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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
Entstehung
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Niederlande,

sten Provinzen ein ausgesprochener Localpatriotis-mus, der bis zur gegenseitigen Anfeindung geht, je-doch durch den Gesammtpatriotismus einen wirksa-men Zügel erhält. Ganz besonders ist dies der Fallin Seeland, an den von den Friesen bewohnten Kü-sten u. in Nord- und Südholland. Es ist dies auchleicht erklärlich, denn hier wohnen ja jene Stämme,die Holland eigentlich groß gemacht, die jenes Ele-ment, das ihre Küsten verderbendrohend umtost,zweifach gebändigt: einmal, indem sie es siegreichvom heimischen Heerd abwehrten u. dann, indem sieauf zerbrechlichen Fahrzeugen es zwangen, die infernen Ländern erworbenen Reichthümer oder die inwilder Seeschlacht erbeuteten Schätze nach den hei-mischen Häfen zurückzusühren. In dem förmlichen u.vielfach auch aristokratischen Wesen des Niederlän-ders leben noch Nachklänge der einstigen, allerdingslängst Lahingeschwundenen politischen Bedeutungseines Vaterlandes. Kaum in einem anderen Landehaben sich die Nationaltrachten so treu u. in größe-rem Maße erhalten als in den N. und zwar bes. inden vom großen Verkehr abgelegenerenTheilen (See-land, Nordholland, Frieslanü); von Len größerenStädten ist dabei natürlich ganz abzusehen?) Eineder schönsten u. besten Eigenschaften des Niederlän-ders, seine Häuslichkeit, wurzelt wiederum in derVaterlandsliebe. Das Haus ist ihm das Vaterlandim Vaterland. Nirgend findet mau das ruinirendeWirthshausleben weniger als in den N. Damithängt auch seine Reinlichkeit u.weiterhindas schmuckeu. freundliche Äußere der holländ. Ortschaften undStädte, bes. aber der Landsitze u. Villen, zusammen.Dabei ist der Niederländer gastfreundlich, arbeitsam,ausdauernd, pünktlich u. ordnungsliebend bis zumPeinlichen; er ist genügsam u. sparsam, ohne aberknauserig u. für große u. gemeinnützige Zwecke ver-schlossen zu sein; man kann ihn in dieser Hinsichteher freigebig nennen. Dafür spricht die ungemeingroße Anzahl seiner gemeinnützigen Anstalten undGesellschaften. Von letzteren verdient die über dasganze Land verbreitete, sehr einflußreiche Llaab-oebappif tot isiut van't XIlAsinosn zur Aufklärungu. Bildung der unteren Volksklassen eine besondereErwähnung. Man wirst ferner dem Holländer vor,daß er nüchtern u. prosaisch sei; aber zu behaupten,Laß sein Sinn der Poesie und Kunst verschlossen sei,wäre grundfalsch. In erster Linie steht er zwar nurin Bezug aus Malerei u. Baukunst (in der Wasser-baukunst unbedingt obenan), doch hat er auch in derLiteratur Achtenswerthes geleistet u. jedenfalls zeigter für die anderen Künste Liebe und Verständniß.Bes. ist letzteres der Fall bezüglich der Musik, davongeben seine Spieluhren und seine Glockenspiele, dievon jedem Kirchthurm viertelstündlich erklingen, dasberedteste Zeugniß. Auch liebt er Vergnügungen u.gesellige Heiterkeit, aber nur selten überschreitet er imGenüsse das Maß; die Kirmesse mit ihrem wüstenTreiben bilden allerdings eine Schattenseite im nie-derländ. Volksleben. Wenn man bei Aufzählung derSchattenseiten im Charakter des Niederländers seinebereits erwähnte u. allerdings oft übertriebene Ei-

Die Niederländ. Regierung läßt Statuen unfertigen, welchedie verschiedenen Bauerntrachten der Niederlande darstcllcn u.bestimmt sind, zunächst auf die Weltausstellung in Paris 1S7Sgesandt u. später in eineui niederländ. Museum uutergebrachtzu werden.

