Druckschrift 
Vollständige Anweisung zur deutschen Orthographie : nebst einem kleinen Wörterbuche für die Aussprache , Orthographie, Biegung und Ableitung
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

i;2 II. Abschnitt. Von den einzelnen Buchstaben.-

schreibt auch so, wenn sie sich selbst überlassen ist,und sich nicht schon zur Hochdeutschen Orthogra-phie bcqucmt hat; die Niederdeutsche hingegen,welche einen überwiegenden Hang zur weichen undgelinden Aussprache hat übertreibt dafür dieweichen Consonanten, riood, (gut,) Verder,sune, (Posaune,) blüpeu, plärren,) und ge-het in der Weichlichkeit so weit, daß ihr oft auchdas d noch zu hart ist, Darr, Moer, fürVater, Mutter. Da beude Mundarten in demsüdlichen Sachsen zusammen flössen, und durch dieseVermischung, ln wclcver sie sich gegenseitig milder-ten, die heutige Schriftsprache bildeten, so ent-stand in Ansehung der weichen und harten Conso-nanten ein gewisses Mittel, welches die rauheOberdeutsche Härte durch die träge NiederdeutscheWeichlichkeit milderte, und in Ansehung der mei-sten Stamm- und Wurzelwörter ist es wohl einbloßer Zufall, daß sie nun cinmahl mit einem wei-chen oder hartenConsonantcn üblich sind; denn dieEtymologie kann hier nichts entscheiden, indem esimmer darauf entkommt, aus welcher Mundartdie Wurzel hergenommen wird. Der Oberdeut-sche schreibt und spricht Teutsch, der Niederdeut-sche, Holländer, Engländer u. s f Deutsch, jedernach seiner Mundart richtig. Die alten Frankenvereinigten schon beyde Aussprachen und schriebenThemsch; die südlichen Obersachsen neigten sich,so wie in andern Fällen, mehr zum Niederdeut-schen, daher ist auch Deutsch bey ihnen üblicher.Die Abstammung entscheidet hier nichts, weil sieungewiß ist, und die wahrscheinlichste sich doch