674
Ohmacht
war anfangs Lehrer der Mathematik zu Nidan im'Kanton Bern, dann in Neuschatel, seit 1815 an derRealschule in Bamberg, 1817 — 26 Oberlehrer derPhysik u. Mathematik am Gymnasium zn Köln, 1826bis 1836 Oberlehrer an der allgemeinen Kriegs-schule in Berlin, 1833—49 Professor und Direktorder Polytechnischen Schule in Nürnberg und wurde1849 Professor der Physik an der Universität zu Mün-chen, sowie 1850 auch Conservator der mathema-tisch-physikalischen Sammlung n. st. 7. Juli 1854 inMünchen. Er schr. außer zahlreichen Abhandlungenbes.: Die galvanischeKette,Berl. 1827; Beiträge zurMolekularphysik, Nürnb. 1849; Grundzüge der Phy-sik, Nllrnb. 1853 s. Nach ihm ist das O-sch e Gesetz(1825) benannt, s. Galvanismus ist', S. 681. r-
Ohnracht, Landelin, tüchtiger deutscher Bild-hauer, geb, 6. Nov. 1760 zu Dunniugen in Würt-temberg, st. 31. März 1834 in Straßburg. O. waranfangs Tischler in Triberg, später in Freiburg imBreisgau, widmete sich dann der Bildhauerkunst beiMelchior in Frankenthal, ging darauf nach Mann-heim u. Basel und 1790 nach Italien, wo er zweiJahre sich aushielt, arbeitete dann in Lübeck, Mainzu. Frankfurt a. M., von wo er 1801 nach Straßburgübersiedelte. Er war ein feiner Kenner der Antikewie derNatur u. dabei ein geistvoller Mann. Werke:Denkmal des Generals Desaix auf der Rheininselbei Straßbnrg, Oberlins u. m. a. in der Thomas-u. Ncnenkirche zu Straßburg, Adolfs von Nassau imDom zu Speyer, Klebers im L-traßburger Münster,Christus mit allegorischen Figuren in der protestan-tischen Kirche zu Karlsruhe, des BürgermeistersRodde im Dome zu Lübeck und eine MarmorbllsteKlopstocks; ein Urtheil des Paris; ein colossaler Nep-tun; eine Venus; die Musen, Colossalstatuen amneuen Theater zu Straßburg rc. Regnet.
Öhme, 1) Ernst Friedrich, deutscher Land-schaftsmaler, geb. 1797 in Dresden, starb ebenda 10.April 1855; er war ein Schüler Friedrichs, welchemer in sinniger u. treuer Auffassung der Natur folgte,den er aber in Heiterkeit der Phantasie übertraf. 3)Ernst Erwin, Landschaft-, Architektur-, Genre- u.Porträtmaler, geb. 18. Sept. 1831 in Dresden,Sohn des Vor.; bildete sich an der Akademie seinerVaterstadt u. unter Ludwig Richter. Eine Speciali-tät Ö-s sind die in Wasserfarbe ausgeführten Nach-ahmungen alter Gobelins. Er malte auch einige De-corationen sllr das Dresdener Hoftheater. Eine reichstasfirte Landschaft von Ö. in der Dresdener Galerieund im Besitz der Königin Karola von Sachsen einAlbum mit Aquarellen aus Compiegne. Regnet.
Ohmsches Gesetz, s. Galvanismus §, S. 681.
Ohnmacht (I-ixotbz-mia, Lxnoops), ein meistnur einige Minuten dauernder Anfall von Schwin-den der Sinnesthätigkeiten u. des Bewußtseins. DerAnfall beginnt mit dem Gefühl von Schwindel, estritt Schweiß ans die Stirne, die Gegenstände ver-schwimmen dem Kranken vor dem Auge u. schließlichverliert er das Bewußtsein u. stürzt zu Boden. Gehtder Anfall vorüber, so kehrt zunächst das Bewußtseinzurück u. demnächst die Thätigkeit der einzelnen Sin-nesorgane; in schlimmeren Fällen geht die O. in denTod über, besonders bei eben Entbundenen, die starkeBlutverluste erlitten haben u. sich im Bette aufrich-tcn. Bei nicht vollständiger Ausbildung der O. gehtdas Bewußtsein nicht völlig verloren, der Kranke
— Ohr.
