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8 (1889) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche 1875 - 1877
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Die Mißbrauche auf dem Gebiete der Presse. 75

Gebiet auf das persönliche Gebiet. Man bemüht sichnicht, sachlich zu widerlegen und zu diskutieren, sondernman bemüht sich, nachzumeisen, daß der Gegner eigent-lich ein schlechter Kerl sei; man spürt in seinem Privat-leben nach, sucht irgend eine wunde Stelle zu finden,übertreibt diese, kurz und gut, betreibt wissentlich Ver-leumdung. Das vermehrt die Heftigkeit der Presse, dieLeidenschaftlichkeit, die dem deutschen Parteiwesen ohnehineigentümlich ist, mit dem gänzlichen Mangel an Urbanität,der unsrer Presse beiwohnt, dem Mangel an Höflichkeitbei jenen Kämpfen und Diskussionen, ohne die ein par-lamentarisches Leben nicht möglich ist. Das werden Siemir zugeben: könnten wir nicht etwas höflicher sein inunfern Preßerzeugnissen? Ich kenne sehr viele Herren,die, wenn sie mit einem persönlich sprechen, nicht zehnProzent von den unfreundlichen Worten über die Lippenbringen würden, die sie drucken lassen, sobald sie öffent-lich vor den Leuten zum Gegner sprechen. Ich glaube,wir würden, wenn wir etwas mehr Achtung gegenseitigfür fremde Meinungen an den Tag legten, auch Achtungvor den Meinungen der Männer haben, die gerade zurRegierung gehören und die sind ja auch Menschen undLandsleute, und etwas weiter kommen.

In der Beziehung ist mir oft das Verlangen gestelltworden, ein Minister solle-sich eine gewisse Dickfelligkeitverschaffen, und cs wird auf andre Länder verwiesen,wo man jedem Minister straflos Beleidigungen in dasGesicht werfen könne. Meine Herren, ich muß bekennen,ich ziehe den Staat vor, wo die Minister sich noch einfeines Gefühl, eine Entrüstung, wenn sie beleidigt werdenoder wenn ihnen eine Niederträchtigkeit ins Gesicht ge-schleudert wird, wo die Minister sich noch die Möglichkeit,