Niagara —
Winter an den Felswänden ein großes Heer vonriesigen Eiszapfen, die in der Sonne wie Diamantenglitzern. Der Umstand, daß die unteren Schichtendes Gesteins (Thonschiefer, darüber Kalkstein), überwelches die Wassermassen stürzen, weicher sind, alsdie oberen, hat die Möglichkeit geschaffen, hinter dieFälle hinabzusteigen, so daß man die Wassermassengleichsam als Vorhang vor Augen hat. Erst dortoffenbart sich die ganze Macht dieses Naturwunders;der stärkste Schrei verhallt hier lautlos u. bei einemPistolenschuß gewahrt man nur den Blitz und denPulverdampf. Die erwähnte geologische Beschaffen-heit des Gesteins bedingt eine fortwährende Unter-waschung der Grundlage, so daß von Zeit zu Zeit dieoberen Schichten nachstllrzen. Es geht daher einlangsames Fortrücken der Fälle nach dem Eriesee vorsich u. es wird möglicherweise in einer gewissen Zeit(man rechnet nach etwa 40,000 Jahren) nur nochvon den Stromschnellen des N. die Rede sein. Manhat in Anssicht genommen, die Wasserkraft der N-Fälle technisch zu verwerthen, in der That soll diedes östlichen Falles 1877 bereits für 71,000 Doll,jährlich verpachtet sein. Die unterhalb der Fällewieder vereinigten Wassermassen des N. wälzen sichzunächst durch eine 6 Irm lange, verhältnißmäßigenge Felsengasse mit tosender Wildheit fort u. bildenan einer Stelle, wo eine scharfe Krümmung entsteht,den rasenden, Großen Strudel (Whirlpool). Gradeunterhalb der Fälle überschreitet eine 386 m langeHängebrücke für Fußgänger u. Reiter in 42 m Höheden Strom. Von ihr aus, so wie von einem 500Schritte weiter abwärts gelegenen Uferpnnkte, ge-nießt man den besten Gesammtanblick des Natur-schauspieles, sowol aufwärts als abwärts. Die sogen.Suspension Bridge mit nur einer Spannung(250,gj in) und 75 m über dem Wasserspiegel (s.Hängebrücken), liegt3llmunterhalb, gerade überdemWhirlpool. Ar. dieser Stelle wurde der N. wieder-holt von berühmten Equilibristen, wie Blondin, Fa-rini, Leslie, Ballein, Peer, Jenkins u. zuletzt (Juli1876) von Marie Spelteriui (von dieser vorwärtsmit verbundenen und rückwärts mit unverbundenenAugen) auf dem Seil überschritten. Bei B uffalo amAustritt aus dem Eriesex ist der N. seit 1873 durcheine zweite Eisenbahubrücke überspannt. Die Schiff-fahrt auf dem N. ist nur streckenweise möglich mrddaher an sich ohne Bedeutung; zur Umgehung derFälle ist auf der kanadischen Seite der Wcllaudkaualgebaut. Schroot.
