622 Nürnberg.
gefertigt und nur von hier ans vertrieben werden),Uhren, Glaswaaren, Chemische Maaren, Farben,Farbendruck, Kupferstiche, Steindrucke, Draht, Fa-yence, Spielkarten, Pinsel, Bürsten, Siegellack, Mu-sikalische Instrumente, Metall- n. Holzwaaren, Ci-garren, Tabak, Nadeln, Bleistifte, bunte Papiere,Kattun u. v. a., denen eine Menge Mühlen (zumPoliren, Schleifen, Drechseln , Walken rc.) dienen.Außerdem renommirte Bierbrauereien u. die bekannteMaschinenfabrik und Brllckenbauanstalt von Klett.1876 gab es im Ganzen 567 Fabriken, in denen11,555 Arbeiter beschäftigt waren. Der Waaren-n. Wechselhandel ist sehr beträchtlich, ebenso der Pro-duktenhandel mit Tabak, Hopfen (N. der größteHopfenmarkt der Welt) und Gemüse, welche in N-sUmgebung gewonnen werden. N. hatte früher eig-nes Münz- (Dncatcn, Speciesthaler), Maß- undGewichtssystem, von denen letzteres als Medicinal-gewicht in ganz Deutschland bis Ende der 60 Jahre,m Gebrauche war. Bergnügnngen n. besuchte Lo-cale: Theater, Spaziergang auf der Schütt, blauesGlöckle, Himmelsleiter, Wolfsschlucht rc., die Haller-wiese, Rosenau, Dutzendteich, Schmausenbuck,Mögel-dorf, Hummelstein rc; Freimaurerlogen: zu den dreiPfeilen u. Joseph zur Eintracht. N. ist die Muttervieler Erfindungen der Taschenuhren (N - er Eiergenannt), der Drahtziehplatte, desPedals, derPressezum Eindrücken der Figuren in Metall, der Clarinette,des Holzschneidens, der Windbüchse, des Mesfings,der Feuerschlösser, desGlobus.desSpinnrades n.a.)und der Geburtsort von A. Dürer, seines LehrersMich. Wohlgemnth, A. Krafft, P. Bischer, VeitStoß, Hirschvogel, Mart.Behaim,Hans Sachs, Joh.Grübel, W. Pirkheimer, Melch. Pfinzing rc. Wap-pen: ein halber schwarzer Adler in goldenem Feld,in der anderen Hälfte drei rothe und drei silberneStreifen. Auch führt die Stadt einen goldenengekrönten Jungsernadler (Harpyie) in Blau, odereinen schwarzen Adler in goldenem Feld (wegen ihrerTreue gegen Kaiser Heinrich IV. verliehen). DieZahl der Einwohner, früher an 100,000 u. nach u.nach (1818) auf 26,854 herabgesunken,betrug 1875:91,018 mit Einschluß des Militärs. Vgl. Hagen,Norica, Nürnbergische Novellen aus alter Zeit, Lpz.1876; Priem, N-er Sagen n. Geschichten, 2. Aust.,NürnL. 1877; Mayer, N.u.seineMerkwürdigkeiten,Altd. 1852.
