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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
Entstehung
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Nibelung. 453

verschiedenen Stücken von ungleichem Alter bestehe,u. schied 20 derselben als echte, alte, zum Theil nochdem 12. Jahrh. angehörigc epische Lieder aus, dieallmählich durch Fortsetzungen erweitert und endlichvon einem Sammler und Ordner zu einem Ganzenvereinigt worden seien, indem er die etwa nöthigenAusfüllungen und Verbindungs-Lieder hinzufügte.Jene 20 alten, echten Lieder machte Lachmann nichtnur iu seinen Ausgaben durch den Druck kenntlich,sondern ließ sie auch abgesondert in einer Pracht-ausgabe erscheinen (Berl. 1840). Unterdessen hatteauch v. Laß b erg einen treuen Abdruck seiner Hand-schrift (6) besorgt (in seinem Liedersaal, Eppishau-sen 1821, Band 4). Die Hypothese Lachmanns, zuwelcher ihn in der Hauptsache die Ansichten Wolfsüber die Entstehung derHomerischenGesänge geführthaben mochten, erlangte fast allgemeine Geltung u.wußte dieselbe auch zu behaupten, bisHoltzmannmit seinen Untersuchungen über das N-enlied (Stuttg.1854), denen sich Zarncke (Zur N-enfrage, Leipz.1854) sofort anschloß, dieselbe erschütterte. Holtzmannverwirft die Ansicht von den 20 alten Liedern u. stelltdagegen die Behauptung auf, daß das N-enlied voneinem einzigen Dichter, wenn auch unter Benutz-ung älterer epischer Lieder, aus einem Guß verfaßtsei, u. daß die Handschrift (6), welche die ausführ-lichste Gestalt des Liedes enthält, auch die ursprüng-liche Form desselben sei. Während Müllenhoff(Zur Geschichte der N-e Not, Braunschw. 1855) u.Rieger (Zur Kritik der N-en, Gießen 1855) die An-sicht Lachmanns zu stützen und aufrecht zu erhaltenversuchten, schrittenHoltzmann (Stuttg. 1857,Schnl-Ausgabe, ebd. 1858) u. Zarncke (Lpz. 1856) zu kriti-schen Ausgaben des Liedes nach ihren Ansichten, wel-che auch an Fischer (N-en oder N-enlieder? Han-nover 1859) u. Anderen Unterstützung fanden; vgl.auch R. v. Liliencron, Über die N-enhandschrist0., Weimar 1856.

In ein neues Stadium trat aber die N-enfrage,als Fr. Pseifser 1862, auf Holtzmanns Seitestehend , eine bestimmte Persönlichkeit als den Dich-ter des N-enliedes nachzuweisen suchte. Davon aus-gehend , daß die N - enstrophe (s. u.) in ihrem Baugenau der strophischen Form entspreche, welche sichder älteste deutsche Minnesänger, der unter dein Na-men Kürenbcrc (s. d.) bekannt ist, bediene, unddaß cs bis gegen 1250 in Deutschland als ein allge-mein giltiges Gesetz galt, daß der Erfinder einer Stro-phenform zugleich ihr Eigenthümer war u. sich ihrerallein bedienen durfte, schloß er, Laß die N-enstropheEigenthum jenes Kürcnbercs war und demnach die-ser der Verfasser des Liedes sein müsse, dessen Werkuns aber nur in einer Umarbeitung von 1190, derLaßbergischen Handschrift (6) vorliege. Diese An-sicht suchte dann K.Bartsch (Untersuchungen überdas N-enlied (Wien 1865) dadurch weiter zu begrün-den, daß er aus metrischen und sprachlichen Eigen-thllmlichkeiten, insbesondere des Reimes, nachwies,daß die ursprüngliche Abfassung des Liedes in dieJahre 11401150 zu setzen sei, dieses aber seinenAssonanzen wegen im letzten Deccnnium des Jahr-hunderts , wo der genaue Reim zur ausschließlichenHerrschaft gelangt war, von zwei Dichtern iu diestrenge Form des Reimes, unabhängig von einan-der, umgearbeitet worden sei, u. deren Arbeiten unsin den Handschriften L u. L erhalten seien; die von

