140 - Die Reichstngssessivii vo» 1885 — 86 .
doch schon in den Fraktionsbeschlüssen festliegt, und meineStimmmittel nicht mehr so sind, daß ich sie unnütz ver-wenden dürfte; aber es sind gewisse Andeutungen, diemich persönlich betreffen, und die ich nicht unwiderlegtlassen kann.
Der Herr Abgeordnete hat mir Schuld gegeben, ichHütte die Zivilehe eingebracht, wie er sich ausdrückte.Dies ist eine thatsächliche Unwahrheit. Ich habe sienicht eingebracht, als sie beschlossen wurde im Ministerium,bin ich gar nicht hier anwesend gewesen, sondern warkrank und beurlaubt; das habe ich schon öfter wieder-holt. (Oho! links.) — Meine Herren, aus unartikuliertenTönen kann ich nichts anderes entnehmen, als daß Sienicht meiner Meinung sind; das weiß ich ohnehin. Siebrauchen diese ungewöhnliche Kundgebung deshalb garnicht in Szene zu setzen. — Ich habe schließlich lieberder Zivilgesetzgebung zugestimmt, als mich, krank undabwesend, wie ich war, der Möglichkeit auszusetzen, daßvier neue Ministerportefeuilles vakant werden würden;ich war nicht im stände, Seiner Majestät im damaligenZustande Nachfolger zu verschaffen. An und für sicherachte ich die Sache nicht für so schlimm, wie sie inunserer öffentlichen Meinung gehalten wird; ich haltedie Eheschließung mit Luther, den ich, glaube ich, aufmeiner Seite habe, für eine bürgerliche Institution, vonder allerdings zu wünschen ist, daß sie auch des kirch-lichen Segens nicht entbehre. Daß ich aber hierdurchThür und Thor geöffnet hätte zur sozialdemokratischenEhe, zur Ehe auf Kündigung, ist doch gewiß eine un-gerechte Beschuldigung, die der Herr Abgeordnete Bebelgegen mich ausgesprochen hat. Die Abschaffung der Eheist ja in einem bestimmten Programm der Sozialdemo-