'hört noch,was um ihn geschieht, ist jedoch nicht fähig, !darauf zn reagiren. Die Ursache der O. liegt immerin einer zu geringen Zufuhr des die Gehirnthistig-keit erregenden Sauerstoffs bei momentaner Blut-leere des Gehirns, die bei blutleeren Personen da-durch herbeigeführt wird, daß das Herz bei ausrech,ter Stellung derselben nicht im Stande ist, genügend >Blut in die Hirngefäße einzutreiben, bei sonst Gesun- >den, wenn durch einen psychischen Eindruck (SchreckEntsetzen rc.) das Herz in einen lähmungsartigenZustand versetzt wird u. dadurch seine Druckkraft ge-schwächt wird. Durch horizontale Lagerung einesOhnmächtigen, welche die Einströmung des Blutesin den Kopf erleichtert, wird daher die O. sofort ge-hoben. Außerdem pflegt mau als Reizmittel Riech-stoffe (Salmiakspiritus, Lau äs Oologno rc.), Be-sprengen des Gesichtes mit kaltem Wasser, Bürstender Haut gegen O. anzuwendeu. Kunze.
Ohosima, die größte der Sanbok- od. Nord-In-seln des Liu-Kiu-Archipels (OAsien), I321sDüm(S4HW); durchaus vulkanisch, mit mehreren tiefeinge-schnittenenBuchteitzvoneinemMischvolkeansJaMe-sen u. Chinesen bewohnt, den elfteren tributpflichtig.
Ohr (4nris), das Gehörorgan. (S. die TafelSinnesorgane und Nervensystem). Beim Menschenunterscheidet man äußeres, mittleres u. inneres O.
L.) Äußeres O.: An demselben unterscheiden wirdie in der Mitte der Seitenfläche des Kopfes, in derHöhe der Nase liegende O-muschel (Lnrioula), n.denäußeren Gehör gang (Usabnsanäitorinser-tsrnns). Die O-muschel wird begrenzt durch einen igekrümmten, leistenfürmigumgekrempeltenRand, die !Leiste (Rslix), Fig. 1. ,, die an der vorderen Seitedicht am Eingang in den Gehörgang als spina dsli-ois beginnt, die ganze O-muschel umkreistu. dichtüber demO-läppchen endet. Nach innenvon ihr lieg!die kahnförmige Grube (soapda), die Westernach !innen durch die Gegenleiste (anbstslix), Fig. 1.,,begrenzt wird. Diese beginnt mit 2 Schenkeln gegen-über der spinn bsliois, die die eiförmige Grube(kossa ovaUs), zwischen sich fassen, u. läuft dann derLeiste völlig parallel. Gerade vor dem äußeren Ge>Hörgang springt eine nach hinten gerichtete knorpeligePlatte vor, die O- ecke (bragns), Fig. 1. ,, der ge- !genüber unter dem Ende der Gegenlsiste eine eben ssolche nach vorn gerichtete Platte, die Gegenecke(antibragus) sich befindet; beideKuorpelplattenwer-den durch einen Einschnitt, die Inoisnra intsrtragies,
Fig. 1. getrennt. Zwischen ^ntstoiix, Magus n.Antitragns liegt eine rundliche Vertiefung, die ei-gentliche O-muschel (eonestaauris). Von Heist,Lmtitrugns u.Rragns herab hängt die Haut, in Formeines fettlosen, mit Blut u. nervenarmem Faserge-webe gefüllten Beutels, das O-läppchen, Fig-1. ,, eine Bildung, die man bei keinem Thiere fin-det und beim Menschen aus mißgebildetem Schön-heitssinn zuweilen mit Schmucksachen versehen wird.
Die Haut der O-muschel hängt an der concavmSeite inniger als an der convexen an und gehthier in die des äußeren Gehörganges über. DieO-muschel ist durch drei bandartige Zellstofsstreifen, O-bänder (ligamsuta anrienlao), ein vorderes, hin-teres und oberes an die benachbarten Schädeltheilebefestigt, kann aber in engen Grenzen zudem Schä-del bewegt werden. Die Muskeln des äußeren,O-es sind sämmtlich klein und dünn, können nur