Zum Kapitel der Nahrungsmittelverfälschung. 227
Er verweist uns an die Organe, welche das Reichüberall hält. Ich glaube, das Reich ist im Verhältniszu seiner Aufgabe die organloseste Institution, die über-haupt existiert. Ich hoffte auch, er würde mir einigenennen und einige entdecken, die mir bisher entgangensind; aber wir haben gar keine Organe, die namentlichdazu geeignet wären.
Ich will nur noch bestätigen, daß die Anpreisungder Bouquete für jede Sorte Wein mir gedruckt Vor-gelegen hat; sie befand sich, wenn ich nicht irre, bei denAkten des Reichsgesundheitsamts, und ich müßte michsehr irren, wenn ich nicht in dem für unsre sittlichenZustände so außerordentlich interessanten öffentlichen An-zeiger des Kladderadatsch dieselbe gefunden hätte — einTeil dieses Blattes, dessen Studium ich nur allen, diean der Verbesserung unsrer Sittenzustände arbeiten, drin-gend empfehlen kann aus sehr vielen Rücksichten, — wasman dort anpreist, ist außerordentlich lehrreich für den,der das Leben unsrer großen Städte genau beobachtet.
Einen Appell an die vorhandenen Laboratorien hierhaben wir ebenfalls versucht; wir sind ja so leichtsinnignicht vorgegangen; ich habe an alle inneren preußischenBehörden geschrieben, ob sie ein Berliner Laboratoriumhätten, das sie uns zur Verfügung stellen könnten, nament-lich auch an das Kultusministerium und die Institute,die unter ihm standen. Die Antworten, die ich da er-halten habe, setzen die Schwierigkeiten auseinander; nurvom landwirtschaftlichen Ministerium ist mir mit großerLiberalität das Laboratorium in der Tierarzneischule teil-weise zur Verfügung gestellt worden, aber doch nur inKonkurrenz gleichzeitiger Benutzung derselben Lokaliendurch andre, und das ist eben unzulässig. Sollen diese