Herr Richter die geborene Autorität für Politik. 119
Urteil, als ich zu sein mir jemals anmaßen kann; undwenn er sagt: es ist nichts zu befürchten, und ich sage:ich sehe einige schwarze Punkte, — so bin ich ganz daraufgefaßt, daß man, wenigstens in allen fortschrittlichenKreisen, dem Herrn Abgeordneten Richter glauben wird;denn er ist eben die geborene Autorität dafür. Ich kannnichts weiter als meine Schuldigkeit und Pflicht thun;was darauf folgt, ist mir vollständig gleichgiltig; undwenn Herr Richter durch seine Rede die Nachdenklichkeit,die ich über unsere Zustände zu erzeugen gesucht habe,wieder zerstört, so muß ich es mir gefallen lassen, — ichkann ihm das nicht verbieten.
Der Herr Abgeordnete Richter hat demnächst gesagt:wenn je die Fürsten sich unterstehen sollten, weil die Er-wartungen durch die Reichstagsmajorität und namentlichdurch die Politik, wie sie der Abgeordnete Richter ver-folgt, nicht erfüllt würden, jenials auf dem bekanntenwölfischen und polnischen Wege des gesetzlichen Fortschrittsden Versuch zu machen, wieder in den Besitz ihrer Rechtezu kommen, daß das eine revolutionäre und ganz un-mögliche Sache sein würde. Das hat er mit besonderemPathos, mit besonderer Erhebung der Stimme ausgerufen.Blicken wir etwas zurück in die Lehren der Geschichte,und zwar der Geschichte, die wir alle erlebt haben. Wasist denn 1866 anderes geschehen, als daß die Fürsten,die ihre Rechte verkannt sahen, in erster Linie der Königvon Preußen, eingriffen, den Zustand, der bis dahinbestanden hatte, unter dem Beifall aller Deutschen,wenigstens der Mehrheit von ihnen, beseitigten undandere Einrichtungen einführten? Der König von Preußenhat seinerseits doch das Hauptverdienst, dieses Reich ge-schaffen zu haben, und ist unter der Reichspolitik, die