! Abschnitt. Allgemeine Grundgesetze.
schon im vorigen angeführet, und halte mich da-bey nicht weiter auf, weil ich nur derer gedenkenwill, welche zweifelhaft scheinen können, indemSchreibart und Aussprache in ihnen dem An-scheine nach nicht überein stimmen. Die vornehm-sten dieser Wörter sind vierte, Viertel, vier-zig , wahrlich, dich, pohlnisch von Pohlen,Dienstag, so fern es von bienen , Dienst abge-leitet wird. Alle diese Wörter stammen von ge»dehnten Wurzeln ab, und sollten in so fern auchin der Ableitung gedehnt lauten; allein so fern aufdie Wurzelsol w doppelte Consonanten folgen, müßtenach der altern Analogie der gedehnte Ton in dengeschärften übergehen. Siehet man auf die Mund-arten, so scheinet in den Oberdeutschen, welcheohne hin sehr zur Dehnung geneigt sind, die ge-dehnte, in den Niederdeutschen aber, welche dieKürze lieben, die geschärfte Aussprache die herr-schende zu seyn. Da in dem südlichen Sachsenbeyde Mundarten in einander schmolzen, so konn-ten dergleichen widersprechende Analogien leichteine schwankende und ungewisse Aussprache veran-lassen. Allein man bestimmte sich in dergleichen Fäl-len gern nach der Niederdeutschen; daher sprichtmandecvirce, virzig, Virtel, (wie dritteund Drittel), warrlirh, diß, Dinstag; be-zeichnet aber die nächste Abstammung für das Auge,und schreibt daher vierte, vierzig u. s. f. Dassind ein Paar von den wenigen Fällen, in welchendie Hochdeutsche Aussprache von der Orthographieabweicht, wo aber doch die Abweichung ihren gu-ten Grund hat.