Offenbarung Johannes
' Sätze zusammenfassen: Zu unterscheiden ist die rs-velatio von der innnilsstatio (Theophanie). Dieletztere ist Erscheinung, Selbstdarstellung des Gött-lichen u. ist daher nicht sowohl O. des Unbekannten,als vielmehr Erscheinung des an sich Unsichtbaren.Dagegen ist die O. Enthüllung dessen, was demmenschlichen Wesen von Natur verborgen ist. Vonder uneigentlich sog. rsvelatio nabnralis oder §sns-
- ralls, d. h. der O. Gottes in der Statur und im Ge-wissen der Menschen unterscheidet sich daher die rv-velatio snpranatmralis, oder die O. im eigentlichenSinne des Wortes als eine Selbstmittheilung Gottesan die Welt, welche wesentlich die Erlösung der Weltzum Zwecke hat.— Am eingehendsten wurdedasWe-sen der O. u. das Berhältniß der geoffenbarten zur
! natürlichen Gotteserkenntniß von den reformirten! Dogmatikern erörtert, welche seit dem Ansange des17. Jahrh. regelmäßig die tüsoloAia natnralis alseinen selbständigen Theil der Dogmatik vor der tlrso-loZia rsvslabs. abzuhandeln pflegten. Der Begriff
- der Inspiration als göttlicher Einwirkung ans ein-i zelne Träger der O. zum Zwecke infallibler Sluf-
zeichnnng der O-s -Urkunden wurde dabei von demder O. auf das Strengste geschieden. Als Irrlehren,im Gegensatz zu denen die orthodoxe Lehre von derO. festgehalten wird, bezeichnte man die katholischeLehre von der in der Tradition sortgchenden O.Gottes, ferner die Mystik, welche aus dem Gedankeneiner von der O. unabhängigen Selbstmittheilung! des Geistes Gottes an den Menschen beruhte, und! das Quäkerthum, welches diesen Gedanken ebenfalls' vertrat. Erschüttert wurde die orthodox-protestant.
^ LehrezuerstinyKampfedesSupranatnralismusu.dess Rationalismus, von denen jener zwar die historische! Thatsache der O. anerkannte, aber von dem Gedan-! ken aus, daß die Vernunft des Menschen durch den
- Sllndenfall zum geistigen Erfassen u. Durchdringenj der O. unfähig geworden sei, die Möglichkeit einesl wirklichen Offenbarwerdens der O. für den Men-I jchen leugnete; während dieser nur eine dem Men-i schengeschlecht im Anbeginn der Schöpfung zu Theil
gewordene O. zu begreifen vermochte. Schleier-macher suchte den Gegensatz beider Richtungen undAnschauungen zu vermitteln, trat jedoch dabei vondem Boden des biblischen O - sbegriffes vollständigab, indem er unter O. jedes in der Seele des Men-j scheu aufgehende Urbild zu einer That oder einem' Kunstwerk verstand, welches weder als Nachahmungzu begreifen, noch ans Früherem befriedigend zu er-l klären sei. Stach ihm ist daher O. jedes Resultat der! unter providentieller Leitung herbeigefnhrten Ent-^ Wickelung des menschlichen Geistes oder Selbst-O.
! des menschlichen Geistes kraft göttlicher Causalität.
> Hegel dagegen sieht in der O. die Selbst-O. des ab-I foluten Geistes in der Form menschlichen Selbstbe-I wußtseins. Die neuere wissenschaftliche Theologie,die sich die Verdienste Schleiermachcrs um die g-est-i stellung der Lehre, aber auch die Mängel derselben4 klar gemacht, u. der es zum Bewußtsein gekommenist, daß der orthodoxe O-sbegrifs mit der sehlerhaf-1 tenAusfassung derReligion als einer Sache desWis-p seus in Zusammenhang stand, versteht unter der O.Z den Inbegriff derjenigen göttlichen Acte, in denensich die erlösende Selbstmittheilung Gottes an dieWelt zuerst ankündigte, daun vorbereitete und all-mählich objectiv vollendete. Vgl. Äöstlin, Religion
— Öffentliche Meinung. 667
n. O. in Herzogs theol. Neal-Encyclopädie, Cap.XII, S. 641 — 692 und die einleitenden Abschnittein den Lehrbüchern der Dogmatik. Heppe.
