316 Nügvlkrankheitcn — Nagcthiere.
ErkenntnißderBedeutung des Protoplasmas erwarbsich N. ebenfalls hervorragende Verdienste. Hier istzu nennen seine 1855 publicirte Arbeit über denPrimordialschlauch und die Bildung der Schwärm-sporen, welche im ersten Heft seiner pflanzenphysio-logischen Untersuchungen erschien, die er im Vereinmit Cramer 1855—1858 herausgab. Nicht mindergrundlegend sind N-s Arbeiten über die Pflanzenge-webe, welche er nach rein morphologischen und ent-wickelungsgeschichtlichen Gesichtspunkten classificirteund über welche er einige Abhandlungen in seinenBeiträgen zur wissenschaftlichen Botanik (Lpz. 1858bis 1868) publicirte. (Man vergl. unseren Artikel:Gewebe). Von N-s tiefer Denkungsweise zeugennamentlich seine Untersuchungen über dieMolecular-structur der organisirten Gebilde, seine Lehre vondem Wachsthum derselben durch Jntussusception,zunächst dargethan in seinem großen Werk über dieStärkekörner 1858, dann in den Abhandlungen überden Bau der Zellhaut (Botanische Untersuchungen,1862, 1. S. 187 u. 1864, II. S. 147). Die ganzeArt u. Weise der N-schen Methoden tritt auch hervorin dem mit Schwendener herausgegebenen Werk:Das Mikroskop (2. A., Lpz. 1876). Seit vielenJahren beschäftigte sich auch Sk. mit dem eingehendenStudium der Bastardirungen u. der Variation, bes.beiHieracienn. Cirsien; beiseinenalljährlichenReisenin den Alpen sammelte er zahlreiche Beobachtungenüber die Ursachen der Vertheilung der Gewächse undpublicirte eineReiheinteressanterAbhandlungenunterdemTitel:BotanischeMittheilungenin den Sitzungs-berichten der bayerischen Akademie der Wissenschaften(1861—75). In weiteren Kreisen bekannt ist auchN-s Rede über Entstehung und Begriff der natur-historischen Art (2. A., Münch. 1865), in der er aufdas Entschiedenste für die Descendenztheorie eintritt.AuchseineaufderNaturforscherversammlunginMün-chen 1877 gehaltene Rede über die Schranken dernaturwissenschaftlichenErkenntniß ist eine durch ihrenGedankenreichthum hervorgehende Leistung. Dieletzten Publikationen N-s beziehen sich aus die nie-deren Pilze (Sproßpilze u. Spaltpilze); namentlichist sein 1877 erschienenes Werk, Über die niederenPilze u. ihre Beziehungen zu den Infektionskrank-heiten, vongroßemJntereffe. AuchstehennochweiterePublicalionen über die BiologiederSproßpilzeu.dieVorgängebeiderGährunginAussicht.i) Stp. 2)Engler.
Niigelkrankheiten. Da derNagel selbst ein ab-geschlossenes Gebilde ohne Stoffwechsel ist, so kanner selbst nicht von entzündlichen Krankheiten befallenwerden u. leidet nur secnndär bei einer Entzündungdes Nagelbettes (karonz'oiüa). Diese geht von der be-nachbarten Haut ans u. hat in den geringeren Gradenein mangelhaftes Wachsthum des Nagels, das sichdurch die Bildung einer Querfurche im Nagel kenn-zeichnet, in den höheren Graden eine eiterige Ab-stoßung des ganzen Nagels zur Folge. Durch me-chanischen Druck aus den seitlichen Nagelfalz gegenden Nagelrand hin, namentlich an der großen Zehe,erregt der Nagel durch seine Härte eine locale Ent-zündung des Falzes, die leicht in Eiterung übergeht;man bezeichnet dieses als Einwachsen des Na-gels (InoaillLtio nnAuis).. In leichten Fällen ge-nügt es hier durch Zwischenlagen von Charpie denNagel vom Falz abgehoben zu erhalten; in schwe-reren muß der Nagel gespalten u. die kranke Hälfte
abgetragen werden. Durch Druck von Außen, na-mentlich durch das Schnhwerk kann der Nagel inseiner Form vollständig verändert und verkrümmtwerden (Onychogryphosis). Endlich entwickeln sichunter uns unbekannten Verhältnissen in der Substanzdes Nagels zuweilen Pilze ('Irioüoplixton tonsuransu. Aolroricm Ledönlsinii), die den Nagel inseiner Tex-tur wesentlich verändern (Onychomykosis). Siezeigensich alsweißlicheLängsstreifen, die durch diemehrver-schonten oberen Schichten durchschimmern, die schnellwachsen,dieNagelsubstanzbröckelich machen, u.so zer-stören, daß meist nur dünne, aufgefaserte Platten ander Stelle des Nagels sitzen. Es ist sehr schwierig,Substanzen, die die Pilze zu tödten im Stande sindbis in die letzten Brulheerde derselben zu bringen, u!so das Übel zu tilgen. Jahn.
