»44 m. Abschnitt. Von den Sylben.
Da die Diphthongen in den meisten Fällen ohne-hin gedehnt sind, auch dem Woete schon körper-lichen Umfang genug geben, so fallt die Verdop-pelung bcy ihnen gleichfalls weg. Es sind alsoeigentlich nur das a, e und o, welche verdoppeltzu werden Pflegen.
Gebrauch des ie.
§. q. Das i wird nie verdoppelt, theils weilein ii leicht eine Verwechselung mit dem ü machenkönnte, theilö weil man bereits zwey Hülfsmittelin der altern Orthographie fand, die man nurzweckmässig anwcndcn durfte; diese waren das ie,und in einigen Fällen das y. Was besonders dasje betrifft, so hatten schon die Griechen und älrernRömer in ihrem « und ei etwas ähnliches, alswelches gleichfalls ein gedehntes i außbrückte, puereifür pueri, wie aus dem Quintilian B. i Kap. 7erhellet. Unser ie war nun ursprünglich nicht eigent-lich ein Zeichen der Dehnung, sondern eine ge-treue Nachahmung der Oberdeutschen ncch gang-baren Aussprache, welche den gedehnten Vocalcn,und besonders dem i, ein deutliches e nachschlcichcn,folglich das ie zweysylbig hören lässt, lVi-en,mi-er, Bi-er; vielleicht auch in der dunkelen Ab-sicht, dem kurzen einsylbigen Worte dadurch mehrVollständigkeit zu geben. Die Hochdeutsche Mund-art hatte zwar diese Aussprache nicht, sie behieltaber das ie als ein Zeichen der ^ rhnung und zurErweiterung der Gestalt des Wortes bey, theilSum sich sowenig als möglich von der bisher üblichemAussprache zu entfernen, theils auch sich der Ober-