Lachmann bevorzugte Handschrift 4 aber nur einengekürzten Text von 8 darbiete. Ungeachtet sich da-gegen die Anhänger Lachmanns, namentlich Zacher,W. Scherer, Vollmüller u. A. erhoben, schritt Bartschunbeirrt zu einer Ausgabe von 8.: Das N-enliedmitWort-u.Sacherklärungen(Lpz.1867,4.A. 1874),dann zu einer größeren Ausgabe mit sämmtlichenVarianten, 2 BLe. (Lpz. 18751876). BartschensAnsicht suchte dann Herm. Paul, Zur N-enfrage,(Halle 1877) theils zu mvdificiren, theils näher zubegründen. Zugleich schlug W. Willmanns, Bei-träge zur Geschichte und Erklärung des N-enliedcs(Halle 1877) einen neuen Weg ein, indem er dasLied aus der Contamiuation verschiedener von einan-der unabhängiger Gedichte entstanden ansieht. Vonden zahlreichen Schriften über LasN-enlied sind nochzu erwähnen: v. d. Hagen, Die N-en, ihre Bedeut-ung für die Gegenwart u. für immer, Berlin 1819;W. Müller,Versuch einer mythologischen Erklär-ung des N-enlicdes, Berl. 1841; Hermann Fischer,Die Forschungen über das N-enlied seit Lachmann,Lpz. 1874; A. Raßmann, Die Niflungasaga u. dasN-enlied, Heilbronn 1877; R- v. Muth, Einleitungin das N-enlied, Paderborn 1877.

Das N-enlied selbst bewegt sich in einer vierzeili-gen Strophe, der sog. N-enstrophe, deren Versearm aber rein im Reime und äußerst streng in derMetrik sind. Jeder Vers, durch eine Cäsur gethcilt,zeigt in seiner ersten Hälfte drei Hebungen mit klingen-dem, od. vier Hebungen mit stumpfem Ausgang u.in der zweiten Hälfte drei Hebungen mit jederzeitstumpfem Endreim; nur am Schluffe der Strophewar des volleren Austönens wegen die Hinzufügungeiner vierten Hebung bald zur Regel. Vgl. Simrock,Über die Entstehung der N-enstrophe, Bonn 1859.Unter den vielen neuhochdeutschen Übersetzungen desN-enliedes stehen die von Simrock (Berl. 1827 u.ö.)nnd Bartsch (Leipz. 1867) oben an; sonst sind nochdie von Pfizer (Stuttg. und Tüb. 184243, mitIllustrationen von Schnorr und Neureuther) undMarbach (Leipz. 1860) zu nennen; eine ganz vor-treffliche prosaische von Joh. Scherr (1861). Das-selbe wurde auch in alle europäischen Sprachen über-setzt, mit Ausnahme der scandinavischen. Mit grö-ßerem und geringerem Glück ergriff auch die neuerePoesiedengewaltigennationalenStoffzuselbständigenSchöpfungen. NichtdurchwegglücklichistW.Jordans,Die N-en (1869), der den gesammten alten L>toff inein modernes Epos umzugcstalten suchte. Eine tief-empfundene N-eutragödie lieferte dagegen Hebbel,Die N-en (1862); gewaltig durch die Vereinigungvon Kunst und Dichtung ist Rich. Wagners Musik-drama: Der Ring des N-en. Von den vielfachenanderen dramatischen Behandlungen nennen wirFouques Trilogie: Der Held des Nordens (1809),Raupachs Tragödie: Der N-en Hort (1839); DornsOper: Die N-eu (1355); die Dramen: Brünhild,von Geibel (1857); Kriemhild von Kopisch u. Kriem-hild vou Hosäus (1866); Sigufried, von Ettmüller(1870); Kriemhild, von Arnd-Kürenberg (1874);Markgras Rüdiger, von Schack (1866); MarkgrafRüdiger, von Felix Dahn (1876) u. A. Vgl. vonWolzogen, Der N°enmythoS in Sage u. Literatur,Berlin 1876. Desgleichen bemächtigte sich desselbendie Malerei, so vor Allen Cornelius in seinen N-en-Cartons und Schnorr in den Fresken zu München.