N. erhielt seinen Namen wahrscheinlich nach demNorischen Volksstamm u. war anfangs nur ein Dorf,in welchem viele Hammer-, Waffen-u.Sensenschmiedewohnten. Urkundlich erwähnt wird N. zuerst 1050,erscheint 1112 als Reichsstadt u. erhielt 1219 aus-gedehnte Freiheiten. Früher gehörte es den Grasenvon Franken. Der nachmalige Kaiser Heinrich V.belagerte N., als er seinen Vater Heinrich IV. be-kriegte, eroberte es mit Ausnahme der Burg u. zer-störte es. Erst Kaiser Konrad III. baute es wiederaus u. vergrößerte es. Das Nürnbergische Patriciatnahm seinen Anfang 1193, als Kaiser Heinrich VI.auf einem Turniere daselbst 38 bürgerliche Familienin den Adelstand erhob, ans welchen später die Mit-glieder des Raths erwählt wurden. 1324 u. 1356fanden hier Reichstage statt; auf letzterem wurde dieGoldene Bulle dem Kaiser Karl IV. vorgelegt, be-rathen n. genehmigt. Um diese Zeit lag N. oft inFehde mit dem Burggrafen von N. (s. unten). 1349
erregten diemeistenZünfteeinenAufruhrinN. widerden Rath, weil dieser dem 1346 gewählten KaiserKarl IV. anhing u. nicht dem Sohne des 1347 ver-storbenen König Ludwig dem Bayer. Sie plünder-ten die Häuser der Patricier u. Juden, bemächtigte-;sich des Rathhauses, beraubten die öffentlichenKassenu. verwüsteten manche Urkunde. Sie jagten dxiialten Rath aus der Stadtu. erwählten einen andere»aus ihrer Mitte. Karl IV. kam 1350 selbst nach N. lsetzte den alten Rath in seine ehemalige Gerechtsamewieder ein, bestrafte die Aufrührer und die Anstifter !desAnfstandes mußteudie Todesstrafe erleiheu. 13g»hier Reichstag, aus welchem ein gleicher Münzfußfür ganz Deutschland festgesetzt wnrde. 1450 warder erste u. 1552 der letzte Krieg mit den Markgrafenvon Brandenburg (Ansbach). Nach der Belagerung,welche N. im letzteren erlitten, sind qm Läufer-,Frauen-, Spittler« u. Neuen-Thor die großen rundenThürme gebaut worden (sie waren früher viereckig).
Die Stadt N. mußte nach gemachtem Frieden dem ^ -Markgrafen 1,000,000 Fl. Contribution bezahlen, !eine Summe, aus der auf den derzeitigen Wohlstandder Stadt geschlossen werden kann. Der Wohlstand 1N-s hob sich von da an zu außerordentlicher Höhe,n. bevor der ostindische Handel durch Entdeckung desSeeweges nach Indien eine neue Richtung erhielt, swar N. einer der ersten Handelsplätze in Europa, !indem es die von Italien ihin zugeführten Maarennach dem Norden vertrieb, aber durch den veränder-ten Weg des ostindischen Handels verlor N. von sei-nen! Wohlstände immer mehr. 1427 verkaufte Kur-fürst Friedrich von Brandenburg, Burggraf vonN.,die 1420 durch Christoph Leininger, einem pfälzischen !Ritter, verbrannte burggräfliche Burg mit ihren !Zugehörungen, seinen Rechten an den Wäldern beiN. an die Stadt um 120,OOOFl. (die schon erwähnteBurg od. Neichsveste war nie die Residenz der Burg-grafenvonN.)u. wurde anderenStellc einKornhausgebaut, jetzt Kaserne. Hier im März 1522 Reichstag,ans welchem die Reichsstände dem Kaiser Karl V.
Hilfe gegen die Türken zusagten; bei der Fortsetzungdes Reichstages, Ende 1522 u. 1523, kamen die Re-ligionsangelegenheiten zur Sprache, ebenso auf demvon 1524. Am 23. Juli 1532 wurde hier der Nürn-berger Friede(erster Religionsfriede) zwischendenProtestanten u. Katholiken u. 1538 der HeiligeBundzwischen Kaiser Karl V. u. den katholischen Ständengegen die Protestanten geschlossen. 1631 öffnete N.den Schweden die Thore, wurde aber bald vonTillYbedroht. 1632 bei N. verschanztes Lager der Schwe-den, denen Wallenstein auf dem alten Berge eben-falls verschanzt gegenüber stand. 1640 beriethen auseinem Collegialtag die Kurfürsten über den künftigenFrieden. 1662 wurde die erste deutsche Maler-akademie von I. Sandrat, s. Z. berühmter Maler,in N. gestiftet. In dem Französischen Nevolutions-kriege litt N. nur wenig und war nur 1796 wenige ,Tage durch Jourdan besetzt. Beim Reichsdeputa-tionsschluß von 1803 behielt Sk. die Reichsfrei-heit, gerieth aber mit dem König von Preußen, alsBurggrafen der Stadt, in Zwistigkeiten u. Preußennahm einen Theil des Nllrnbergischen Stadtgebietesförmlich in Besitz. Am 20. Oct. 1305 zwischen N.u. Eschenau Gefecht zwischen Oesterreichern u. Fran-zosen. Durch die Rheinbundsacte wurde N. zugleichmit seinem Gebiete dem König von Bayern über-