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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
Entstehung
Seite
301
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nach welchem Jemandem wol nur zum Scherz irgendetwas seiner Eigenliebe Zusagendes oder von ihmGewünschtes als wirklich vergespiegelt und er längerod. kürzer in dieser Täuschung erhalten wird.

Mystik (v. Gr.), die ans dem Gedanken u. Stre-ben nach unmittelbarer Berührung und Vereinig-ung mit der Gottheit im eigenen Inneren des Men-schen beruhende Religiosität, weshalb die M. über-. > all wo sie auftritt, den Gedanken zur Voraussetzungf ! hat, daß die mittelbare Berührung des Menscheni ! mit Gott, welche die bestehende Volksreligion lehrt^ ! u. gewähren will, eine niedere Stufe der Religio-I Mt sei. Daher involvirtdie M. wesentlich das V»wußtsein der höheren, der vollkommeneren Religio-

- Mt. Von der M. zu unterscheiden ist der Mysti-cismus, worunter der Sprachgebrauch diejenigeVerirrung des religiösen Geistes versteht, nach wel-cher sich die Religion ausschließlich und einseitig alsSache des Gefühls gestalten soll. Ein uralter Sitzder M. ist der phautasiereiche und sinnliche Orient.

i Die schriftlichen Denkmale der indischen und altperst-

- scheu Religionen, sowie die Philosophie u.Dichtkunstdieser Völker sind reich an mystischen Lehren und

- Ansichten, u. Beispiele einer ausschweifenden, oft imhöchsten Grade selbstquälerischen Askese sind in Jn-

i dien bei den Fakiren, Jogin u. Sanjasis (Büßende)

> nicht selten. Auch auf dem Boden des Islam sindviele mystische Richtungen entstanden, so der Snfis-, nms; Proben aus der pantheistischen M. der per-, fischen und arabischen Philosophen und Dichter s. inTholuck, Blütheusammlung ans der orientalischenI M., Berl. 1825. Auf dein Gebiete des antiken Hei-^ denthums bildete sich unter dem Einflüsse oriental!-^ scher Anschauungen die Mystik erst durch die Nen-Platoniker aus, welche den letzten Versuch machten,den antik-religiösen Geist durch ein gänzliches Sich-zurückziehen in das eigene Innere neu zu beleben.Dem Offenbarungsbegriff des Christeuthums stell-ten diese Philosophen, unter ihnen zuerst Plotinos,eine unmittelbare Anschauung des Göttlichen gegen-über, welche dem Menschen durch Entrückung ausder Sphäre des empirischen Bewußtseins (Ekstasis)zu Theil werde, und bezeichnet»! als das höchsteZiel des geistigen Lebens auch in sittlicher Bezieh-ung eine die Schranken des persönlichen Bewußt-seins vernichtende Verzuckung und Versenkung in dieTiefen der Gottheit; womit sich bei den späterenNeuplatonikern die Behauptung der Möglichkeitverband, diese Bereinigung durch äußere Handlun-gen, durch Anwendung angeblich ans uralter Zeitüberlieferter geheimuißvoller Formeln und Ceremo-nien herbeiznfllhren (Theurgie). Durch den Einflußdieser orientalischen u. nenplatonischenAnschauungs-Iveisen, welche die Zeit beherrschen, kam die M. auchin die christliche Kirche. Schon die Allegoriker desS. Jahrh., namentlich Origenes, sprachen nach demBorgange mancher jüdischen Schriftausleger voneinem mystischen Sinne der heil. Schrift; wäh-rend um dieselbe Zeit die Askese u. das anfkommendeMönchswesen mit seiner Tendenz nach religiöserVollkommenheit durch Erhebung über die Bedürf-nisse der sinnlichen Natur die praktische Seite diesermystischen Richtung darstellt. In einer Art von sy-stematischer Form erscheint im 5. Jahrh. die christ-liche M. (Mystische Theologie) in den dem Diony-siusArcopagita fälschlich beigelegteuSchriften, welche!

