474
Niederlande.
Die N. hatten unterdessen andemJülichschenErb-folgestreit Theil genommen, u. Moritz belagerte u.nahm, mit den Franzosen vereinigt, 1610 Jülich.1614 besetzten die Niederländer bas Münstersche u.Paderbornsche. Überhaupt entfaltete sich in dieser Zeitdie junge Republik zu ungemeiner Kraft u. Blüthe.Der Handel wurde schwunghaft, Handelsverträgewurden geschlossen u. die Gencralstaaten zahlten anauswärtige mitSpanien im Kriege befindliche Staa-ten Subsidien. 1621 ging der Waffenstillstand mitSpanien zu Ende: er wurde zwar durch die Ver-mittelung Frankreichs noch bis zum 3. August 1621verlängert, die Forderungen Spaniens aber warenso hochmüthig, daß die Siände die Anträge verwor-fen. Nach dein Tode Philipps III. und des Erz-herzogs Albrecht begann Philipp IV. den Krieg 1621von Neuem. Er hatte allerdings jetztmehrHoffnung,die Provinzen zu unterwerfen, als vor dem Waffen-stillstand, denn der Kaiser u. die Ligawaren in Deutsch-land gegen die Protestanten im Vortheil u. SpaniensFinanzen waren durch denFrieden neu gestärkt. DieNiederländer nahmen nun 1623 den Herzog Chri-stian von Braunschweig und Len Grasen Ernst vonMansfeld in ihre Dienste. Ludwig XIII. trat 1624ans die Seite der N. Mitten unter den Schwank-ungen desKrieges starb Moritz von Orauien 25. April1625 im Haag. Ihm folgte sein Bruder Fr iedrichHeinrich von Nassau-Oranien als Statthalter vonHolland, Utrecht, Seeland, Geldern und Overyssel,Groningen und Drenthe, aber Statthalter vonFriesland war Ernst Kasimir von Nassau. NachdemFriedrich Heinrich noch einen vergeblichen Versuchzum Entsatz Bredas gemacht hatte, ergab sich dieserPlatz. Gegenüber den zur See errungenen Vor-thcilen der Niederländer ließ Philipp IV. 100 nieder-ländische Schisse in spanischen Häfen confisciren, wo-für aber große, in Ostindien errungene Vortheileentschädigten. Brasilien war eine Zeitlang erobert,aber eine span. Flotte eroberte 1625 die Häfen wie-der. Am 17. Octbr. schlossen die Niederländer mitKarlI. vonEugland ein Bündniß, worin beide Theileden Krieg gegen Spanien mit 25 — 30,000 Mannsortzusühren versprachen, bis die Freiheit der Nieder-länder anerkannt sei, während die Niederländer zu-gleich das protestantische Röchelte belagern halfen.1629 wurde der Krieg wieder lebhafter, FriedrichHeinrich zwang Herzogcnbusch 14. Sept. 1629 zurÜbergabe. 1631 mißlang ihm ein Zug nach Dün-kirchen, dagegen eroberte er 1632 Venlo, Roer-monde u. Sittart, u. später Mastricht. Nun wurdeganz Limburg n. Orsoi erobert u. Friedrich HeinrichStatthalter davon. Noch glücklicher waren die N.in den letzten sieben Jahren zur See. Sie rüsteten1628 , um Dünkirchen zu blokiren, eine Flotte von35 Schiffen, die es bald dahin brachte, daß fast keinDünkirchener mehrdenHafenverlassendurfte. Eben-so glücklich war die Westindische Handelsgesellschaft,welche durch den Admiral Peter Hein die spanischeSilberflotte 9. Septbr. 1629 eroberte. Eine Expe-dition der Spanier in die Mündungen der Scheldemißlang, dagegen siegte der span.Admirald'Oquendoan der brasilian. Küste. Dort hatte nämlich HeinrichLonk 1630 beinahe ganz Brasilien erobert, u. eineGesellschaft, bes. den Handel mit Fernambukholz,vrganisirt. Spanien machte 1626, 1629 und 1632vergebliche Versuche, einen neuen 34jährigen Still-
