r. Kapitel. Von den Consonanten. 171
dersachsen, welche die Hauchlaute geen vermeiden,es auch hier sehr schwach, und gemeiniglich garnicht hören lassen. Aus diesem Grunde zu behaup-ten, daß das h in der Mitte gar nicht gehöretwerden müsse, har Abstammung, Aussprache undGebrauch, kurz alles wider sich, was eine Sprach-griilenur wider sich haben kann. DieNiedersach-scn verbeißen aus Bequemlichkeit auch das d undg zwischen zwey Voealen, schaen, Vaer,sci)laen,für schaden, Vater, schlagen. Wer wird umdeßwillen behaupten, daß diese Buchstaben auch imHochdeutschen nicht müßten gesprochen werden?Daß das hhier ein wahrer hörbarer Consonant ist,erhellet auch daraus, daß es in den alten Biegungs-arlcn der Analogie der übrigen folgt, und wennder vorher gehende gedehnte Voral gcschär'rwird,in das härtere ch übergehet: scheu, Gesicht,fliehen, Flucht, ziehen, sucht, geschehen,Geschichte, die Ehe, ehedem Gesetz, echt.
Ich kann bey dieser Gelegenheit nicht umhin,einen Vorschlag zuthun, einer kleinen l orthogra-phischen Schwierigkeit abzuhelfen. Man ist in un-fern Tagen den verdoppelten Vocalen nicht hold,und ich gestehe gern, daß ich, sofern sie bloße Deh-nungszeichen sind,gleichfalls kein Verehrer von ihnenbin. Nun haben wir aber durch die träge Nieder-sächsische Mundart manche Wörter mit verdoppel-ten Vocalen bekommen, welche ursprünglich einenHauchlaut haben, der sich leicht wieder Herstellenlässet, ohne der Aussprache Gewaltanzuthun. Z. B,dreSchlee, eine Frucht, die Spree, ein ge-