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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
Entstehung
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Vocabellernen. Z

gelernt, geübt, rccitirt werden. In der ssbola, xrivuta Melanchthons wurde nach undnach, täglich nicht mehr als 10 Verse, Vcr ganze Terenz auswendig gelernt.

Aus dem Vorstehenden ergiebt sich also, daß in den Lateinschulen der Rcforma-tionszeit auf den untersten Stufen ein regelmäßiges Lernen einzelner Wörter statifandund man dann znm Lernen von sprachlichen Verbindungen, Redensarten, Sentenzen,zusammenhängenden Sähen und ganzen Stellen fortschritt, wodurch die Jugend zugleichihren Wortschatz bereichern sollte und mußte. Wenn auch nicht ohne Ordnung und Ein-theilnng verfahren wurde, so scheint doch dabei eine feste, durch die Sprache selbst undden Unterrichtsgang bedingte Methode nicht befolgt worden zu sein. Die Gedächtnis-kraft wurde ausschließlich dafür in Anspruch genommen, ein Verständnis der Sprache,ein Zusammenwirken der verschiedenen Lern- und Uebungsthätigkeitcn war nicht insAuge gefaßt; war der Sprachstosf gedächtnismäßig angeeignet, so konnte sich Wohl bes-seres Verständnis und Einsicht in die Zusammengehörigkeit der einzelnen Wörter nach-träglich von selber ergeben.

Schon in der Zeit des dreißigjährigen Krieges bereitete sich eine Umgestaltungder Schule vor; es bildete sich der Begriff einer deutschen Schule, sobolu vorimoulu,und des Gymnasiums; neue Unterrichts- und Erziehnngsprincipien tauchten auf, obwohles lange dauerte, ehe die Grundsätze und Methoden eines Amos Comenius (s. d.Art. Bd. I. S. 821 ff.) einigermaßen zur Geltung durchdrangen. Dieser wollte ausder Schule alle Schriften verbannen, die bloß Wörter lehren und nicht auch Sachen;das Reelle war ihm das Nützliche und Lcrnenswerthe; der Jngcndunterricht sollte soeingerichtet sein, baß eine Arbeit mehrere Früchte trage. Hinsichtlich der Erlernung derWörter einer fremden Sprache verwarf er das Lernen einzelner, isolirtcr Wörter, auchwenn sie durch ein loses Band zusammengehalten würden: Wort und Sache sollten stetsverbunden, die Wörter nur in Verbindung mit den Sachen gelehrt, jede Sprache über-haupt mehr durch den Gebrauch als durch Regeln gelernt werden, d. h. durch Hören,Lesen, Wiederlesen, Nachahmung, Sprechübung; dem Gedächtnis soll man nur das zu-muthen, was verstanden ist; zuerst sollen die Sinne des Lernenden, dann sein Gedächtnis,hernach der Verstand und das llrtheil geübt werden. Nach diesen Grundsätzen schriebComenius 1631 seine llunuu lin^uarum ressrats, unrou, auch sswinurinm liuAnurnmet scisntiarnm omninm betitelt, um dem Leserin einem kurzen Begriff die ganze Weltund die lateinische Sprache" zu zeigen, in 100 Abschnitten (tituli) und 1000 Sätzeneine kleine Encyklopädie alles wissenswürdigen. In diesen Titeln und Sätzen, z. B.äs i§ns, äs aguis, äs luxiäibus, äs mstullis, äs bsrbis ets., kommen ungefähr 8000der gebräuchlichsten Wörter in kurzen Sätzen vor. Zu den lateinischen Sähen ist dasDeutsche hinzngefügt, in anderen Ausgaben auch das Französische, wie ja das Buch insehr viele Sprachen überseht worden ist. Im Anschluß daran schrieb Comenius einWörterbuch, eine Grammatik und den Orbis piotns (1657). So wollte er die Aneig-nung, das Lernen und Behalten der Voeabeln und des Wortschatzes nicht durch ein nachsachlichen Gcsichtspuncten geordnetes Wörterverzeichnis (Vocabnlarium), sondern durchzusammenhängende, grammatisch verbundene, in der Form der Frage und Antwort demKnaben verständliche und behältliche Sähe über ihm bekannte oder lernenswcrthe realeGegenstände (nt rerum ipsu nnivsrsitas xsr osrtas slussss xnsritius oaptnmäiAsrsrstur) vermitteln.

Während man in den verschiedenen Schulordnungen des Reformationsjahrhundertsgenauere Anweisung über den Lehr- und Lernstoff und eine abgemessene und nach Stufenund Classen berechnete Vertheilung desselben erkennt, und dabei die Gedächtniskraft vor-erst und vornehmlich in Anspruch genommen wird und dem scholastisch-orthodoxen Geisteder Zeit entsprechend, ausschließlich der formale Bildnngszwcck in den Vordergrund tritt,vertritt Comenius eine realistische Opposition und hat seinen pädagogischen Realismusin vollständiger Ausbildung bis auf die Anfänge der Spracherlernung, die Aneignungdes Wortschatzes, durchgeführt. Das zu lernende Wort ist von ihm allerdings in einen