Niagara, 1) County im nordamerikan. Unions-staate New Jork, 43° n. Br., 79 ° w. L.; 50,437 Ew.Hauptort: Lockport. 2) Stadt in der canad. Prov.Ontario, an der Mündung des N. in den Ontario-see, Endpunkt der Erie-N.-Bahn; 3693 Ew. 3)(N.-Falls) Städtchen, dicht an den N.-Fällen, Stat. derLockport- Lewiston- u. Buffalo-Zweigbahn; 3006 E/
Niamniam (Dinkawort: Fresser, Vielfresfer),'früher als Schwanzmenschen inJirnerafrika gerücht-weise bekanntes Volk, welches zuerst Piaggia, späterSchweinsurth besuchte; von den Bongo Mundo od.Manjanja, den Djur und Dinka O-Madjaka, denMittu Makkarakka, den Golo Kunda, den MonbuttuBabungera genannt, nennen sie selbst sich Sandeh.'Das Volk sitzt zwischen dem 4" u. 6° n. Br. im W.vom Tondjifluß. Im W. ist die Grenze ihres Landesnoch unbekannt, jedoch scheint sich das Gebiet auf 5
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bis 6 Längengrade, od. 48,000 s^M, zu erstrecken.Die Kopszahl wird von Schweinfurth auf mindestens2 Will, geschätzt. Röthliche, fast kupferfarbige Haut;sehr langes Haar, fein gekräuselt, wie das der sogen,ächten Neger; stark brachycephale Schädelform; bei-spiellos große und offene Augen, mandelförmig ge-schnitten u. etwas schräg gestellt, von dicken Brauenüberwölbt, deren weiter Abstand von einander einegroße Schädelbreite anzeigt; eine Nase von gleicherLänge und Breite, aber geringer Höhe; ein nasen-breiler Mund; ein untersetzter, zur Fettbildung nei-gender Körper von kaum Mittelgröße (Schweinfurthmaß als größte Höhe 1,» m), mit vorwiegend langerOberhälfte sind die entscheidenden Merkmale desN-körpers , welcher aus Stirn, Schläfe, Wange undunter der Brusthöhle mit Stammzeichen tättowirt ist.Die gewöhnliche Kleidung ist ein Fellschurz um dieHüften. Der Haarputz ist des. künstlich. Die Männertragen einen cylindrischen, an der Spitze vierkantigenHut als Kopfbedeckung. Glasperlen, mit Ausnahmeeiner: Mandjur genannten lasurblauen Art, sindwenig geschätzt. Die Hauptwaffen sind: Lanze, Trum-basch (bumarongähuliche Wurfwaffe) u. Messer mitsichelartiger Klinge. Die Männer sind professionirteJäger, die Frauen bebauen den Acker. Die N. woh-nen in kegelförmigen, zu kleinen Weilern gruppirlenHütten unter von sich unabhängigen Fürsten. IhreKunstfertigkeit erstreckt sich aufEisenarb eiten,Töpferei,Holzschnitzerei, Hüttenbau und Korbflechterei. NachPeschel sollen weitere Forschungen die N. zu denHamiten seiner mittelländischen Race stellen. Vgl.Schweinfurth, JmHerzenvon Afrika, Bd. 2n.Anli-nori Piaggias Beobachtungen im Lollstino ckslla>8oo. Asobt- Italiaaa, 1868, S. 91—168. Soyaux.
> Nianza (Nyanza) bedeutet in den Sprachen derostafrikan. Neger so v. w. Gewässer. Der Ukerewe-See führt im Besonderen diesen Namen.
Nias (Pulo Mas), s. Sumatra.
Niaffa-See, s. Njassa.
Nibby , A nt o n i o, italien. Archäolog, geb. 4. Oct.1792; wurde 1812 Schreiber für die GriechischeSprache bei der Vatikanischen Bibliothek, dann Se-kretär des Grasen St.Leu (LudwigBonaparte), 1820Professor der Archäologie am Archigymnasium inRoin u. st. daselbst 26. Dec. 1839; er schr.: Lehrb.der Archäologie, Rom 1828; Lehrbuch über die röm.Alterthllmer, ebd. 1830; Lnalisi sborieo - topo§ra-piiieo-arckiguaria ckolla earba ckg' eonborni cki Roma,ebd. 1837 f., 3 Bde.; Rom im I. 1838, ebd. 1838bis 1840, 2 Bde., u. v. a.; übersetzte den Pausaniasu. besorgte die 4. Ausg. von Nardinis Roma antioa,Noml820,4Bde.;IwmuraäiRoma, 1820; Llcmu-msntü soelti ckslla villa Lor^bsss, 1832.
Nibelung , König des N- enlaudes (so v. w.Nebeliaud, d. h. ^Ie Unterwelt) , war berühmt durch'' den großen Schatz (R-en-Hort), den er besajj, be-' jleyenb rn tsolo uno Edelsteinen nebst Wünsche!-(Zauber-)ruthe. Aus der Höhle, in welcher derselbeausbewahrt war, schafften ihn nach N-s Tode seineSöhne N. und Schilbuug. Von diesen gewann Sia-frid den Schatz, und von lnesem erhieu ihn Kriem-' tnld als Brautlchav. Dieser nabm ihn Hagen, wel-' cher ihn in den Rhein versenkte. Nach den Besitzerndes N-enhortes (N-en) ist das N-enlied genannt,die bedeutende Schöpfung der deutschen volksmäßig-höfischeu Kunstepik des Mittelalters, welches aber
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