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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vocabcllernen.

sachlichen Zusammenhang gebracht und in eine sprachliche Verbindung eingestellt; mit demLernen desselben wird die Vorstellung eines Gegenstandes oder ein Begriff neu gewonnenoder aufgefrischt, befestigt und erweitert; das Interesse am einzelnen Worte und dessenVerständnis ist dadurch mehr gesteigert und das Geschäft des Erlcrncns mehr erleichtert,als wenn eine lange Reihe von dürren Vccabeln, die entweder ohne jeden sachlichenZusammenhang hinter einander stehen oder nur lose unter einen: gemeinsamen Begriffzusammcngefaßt sind, eingelernt und hergesagt und dann vielleicht bald wieder vergessenoder wenigstens gelockert wird. Doch läßt sich nicht verkennen, daß die Sähe desComenius eben nur um der einzelnen Wörter und eines gesuchten realen Zusammen-hanges willen, in welchem sie erscheinen und als Gedächtnisaufgabe vorgeführt werden,g c m a ch t und willkürlich gestaltet sind, und daß, wenn ein Knabe drei oder vier solchernoch so geschickt zusammengesetzter und auch nach ihrem Inhalte klug berechneter Sätzeverstanden und gelernt und dadurch sich in den Besitz von 1215 Vocabeln gesetzt hat,diese Vocabeln sich doch wieder aus jenem Zusammenhänge als einzelne Wörter undBegriffe loslösen müßen und wieder unverbunden und ohne lebendigen Zusammenhangund unvermittelt im Gedächtnisse liegen oder sich verlieren.

Ein fester Zusammenhalt und lebendiger Zusammenhang der zu lernenden Vocabeln,ein leichteres und freudigeres Merken und sicheres Behalten derselben wird nur vermittelt,wie man bald erkannte, wenn etymologisch zusammengehörige Wörter zusammengestelltsind und durch die formelle Verwandtschaft der Wörter und das darinliegcnde Gesetzder Wortbildung, so wie durch entsprechende Bedeutung das Verständnis erleichtert, dasInteresse geweckt, der Dienst des Gedächtnisses unterstützt, die Mannigfaltigkeit vielerEinzelheiten auf eine gleichmäßige oder wenigstens oft wicderkehrende Analogie zurück-geführt wird.

Dieses Verfahren nach etymologischem Principe, ein etymologisches Vocabularium,war freilich erst möglich, nachdem die etymologische Forschung der Sprache Fortschrittegemacht hatte und zu gewißen Beobachtungen und Resultaten, wenn auch noch in be-schränkterem Umfange, gelaugt war. Dieser etymologische Gefichtspunct ist zuerst vonChristoph Ccllarius in's Auge gefaßt worden in seinem I-illor latinitutis xrolmtaost sxsroituo msmormlis uutnrali oräius ckisposltns 1688. Dieses Hülfsbnch ist spätervon I. M. Gesner herausgegcben und viel gebraucht worden; wahrscheinlich als dieletzte Bearbeitung wird citirt Urimitivu lutiuu sx Ubro momoriali Ollr. OsIIurii clsserixta,kt nnmerutu, Lrunsvi^ 1788; an die primitive schloßen sich äeriruta, an. Das Vocabcl-lcrnen war fortwährend ernstlich gefordert worden, was man auch aus der motlloäusder lateinischen Grammatik Joach. Lange's ersteht.

Seit dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts aber war das Vocabellcrncnmehr und mehr zurückgetreteu, vielleicht weil bei dem Auswendiglernen ein zu mecha-nisches und unfruchtbares Verfahren eingerisscu war, vielleicht auch durch den Einflußder Philanthropisten, welche durch möglichste Veranschaulichung beim Unterrichte,unddurch praktische Unterweisung in Len Sprachen den todten Gedächtniskram aus denSchulen verbannen zu können vermeinten, deshalb die Abschaffung eines gesondertenVocabellernens verlangten und die Bereicherung des Wortschatzes nur beiläufig gefördertwissen wollten. Die Bestrebungen, Methoden und Erfolge des Philanthropinismus, ob-wohl auch er manche gute Anregung gegeben hat, fielen bald dahin; die aufgctriebcnenSeifenblasen und der aufgewirbelte Staub sank bald zusammen. Die Männer derSchule hatten überhaupt den Theorien und der Industrie dieser Richtung wenig Ver-trauen und Beachtung- gewidmet, die alte Praxis und Methode nahm ihren Fortgangund fand Verbesserung und Vervollkommnung; die etymologische Forschung gewann Aus-dehnung, wissenschaftliche Methode, sichere Resultate und wurde in größeren und kleinerenWörterbüchern auch für Schulzwecke nutzbar gemacht. Für das Vocabellernen erschienzuerst 1820 Las Vocabularium von Friedrich Wiggert: Vooubnla lutiug.6 liuZ-uusprimitive und hat sich durch viele Auflagen weit verbreitet und bis in die neueste Zeit