Druckschrift 
15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

Ich wäre lieber krank geworden!

267

nicht; ich glaube, der Herr Abgeordnete Richter hätte imInteresse seiner Wiederwahl und seines Ansehens vorseinen Wählern besser gethan, gerade in dieser Sache,wenn er nicht an seine Lehnspflichten mit großer Schärfeund Drohung gemahnt sein wollte, nicht das Wort zuergreifen. Ich hätte es an seiner Stelle nicht gethanund wäre in dieser Situation lieber krank geworden.(Große Heiterkeit.)

Es liegt ja in der Zeit, es ist auch kein ungewohntesMittel bei seinen Fraktionsgenossen bei andern Gelegen-heiten, daß man nicht vorhanden ist; man hat dringendeGeschäfte oder wird unwohl. Bei dieser Gelegenheitwäre ich an des Abgeordneten Richter Stelle unwohlgeworden. (Heiterkeit rechts. Zuruf des AbgeordnetenRichter: sehr schwach! Nus: Vertagen!)

Das Haus vertagte sich hierauf. Doch bemerkte Abgeord-neter Richter noch persönlich, die Angriffe des Reichskanzlers be-wiesen dessen Verlegenheit, etwas Sachliches zu erwidern; dieUnterstellung, als werde er, Redner, in seiner Haltung, seiner Ab-stimmung von etwas anderem, als seiner inneren Ueberzeugungbestimmt, könne er nur mit derjenigen Mißachtung zurückweisen,die solchen Insinuationen gebühre. Der Ministerpräsidentreplizierte:

Zu einer sachlichen Erwiderung gibt mir die Rededes Herrn Abgeordneten Richter nicht den mindestenAnlaß, dazu habe ich keinen Grund. Was die Miß-achtung betrifft, in der ich bei dem Herrn AbgeordnetenRichter stehen sollte ich kann mir das kaum denkenso will ich meine korrespondierenden Gefühle lieber ver-schweigen. Meine Erziehung und meine parlamentarischeilGewohnheiten (oh, oh! links) erlauben mir nicht, ihnenden vollen Ausdruck zu geben. Der Herr Abgeordnete