804 Die Reichstagssession von 1886—87.
sich, wir brauchen sie nicht, wir sind so stark genug. Ichsage: einen traurigen Mut, weil dieses mich einiger-maßen an den milos Zloriosus erinnert, der sagt: wirschlagen die Franzosen auch so wie so. Meine Herren,da irren Sie sich, die parlamentarischen Strategen! Sieunterschätzen die Macht von Frankreich: Frankreich istein großes mächtiges Land, ebenso mächtig wie wir,Frankreich hat ein kriegerisches Volk und ein tapferesVolk und hat jederzeit geschickte Heerführer gehabt. Esist ein Zufall, wenn sie uns unterlegen sind. Sie unter-schätzen die Franzosen in der allerirrtümlichsten Weise,und es wäre eine Ueberhebung, zu sagen, daß Frankreichan und für sich als geschlagen zu betrachten wäre, wennes uns gegenübersteht.
Wenn aber die Sachen so zweifelhaft sind nach demUrteil der kompetenten Behörden, wenn die Möglichkeitüberhaupt nach menschlicher Berechnung vorhanden ist,daß wir geschlagen werden können, — ja, meine Herren,dann sind die Folgen eines unglücklichen Krieges dochzu traurig, als daß irgend jemand, wenn sie eintreten,die Verantwortung für ein solches Votum tragen könnte.Es ist viel von ministerieller Verantwortlichkeit die Rede,aber ich habe nie gehört — vielleicht wird es der Zu-kunft Vorbehalten, solche Gesetze einzuführen —, daß auchAbgeordnete, welche an Beschlüssen teilnehmen, die ihrLand ins Unglück führen, einer Verantwortlichkeit dafürvor dem Richter unterliegen. (Bravo! rechts.) Wennsie bewußterweise unser Land für den Krieg schwächen,dann halte ich ein solches Gesetz für ein Bedürfnis; ichwerde beantragen, daß es eingebracht wird. Wenn wirunterliegen — ich wage diesen Gedanken ja gar nichtauszudenken; aber die Möglichkeit werden Sie mir doch