stand zu erlangen. Im Dec. 1633 fielen die spanN. durch den Tod der Prinzessin Jsabella Clara Emgenia an Spanien zurück. 1634 kam der Cardinal-Jusant Ferdinand, der Bruder des Königs , alsOberstatthalter an. Schon seit einiger Zeit war in
Brüssel eine Verschwörung g egen Spanien im Gange
um die Katholischen N. mit den Vereinigten Pro'vinzen zu einem Föderativstaat unter dem Prinzenvon Oranien zu vereinigen. Karl I. von Englandverrieth aber den Plan, der deshalb mißglückte. 1634wurde ein neues Bündniß mit Frankreich auf siebenJahre geschlossen: Frankreich versprach 2 MillionenGulden jährlich zu zahlen und 1 Regiment Fußvolknebst einer Fahne Reiterei für die N. zu halten, wo-gegen die Siände verhießen, nicht ohne FrankreichFrieden zu schließen. 1635 wurde dies Bündniß da-hin erweitert, daß die N. die Aussicht auf weiterenGebietszuwachs in den Kathol. N. bekamen. DerKrieg entbrannte 1635 ernstlicher. Frankreich hatteSpanien den Krieg erklärt und ein franz. Heer stießbei Nimwegen zu dem Heere Friedrich Heinrichs.Allein die Operationen waren unglücklich u. bes. dieFranzosen verloren so viel Mannschaften durch Krank-heiten, daß sie wieder nach Frankreich zurllckkehrenmußten. Unterdessen machte Cardinal-Jnsant Fer-dinand, durch 15,000 Kaiserliche unter General Pic-colomini verstärkt, verschiedene Eroberungen, drangin die Picardie ein u. streifte bis nach Paris, dochzwangen Friedrich Heinrichs Bewegungen gegenBreda u. die Anstrengungen Ludwigs XIII., diesesHeer umzukehren. Doch blieb das Bündniß zwischenFrankreich und den N. in Kraft. Friedrich Heinrichnahm Breda 7. Oct. ein; Landrecy hatte sich bereits23. Juni den Franzosen ergeben. 1638 mißglückteein Anschlag auf Antwerpen und auf Geldern, denSpaniern dagegen der auf Mastricht, während dieFranzosen St. Omer belagerten. Die beiden folgen-den Kriegsjahre brachten keine Entscheidung. ImNov. 1641 starb der Cardinal-Jnsant, ihm folgteFrancesco deMelo als span. Oberstatthalter.Im I. 1644 wurde Castel Rodrigo Oberstatt-halter in den Kathol. N-n. Im Nov. 1645 eroberteFriedrich Heinrich die Stadt Hulst u. bekannte 1646Antwerpen u. Venlo, um die spanische Macht zu thei-leu. Wirklich gelang dieser Plan, u. die Franzosen er-oberten in diesem Feldzuge Courtrai u. Dünkirchen.
Die Seezllge der Niederländer während dieserZeit waren nicht glücklich. Die Engländer, schon ausLas Bündniß mit Frankreich eifersüchtig, begannen1636 über die Fischereider Niederländer an der eng-lischen Küste Streit; Karl I. ließ eine Flotte aus-rüsten und alle niederländischen Schiffe an der engl.Küste in den Grund bohren; die Niederländer aber,zu schwach zum Widerstande, erkauften sich von denEngländern für 30,000 Gulden die Erlaubniß zurfreien Fischerei. Glücklicher waren die Niederländerin Amerika; sie nahmen 1634 Paramaribo in Bra-silien u. die Insel Curaxao ein. Der Graf JohannMoritz von Nassau, seit 1636 Statthalter von Bra-silien auf fünf Jahre, schlug die Portugiesen und1640 den span. Admiral de Torro, welcher zur Er-oberung Brasiliens herbeikam. Bald daraus langtedie Nachricht von der Losreißung Portugals vonSpanien u. seiner Constituirung unter einem eigenenKönig in Brasilien an. Sogleich wurden alle Feind-seligkeiten eingestellt u. die Staaten schlossen mit Por-
!
!