r. Kapitel. Von den Dehnungszeichen. »45
deutschen Mundart wenigstens durch die Schriftzu nähern.
Von dem y:
§. 5. Unser Deutsches y, welches mit demLateinischen y nichts als die zufällige Figur gemeinhat, daher es auch nie Zpstlon genannt werdensollte, ist eigentlich nichts als ein zusammen gezo-genes lf, indem die harte Oberdeutsche Mundartdem l i» vielen Fällen ein j nachschlcichen läßt, und .dieses denn auch durch die Schrift bezeichncte. Amhäufigsten geschähe solches nach dem a und e, wodieser Ncbenlaut zugleich am merklichsten war, beywie beij, Ey wie Elf. Die neuere Hochdeut-sche Aussprache legte zwar dieses j nebst andernNebentönen der Oberdeutschen Mundart ab, be-hielt aber das Zeichen y gleichfalls für das Augebey, weil cs geschickt war, den Wurzelwör-tcrn und Wurzclsylben, welche sich auf ai und eiendigen, dadurch mehr Körper zu geben: Day,.May, bey, Ey, allcrlcy, zwey, drey; dennan die Dehnung konnte man hier wohl nicht geden-ken, weil ai und ei als Diphthongen keines Deh--nungszeichens bedurften. Daß dieses y nichts an-ders als ein doppeltes i ist, wissen so gar unseregemeinen Schreibe- und Lesemeister, welche cs sehrrichtig nur ii und nicht Epsilon nennen, es auchgern mit zwey Puncten zu bezeichnen pflegen. DieNicdersachsen gebrauchen es daher auch in derMitte der Sylben, anstatt eines gedehnten odervielmehr verdoppelten!, Tyd, hyr, für Tiid,hür. Anders lautet daher daS y in Griechischen