827 auch in das Abendland kamen u. hier nament-lich durch die lateinische Übersetzung des Joh. Sco-tus Erigena bekannt wurden. Durch das 13. bis15. Jahrh. hindurch zieht sich die M. als Gegensatzder Scholastik, welche in der trockenen, verstandcs-mäßigen, oft unfruchtbar spitzfindigen Form, in wel-cher sie den Inhalt des christlichen Glaubens behan-delte, den Bedürfnissen des religiösen Gefühls n. derpraktischen Frömmigkeit nicht entsprach. Doch wurdedie M. im Mittelalter in sehr verschiedenartigem Geistehier mehr praktisch, dort mehr wissenschaftlich, hiermehr im theistischen, dort mehr im pantheistischenSinne gepflegt. Zn den praktischen Mystikern, welchedurch Predigten und erbauliche Schriften einen sehrwvhlthätigsn Einfluß auf das Volksleben ausllbten,gehörten Bernhard von Clairvaux, Bonaventnra,Gerson, Tanker, Heinrich Suso, Thomas a Kempis,der Verfasser der Deutschen Theologie. Die panthe-istische M. trat vielfach in sektirerischen Erscheinungenhervor. Späterhin begegnen wir der M. auch aufprotestantischem Gebiete in allerlei Formen. Reprä-sentanten einer M., in welcher theosophische Einbild-ungen mit dem Glauben an Alchemie u. Astrologie,speculativer Tiefsinn mit Phantasterei, religiöseSchwärmerei mit den rohen Anfängen einer Natur-philosophie, reformatorische Gedanken mit dem sinn-losesten Aberglauben bunt durcheinander laufen, sindu. a. Franc. Patritins, Theophrastns Paracelsus,Joh. Bapt. u. Frz. Mercnrius van Helmout, Va-lentin Weigel, E. Stiefel. Die bedeutendste Erschein-ung auf diesem Gebiete ist Jacob Böhme (s. d. A.).In der kathol. Kirche entwickelte sich von der Mittedes 16. Jahrh. an von Spanien ans die qnieti-stische M. (s. d. A. Quietismus) als eine Reactiongegen den Mechanismus einer bloß äußerlichen Got-tesverehrnng auf, wie in ähnlicher Weise in Deutsch-land seit Spener der (übrigens von der M. wol zuunterscheidende) Pietismus im Gegensätze zu derstarren kirchlichen Dogmatik sich ausbreirete. Sehrfruchtbar war auch England an mystischen Secten,zu denen die Quäker, Antinomer, Sabbatarier,Familisten, Engelsbrüder, Jnspirirten u. a. gehör-ten, die sich zum Theil, wie z. B. in den Shakers,nach den Vereinigten Staaten von NAmerika ver-pflanzt haben. Zn den bedeutenderen M-ern des18. Jahrh. gehören Em. von Swedenborg, aus dendie sogen. Neue Kirche ihren Ursprung znrücksllhrt.Gegen Ende des 18. und in den ersten Jahrzehntendes 19. Jahrh. machte sich den Wirkungen der Anf-klärungsperiode, dem nüchternen Kriticismus derKantschen Philosophie n. der wachsenden Unkirchlich-keit des Zeitalters gegenüber theils in der Poesie n.Philosophie vielfach ein mystisches Element geltend,welches eines von den Merkmalen ist, um derenwillen man diese geistige Richtung in neuerer Zeitmit dem Namen der Romantik bezeichnet hat. Andem Streite zwischen Rationalismus n. Superna-tnralismus betheiligte sich die M. eigentlich gar nicht.Neuerdings haben die religionsphilosophischen Sy-stemevonSchelling und Baader zum Wiederauflebender M. hier n. da, namentlich in der kathol. Kirche,Anlaß gegeben. Doch sind alle diese Erscheinungenimmer nur sporadisch hervorgetreten, und die Ge-schichte hat bewiesen, daß die M. wol in Einzelnendas intensivste religiöse Leben zu erwecken vermag,sdaß sie aber zur Begründung u. dauernden Erhalt-