Nichtleiter —
gründet werden durste, von der Praxis nach u. nachins Ungemessene ausgedehnt wurden, trat die Reichs-aesetzgebung beschränkend ein. Es ließ nämlich derjüngste Reichsabschied von 1654 das bisherige Rechtnur bezüglich unheilbarer Nichtigkeiten, d. h.der wesentlichsten Mängel (im Verfahren), bestehen.Bezüglich der übrigen Nichtigkeitsgründe, der sogen,heilbaren Nichtigkeiten, wurde das Rechts-,mittel neu umgestaltet nnd ebenso wie die Appella-tion eingerichtet. — Die deutschen Partikulargesetz-gebungen haben diese Entwickelung weiter geführt,theilweise unter Einfluß der im französischen Rechtefür die dortige N-de (Cassationsrekurs) getroffenenBestimmungen. Die Deutsche Civilproceßord-nung von 1877 hat sich in manchen Punkten ab-sichtlich von dem französischen Verfahren wiederentfernt und ersetzte den Cassationsrekurs durchzwei Rechtsmittel, nämlich durch die N-ge unddie Revision. Die N-ge findet nach Z 542 statt,wenn das Gericht nicht vorschriftsmäßig besetzt war,wenn ein von der Ausübung des Richteramtes indem vorliegenden Rechtsstreite ausgeschlossener Rich-ter erkannthat, od. eine Partei nicht nach VorschriftderGesetze vertreten war. Die Revision hingegen mußnach Z511 darauf gestützt werden, daß die Entscheid-ung auf einer Gesetzesverletzung beruht. 2) ImStrafverfahren trat in Deutschland (abgesehenvon einzelnen Spuren im Gemeinen Strafproceßseitdem 16. Jahrh.) die N-de erst in den neuerendeutschen Partikulargesetzgebungen auf u. fand hier-bei insbesondere keinerlei Anknüpfung an jene (jus-rela mMtatäs des Gemeinen Civilprocesses statt.Vielmehr ist dieselbe überall auf den französischenCassationsrekurs znrückzuführen, welcher entwederganz herübergenommen, od. wenigstens uachgeahmtwurde. Die Cassation trat hiernach ein, wenn einwesentlicher Grundsatz, sei es des Verfahrens odermateriellen Rechtes, verletzt wurde. Die DeutscheStrasproceßordnuug von 1877 ist auch hierindem französischen Rechte mannigfach entgegenge-treten und hat den Cassationsrekurs durch die Re-vision ersetzt. Sie bestimmt in H 376, die Revisionmüsse darauf gestützt werden, daß das Urtheil aufeiner Verletzung des Gesetzes beruhe. Jedoch wurdenimZ 377 acht Formverletzungen ausgeführt, bei derenGegebenseiu das Urtheil stets als aus einer Verletz-ung des Gesetzes beruhend, angesehen werden müsse.
Nichtleiter, s. Elektricität A. II. lBezold.
Nichts, das Gegentheil von Etwas, Verneinungder Existenz. Obgleich dieser Begriff an sich höchsteinfach ist, so ist er doch aus dem Grunde Gegenstandverschiedener Auffassungen geworden, weil die meta-physische Frage nach dem, was in Wahrheit ist undden wechselnden Erscheinungen zu Grunde liegt, ver-anlaßt hat, auf den Begriff des Nichtseieuden ebensowie aufden des Seienden, Unterscheidungen u. nähereBestimmungen zu übertragen. So nannte schonPlato die Materie, das den Ideen gegenüberstehendeElement des Wandels u. Wechsels, ein Nichtseiendes(,uH S»,), welches gleichwol in gewissem Sinne auchals seiend gedacht werden mußte, ein relativ es N.,nnUnterschiede vom absoluten N. Namentlich hat,während die antike Welt an dem Satze sesihielt: ausNichts wird Nichts (ex nillilo uittik tit), die Lehrevon der Schöpfung aus N. vielfache Veranlassungzu Versuchen gegeben, die Bedeutung dieses N., aus
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welchem Gott die Welt geschaffen habe, zu bestim-men, u. unter Anwendung des aus der antiken Phi-losophie überlieferten Begriffes der Materie als einesrelativen N., d. h. als eines nicht wirklich, sondernmöglicherweise Seienden, entstanden darüber ver-schiedene Meinungen, ob Gott die Materie selbst, od.die Welt nur aus der Materie (sx matoria xrav-saosnti) geschaffen habe. Kant bezeichnte das N.als eine leere subjective Denkformel.
