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Vollständige Anweisung zur deutschen Orthographie : nebst einem kleinen Wörterbuche für die Aussprache , Orthographie, Biegung und Ableitung
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2. Kapitel. Bezeichnung des Gehörten. sp

Warum manche Völker anders schreiben, alssie sprechen.

§. 2. Zwar gibt es heutiges Tages ganzeansehnliche Völkerschaften, und vermuthlich hates deren ehedem auch gegeben, deren Schrift mehroder weniger von der Aussprache abweicht, undwelche folglich als ein Einwurf wider meine obigeBehauptung angesehen werden könnten. Allein esläßt sich leicht beweisen, daß diese Abweichung eine^ bloße Einschränkung oder nähere Bestimmung desgedachten Grundgesetzes ist, welche mancher loca-ler und individueller Umstände wegen nothwcndigbefunden worden, wenn die Schrift ihrer nächstenAbsicht, die Gedanken des Schreibenden dem Augesichtbar darzustelien, getreu bleiben sollte. Wennein Volk auf solche Art von einem andern unter-jochet, oder auf solche Art mit demselben ver-mischet wird, daß beyder Sprachen in einanderfließen, so wird dadurch oft der ganze Bau derWörter so sehr zerstöret, und die Biegung undVerbindung derselben so verändert, daß die da-durch entstandene Sprache ein Zwitter wird, derkeiner von den beyden, woraus sie entstanden,mehr ähnlich ist. Dadurch verlieret denn nuneine solche Sprache alle Eigcnthümlichkcit, die Be-deutungen der Wörter verlieren ihre Stütze, undeine solche Sprache wird nach und nach so schwan-kend und unbestimmt, daß sie endlich mehr einerwillkürlichen, durch das Ungefähr zusammen ge-brachten Sammlung von Lauten und Tönen, alseiner bestimmten und nach dem dunkeln Gefühleder Absicht und Mittel gebildeten Sprache ähnlich