Offenbarung Johannes (Apokalypse), s. unterJohannes 3).
Offcnbarungseid , s. Manifestation 2).
Offenbnrg, 1) Kreis im Großherzogthum Ba-den, 1599 sD lim (29,^ sssj M) mit 150,374 Ew.2) Hanptort darin, an der Kinzig (Gitterbrncke), derBadischen Staatsbahn u. der Bergstraße; freundlichgebaut; schönes Rathhaus, Theater, Denkmal Dra-kes, Progymnasinm, Gewerbeschule, höhere Töchter-schule; Baumwollen- u.Leinenspinncrei- ».Weberei,Fabrikation von Maschinen, Tabak, Hüten, Glas,Leder; hat mechan. Werkstätten, Glasmalerei, Bier-brauerei rc.; Weinbau, lebhaften Speditionshandcln. besuchte Märkte; 6587 Ew.— O. war sonst einefreie Stadt unter österreichischem Schutze u. Sitz desLandvoigts der Ortenau; es kam 1802 an Baden,Hier 24. Sept. 1707 Sieg der Österreicher über dieFranzosen.
Offene Handelsgesellschaft, s. unt. Handels-Gesellschaften.
Offener Brief , schriftliche Mittheilung, die zuJedermanns Wissen gelangen soll, deshalb unver-siegelt bleibt und später gewöhnlich durch die Presseveröffentlicht wird. Historisch berühmt ist der O. B.des Königs von Dänemark, Christian VIII., vom8. Juli 1846.
Offenes Fahrzeug, ein Fahrzeug ohne Deck,wie die Boote und meisten Flußfahrzeuge.
Offensive (v. Lat.), Angriff, bezeichnet die Artder Kriegführung, bei welcher man dem Feinde ent-gegengeht u. ihn mit Gewalt der Waffen znrückzu-drängen sucht, sie steht im Gegensatz zur Defensive(s. d.). Man unterscheidet strategische n. taktische O.n. versteht unter der ersteren die angriffsweise Krieg-führung überhaupt, bei welcher die Armeen, bevores znm eigentlichen Kampfe kommt, in Feindeslandeinrücken, um den Gegner auf eigenem Gebiete zuschlagen. Die taktische O. dagegen umfaßt alle Die-jenigen Unternehmungen, welche den unmittelbarenAngriff aus den Gegner u. hierdurch eine Entschei-dung vermittelst der Waffen bezwecken. Die strate-gische O. bedingt detzhalb nicht immer auch die takti-sche. Offensivstellnngen sind Terrainabschnitte, zudem Zwecke ansgewählt u. mit Truppen besetzt, umden anrückenden Gegner durch die Wirkung derFeuerwaffen zu erschüttern n.ihn dann anzngreifen.Offensivflanke heißt jede gegen die feindliche Flankegerichtete Angriffslinie, während Dcfensionsflaukedie gegen einen feindlichen Flankenangriff einge-nommene Vertheidigungsstellung bezeichnet. l.
Öffentliche Meinung, die in einem Volke sichbildende gemeinsame Auffassung und Überzeugungüber die geschichtlichen Ereignisse, die socialen Zu-stände u. Einrichtungen, sowie über die Thätigkeit derzum öffentlichen Wirken berufenen Personen ».Kör-perschaften u. in Beziehung auf die von Einzelnenwie von ganzen Klassen und Parteien ausgestelltenberechtigten Forderungen an den Staat. Wesen u.Inhalt erhält sie aus den Eigenthümlichkeiten, dergeistigen und politischen Bildung des Volkes, seinengeschichtlichen Traditionen, religiösen Vorstellungen,social-politischen und volkswirthschastlichen Verhält-