Nickel (lstioolum), ein dem Eisen u. Kobalt sehrnahestehendes Metall (Zeichen u. Gewicht desAtoms :M — 59). Es ist silberweiß, bald ins Gelbliche,bald ins Stahlgraue ziehend, stark glänzend, sehrhart (deshalb politurfähig), hämmerbar u. so zähe,daß es sich zum feinsten Drahte ausziehen läßt; esläßt sich in der Rothgluth schmieden, schmilzt abernur sehr schwierig. Es ist bis zu einer Temperaturvon 350° ebenso stark magnetisch, wie Eisen. Antrockener u. feuchter Luft hält es sich sehr lang- un-verändert, beim Glühen an der Luft oxydirt es sichoberflächlich. In Salpetersäure löst es sich leicht, inSchwefelsäure und Salzsäure langsamer unter Ent-wickelung von Wasserstoff. Man erhält es chemischrein durch Glühen des Oxyduls oder Chlorids inWasserstoff. Es findet sich gediegen in kleiner Mengenur im Meteoreisen, meist mit Schwefel, Arsen undAntimon verbunden u. fastimmer mitKobaltverbiud.ungen gemischt, so im Haarkies, N-glanz, N-antimonglanz, Kupfer-N. rc. Das letztere Erzwurde früher seiner kupferrotsten Farbe wegen lang-vergeblich auf Kupfer verarbeitet u. erhielt von säch-sischen Hüttenleuten den Schimpfnamen Kupfer-N.;Cronstedt stellte 1751 daraus das Metall dar u. be-nannte es. Hetzer.
Nickelantimonkies (Nickelspießglanzerz, Auti-mounickelglanz, Ullmannit), Mineral, krystallisirttesseral; meist derb in körnigen Aggregaten; Härte5 bis 6, spec. Gew. 6,2 bis 6,z , bleigrau bis stahl-grau, bunt angelaufen, metallglänzend, undurch-sichtig; besteht aus Antimonnickel u. Schwefclnickcl,iNSbzchlNLü; findet sich auf Eisenerzgängeu imSiegenschen, bei Eisern, Gosenbach, Freusburg,Willesdorf u. anderen Orten im Westerwald, Harz-gerode am Harz, Lobenstein im Voigtlaud, Löllingu. Waldenstein in Kärnten.
Nickelarsenkics (Nickelglanz, Gersdorffit) Mi-neral; krystallisirt tesseral, meist in Würfeln undOktaedern; auch derb u.eingespreugt; spaltbar nachden Flächen des Würfels; Härte 5 bis 6, spec. Gew.5,g bis 6,7, bleigrau bis silberweiß, schwarz od. buntangelaufen; metallglänzend, undurchsichtig; bestehtaus Arseniknickel nnd Schwefelnickel, ML-Sy-i-ML?!findet sich mit Kobalt und Eisenerzen bei Lobensteinim Voigtland, mit Brauneisencrz bei Petersbach üiWestfalen; bei Tanne und Harzgerode am Harz, inSalzburg, Steiermark, Loos in Helsingland in Schwe-den, Ungarn. Wird auf Nickel benutzt.
Nickelblüthe (Nickelbeschlag, Nickelocker, Auua-bergit), Mineral, in kurz haarförmigen Krystallen,flockig, als Überzug u. Anflug, derb u. eingesprcugt,erdig; Härte 2 bis 3, spec. Gew. 3 bis 3,i, apfel-grün, zeisiggrün und weißlichgrün, schimmernd bismatt; besteht aus arseuiksaurem Nickeloxydul undWasser, kstizLssOs'I'SIIzO: wird zur Darstellungdes Nickels verwendet; findet sich als Zersetzungs-product von Nickelerzen in Begleitung von Kobalt