genliebe nicht vergessen darf, so ist doch zu bemerkendaß sie bei weitem nicht in so anstößiger Weise auf.'tritt wie beim Engländer. Im Großen u. Ganzen !kann man nach Alledem sagen, daßsowolvolkswirth.schaftliche Verhältnisse als auch das Volksleben inden N. auf gesunder Grundlage ruht, und darin istjedenfalls eine derHauptursachen zu suchen, daß dasLand von allen jenen Erschütterungen so ziemlich freigeblieben ist, die den größten Theil von Europa seit >30 Jahren, u. bes. wieder in neuester Zeit ans ver- ^schiedenen Gebieten, heimgesucht haben. Was diegeistige u. wissenschaftliche Bildung betrifft,so kann man nicht sagen, daß der Niederländer darinirgend einem Volke nachstehe. In den gebildetenStänden ist man dnrchgehends der deutschen, sran- >zösischen und englischen Sprache mächtig und in denniederen Volksschichten gibt es nicht mehr Analpha-beten als in Deutschland, obwol in denN. kein Schul-zwang besteht. Dabei sind die Volksschulen vollkom-men consessionslos, weil die Kirche vom Staate ge-trennt ist. Eine nachtheilige Wirkung läßt sich beidiesem Verhältnis; nicht verspüren, da dem Hollän-der Toleranz u. Liberalität einmal in Fleisch u. Blutübergegangen sind. An höheren Bildungsanstaltenbesitzen die N.: 3 Universitäten (in Groningen, Ut-recht u. Leyden), das Athenäum zu Amsterdam mitdem Rechte einer Universität, das Athenäum zu De-venter ohne diese Rechte, eine polytechnische Schule >zu Delft, zugleich höhere Bildungsanstalt für Beamte,die nach Indien bestimmt sind, eine königl. Musik-schule, eine landwirthschaftliche Akademie, fünf klini-sche Anstalten nebst einer militärärztlichen u. einerVeterinärschule: zwei Cadettenschulen für die Land- ru. Seemacht, drei Seminare für Volksschullehrer,drei bürgerliche Navigationsschulen, eine technische,eine Gewerbe-, eine Handelsschule, drei Industrie-schulen, acht Kunstschulen. Es bestehen: eine königl.Akademie der Wissenschaften, ein königl. meteorolo-gisches Institut, königl. Akademie der BildendenKünste, Reichs-Gemälde-Museum, königl. Gemälde-cabinet , eine Gemäldesammlung lebender Meister,Reichs-Alterthums-u.Reichs-Ethnographisches Mu-seum, königl, Labinet für Münzen und geschnitteneSteine rc. Über die Akademien s. d. Art. XI., S. 330.Ferner gibt es 51 Mittelschulen (Lateinschulen undGymnasien), 49 Bürgerschulen u. endlich 3784 Ele-mentarschulen, davon 1118 private. An Zeichen-schulen, Industrieschulen rc. ist kein Mangel. FürTaubstumme gibt es 3 und für Blinde 2 Anstalten.

Colonien, s. Niederländisch Indien, in AmerikaGuiana und einige der kleinen Antillen Surinamund Westindien.

Literatur. Staring, Osboäom van Hsäsrlanä,Haarlem 1856—60, 2 Bde.; Ltatisüsoirs zaar-dosüsn voor Irsb LoninAÜrijic äsrHsiIvrlancion elo.,s'Gravenhage 1851 ff.; LtaatsicunüiA so staato-ünisiionäsiunckiA llaarboelcso (jährlich), Amster-dam; Riykens, Xarärijüslcnnäs van Hsäsrlanä, jGrou. 1872; Ilitlcoinobsn clsr viMs iüsnfari§s iVolüsbellinA in irst Lon. cker ksiscksrk., s'Gravenh.1873; Grandyk u. Schipperus, VanckslinAsn äoorüsäsrlanä, Haarl. 1874; de Amicis, Hsäorlanä snmsnsbsrvonsrs, aus demJtal.,Leyd.1875; BädekersBelgien und Holland, 13. A. Leipz. 1875; Gothaer 'Hofkalender für 1878; v. Gorinchem, Das Leben inden N. in Aus allen Weltthcilen, IX., S. 22—25