142 Die Herbstsessioii des Reichstages von 1876.
30 Prozent bedeute; nur der Schmuggelhandel werde Gewinn da-von ziehen. Die Maßnahme sei weder finanzpolitisch noch münz-politisch verständlich, denn wegen der Zollerhöhung werde der Ver-kehr sich entsprechend vermindern und infolge weiterer Privilegie-rung der Goldmünzen das Agio derselben noch steigen, destowenigeraber werde es der russischen Regierung gelingen, das Gold imLande zurückzuhalten. Es handele sich bei dieser Maßnahme umunsre gemeinsamen Handelsbeziehungen mit Rußland, einen Gegen-stand, der naturgemäß Gegenstand der öffentlichen Kritik werdenmüsse. Das russische Souveränitätsbewußtsein komme dabei garnicht in Frage. Wir wollen gewiß mit allen Ländern auch aufhandelspolitischem Gebiet in Frieden leben, aber die allgemeineBesorgnis steige und der Unternehmungsgeist ersterbe unter derSpannung, in welche die Geschäftswelt durch die orientalische Frageversetzt werde. Der Redner wolle nicht glauben, daß der Kanzlerprivatim geäußert habe, die orientalische Frage und ihre Lösunghabe für Deutschland so wenig Bedeutung, wie sie auf den Ertrageines pommerschen Morgen Landes einzuwirken vermöge. Einederartige Maßregel gegen befreundete Nachbarmächte, wie der Zoll-ukas, sei nicht geeignet, die Sympathien für die angebliche Kultur-mission Rußlands zu vermehren. Alsbald ergriff der Reichs-kanzler das Wort:
Ich hatte zunächst meinen neben mir sitzenden HerrnKollegen, im Bundesrat (den Direktor im AuswärtigenAmt v. Philipsborn) gebeten, die Beantwortung der Inter-pellation in erster Linie zu übernehmen, weil ich nichtdarauf vorbereitet war, daß der Herr Redner den Haupt-schwerpunkt seiner Interpellation schließlich nicht auf daswirtschaftliche, sondern auf das politische Gebiet legenwürde. Soweit er sich auf das wirtschaftliche Gebiet ein-gelassen hat, bitte ich nachher um die Erlaubnis für denHerrn von Philipsborn, meine Antwort zu ergänzen undsie auf diese Weise in zwei Teile zu zerlegen.
Als ich die Interpellation zuerst zu Gesicht bekamund fand, daß sie dahin lautete: Was beabsichtigt der