen beimersten Unterricht, und für die Zeit der größten Willigkeit des Gedächtnisses, rein metho-disches Vocabellerncn sehr zu empfehlen. Am wenigsten empfiehlt es sich, Vocabclnnur nach der zufälligen Ordnung des Alphabets lernen zu lassen; bildend für das Sprach-gefühl auch im ersten Knabenalter wird es nur geschehen, wenn das Zusammengehörigegruppenweis und nach Analogien gelernt wird, wobei sowohl der reale wie der logischeGesichtspunct, nach welchem z. B. auch die oxxosita eingeprägt werden, Berücksichtigungverdienen. Geht ein streng etymologisches Verfahren über die Kräfte der Schüler inden untersten Gassen hinaus und eignet sich überhaupt für die Schule nur das in dieserBeziehung unzweifelhaft Feststehende zur Benutzung, so ist doch das Wesentliche derWortbildungslehre, worin jetzt nicht selten eine große Unwissenheit angetroffen wird, nachMaßgabe des Schulbedürfnisses, bei welchem cs auf eine systematische Vollständigkeit nichtankommen kann, gehörigen Orts mitzutheilen und einzuüben. Der beabsichtigte Nutzeneines irgendwie geordneten Vocabellernens wird indes nur dann mit Sicherheit erwartetwerden können, wenn cs keine isolirte Gedächtnisübung bleibt, sondern wenn, je nachden einzelnen Gassenstufen, der erlernte Wortvorrath in mündlicher und schriftlicherUebung fortwährend zur Verwendung kommt, und möglichst in lebendiger Gegen-wärtigkeit erhalten wird."

In dieser Verfügung war die Nothwendigkcit einer coxia vocabnlorum im Lateini-schen, das methodisch geordnete Verfahren, das angemessene Fortschreiten von Stufe zuStufe, die Verwendung und Verwerthung der einmal gelernten Wörter scharf hervor-gehoben; und La sich dieselbe definitiver und bindender Vorschriften hinsichtlich der Aus-führung enthielt, vielmehr diese den Berathungen, Erfahrungen und individuellen An-schauungen der Lehrercollegien überließ, so War damit eine wohlthätige Anregung gegeben,welche das Interesse weckte, das Nachdenken reizte, die Prüfung der verschiedenenGesichtspuncte und Methoden veranlaßte und sicherlich großen Nutzen schaffte. Infolgedavon erschien eine große Anzahl von Vocabularien und Lesebüchern mit Vocabularicn,fand die Frage eingehende Behandlung pro und contra in Collegien, Zeitschriften,Programmen und stand bei allgemeinen und Provinciellen Versammlungen der Schul-männer und Directoren häufig auf der Tagesordnung.

In neuerer Zeit ist die Nothwendigkcit eines plan- und regelmäßigen, nicht dembloßen Zufall anheimgegebenen Vocabellernens allgemein anerkannt; man darf inheutiger Zeit, wo neben der lateinischen Sprache noch so viele andere Anforderungenan die Kraft der Schüler herantretcn, wo die Alleinherrschaft des Lateinischen zurückge-treten ist, die Anforderungen aber an die Leistungen in demselben nicht weiter beschränktwerden können, nicht mehr darauf rechnen, daß der tägliche Unterricht und die täglichenUebungen von selber eine solche Wörterkenntnis absctzcn, wie sie für eine raschere Lec-türe der Classiker nothwendig ist. Die Ansichten aber über die Nothwendigkcit undden Nutzen besonderer für diesen Zweck bestimmter Vocabularien, über ihre zweck-mäßige Einrichtung, über das dabei zu Grunde zu legende Princip, über das beimLernen, Einüben, Repctiren zu beobachtende Verfahren, sind sehr getheilt und gehenweit auseinander. Manche verwerfen auch jetzt noch den Gebrauch besonderer Vocabu-larien; die Behauptung wird von urtheilssähigen Schulmännern ausgesprochen, daßauch jetzt noch nach der Verfügung von 1856 eine ausreichend feste Vocabelkennt-nis, wenn auch viel erstrebt doch noch nicht erreicht sei, und daß die vielfach in Gebrauch