Niigelsbach, Karl Friedrich, Philolog, geb.28. April 1866 in Wöhrd bei Nürnberg; stndirteseit 1822 in Erlangen u. Berlin, wurde 1827 Pro-fessor am Gymnasium in Nürnberg und 1842 Pro-fessor der klassischen Philologie an der UniversitätErlangen, wo er 21. April 1859 starb; er veröffent-lichte: Übungen des latein.Stils (3 Bdch., seit I82gmehrfach aufgelegt); Anmerkungen zur Ilias, 1835,3. A., 1864; Homerische Theologie, 1840, 2. A.,1861; Latein. Stilistik, 1846, 6. A. besorgt von Iw.Müller, 1876; Nachhomerische Theologie des griech.Volksglaubens, 1857, u. mehrere kleinere Abhand-lungen. Nachgelassene Schriften: Gymnasialpäda-gogik, 1862; Acschylos Agamemnon, 1863. Eberhard.
Nagethiere, OUrso L., Ordnung der Säuge-thiere, ohne Eckzähne, an ihrer Stelle eine großeZahnlücke, oben u. unten zwei starke bogenförmige«schneidezähne, sogen. Nagezähne, die nur vorn miteiner Schmelzplatte belegt, sich hinten schneller alsvorn abnutzen und so durch das Benagen scharfwie ein Meißel werden; sie sind an der Basis offenund wachsen von dort aus nach, so daß sie beimUnterbleiben der Abnutzung lang aus den Kiefernhervorwachsen. Backenzähne schmelzfaltig oder mitquerstehenden Höckern, oder ans mehreren Lamellenzusammengesetzt. Der Unterkiefer besitzt einen ge-streckten Gelenkkopf, wodurch er befähigt ist, beimNagen sich vor- u. rückwärts zu bewegen. Die N.haben einen gestreckten, meist kleinen Körper. Sievermehren sich sehr stark, leben meist gesellig, undviele werden nicht selten zur Landplage, währendandere dem Menschen Fleisch ul Pelz liefern. Manchewandern ans, wenn sie sich zu sehr vermehrt haben.Gegen die Einflüsse der Witterung sind sie sehr em-pfindlich; sie graben sich daher Wohnungen in derErde oder wohnen in Baumhöhlen, menschlichenWohnungen rc. Viele halten einen Winterschlaf.Ihre Hauptnahrung besteht in Pflanzenstoffen, 566über die ganze Erde verbreitete Arten. Man unter-scheidet folgende Unterordnungen: 1. Unterordnung:Loinricka LwrE, Hörnchen; hierher die Familien:Loiurmg. Lar'E, Eichhörnchen, Nz-oxina U'aAn.,Schläfer, Oastorina IIÄA-r., Biber, u. a. 2. Unter-ordnung: Laecomzckäa LcrrE, enthält nur Ame-rikaner. 3. Unterordnung: Oixoäicka LE., Spring-nager; hierher u. A. die Familie vipoäma. LE.,Springmäuse. 4. Unterordn.: ülnrickav. LLosv.,'hierher die Fam. Unrinn LarE, Mäuse, Lrvioo-Uinr Ufirke-A., Wühlmäuse, Lpalacoiäea LE.,Blindwühler. 5.Unterordn.: H^strioiMaUEör/i.,