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Mysteriös — Mystifikation.
daß sie mit orgiastischer Gemüthsstimmung Mid oftbei Nacht unter Fackelschein u. betäubender Musikvorgenoiumen wurden. Die Aufnahme in die M.erfolgte mittels feierlicher Weihe durch verschiedeneGrade. Sie begann mit einer Reinigung, dieserfolgte eine Vorweihe (Myesis, d. i. Verschließung,entweder der Augen für die sinnliche körperliche Welt,um sie für die geistige zu eröffnen, od. des Mundeszum Gelübde der Verschwiegenheit) und dieser zuletztdie Vollendung (Epopteia, volle Anschauung, näm-lich des Heiligen). Diejenigen, welche die Vorweiheerhalten hatten, hießen Mystai, die völlig An-fchauenden aberEp optai. In manchenM. konntenalle Leute ohne Unterschied des Standes, Alters u.Geschlechts ausgenommen werden; bei anderen bloßFrauen; andere waren für eng geschlossene Vereine.Allenthalben war den Eingeweihten tiefes Still-schweigen zu heiliger Pflicht gemacht, damit das Ge-heimnißvolle n. Heilige der Feier nicht durch Hinaus-tragen in das gewöhnliche Leben profanirt würde.Der Anfang der M. in Griechenland reicht wahr-scheinlich bis in die graue Vorzeit. Sie waren meistChthonischcn Götterwesen gewidmet, die als Natur-mächte aufgcsaßt, nur in ihrer Wirksamkeit erkennbarund empfindbar, aber persönlich nicht vorstellbarwaren. In der homerischenZeit begannen die Grie-chen ihreGötter zu vermenschlichen, ihnen Gestalt zugeben und sie Plastisch darzuslellen. Während dieserZeit zog sich der alte Cultus zurück und wurde zumGeheimdienst. Als nachmals der populäre Poly-theismus u. der allgemeine Gottesdienst edlere Gei-ster nicht mehr befriedigte u. orientalischer Einflußsich geltend machte, wendeten sich diese dem altenznrückgedrängtcnGeheimdienstederNaturgötter wie-der zu, in derenVorstellungen vom Wachsen, Blühenn Welken der Pflanzen, vom Leben u. Sterben inder Natur die Ideen des Wechsels in Geburt, Lebenn. Tod des Menschen, sowie der Unsterblichkeit undder Vergeltung nach dem Tode angedeutet gesundenwurden. Aus Thrakien kam ein aufregendes Ele-ment, der dortige Dionysosdienst im 6. Jahrhundertv. Ehr. Ans diesem erbaute sich das M-wesen derOrphiker, in das allerlei Aberglauben Ausnahmefand (s. Orphiker). Einheimisch waren die M. d erDemeter, zu welchen die berühmtesten griechischenM., die Elcusinischen, gehörten; ferner die Sa-ni othrakis che n M. der Kabiren, in welche des. dieseefahrenden Griechen in Thrakien u. Asien sich ein-weihen ließen, u.die M. des kretischen Zeus derKnreien, denen jedoch nachmals asiatische Elementebeigemischt waren, und in denen die sich belebendeStatur im Frühling und die sterbende im Herbst inder Darstellung der Geburt u. des Todes des Zeus,nicht im Geheimen, sondern unter freiem Himmelmit orgiastischen Gebräuchen gefeiert wurden. Aus-ländisch waren außer den eben genannten die M.der Isis, des Mithra, der Kybele u. viele an-dere. Mit derZeit wuchs die Zahl der in Griechen-land u. Rom grassirenden M. mehr u. mehr. Inreligiöser Hinsicht bedeutet das bessere M-wesen einenFortschritt; die Philosophie hat ihm (außer der See-lenwanderungslehre) schwerlich etwas Bedeutendeszu verdanken. Literatur. Lobeck, X§laoxlmmnslioMm. Nuss., 1829 (Epoche machend); und dieHandbücher der griechischen Mythologie und Alter-thümer. 3 ) (Dogm.) s. Geheimnisse. 4 ) Gesänge,
welche zur Zeit der Kreuzzllge von den Kreuzfahrernauf ihrenZügen gesungen wurden; sie sollen der ersteAnfang zu den Oratorien gewesen sein. 5) (LIMorss)eine Art geistlicher Schauspiele im Mittelalter, inwelchen Scenen aus der Heiligen Geschichte, Vorzugs-weise der Passion, der Auferstehung u. der Wieder-kehr Christi, dargestellt wurden, anfangs nur in denKirchen von Geistlichen u. Chorknaben, später auchauf Straßen u. öffentlichen Plätzen von eigens dazugebildeten Gesellschaften bes. zu Ostern u. Pfingsten.Historisch lassen sich die Spuren derselben bis ins11. Jahrh.zurück verfolgen. Dieselben beschränktensich in frühester Zeit ausschließlich auf Pantomimen,der Dialog kam erst später hinzu. Vom 13. Jahrh.an wurde der Text ausgezeichnet und war anfangs,so lang als nur Priester spielten, lateinisch u. später,als Laien mit theilnahmen, deutsch. Die frühestender auf uns gekommenen derartigen Schauspiele sindzwei aus Freisingen stammende Dreikönigsspiele (inWeinholds Wcihnachtsspiele und Lieder aus Süd-deutschland u. Schlesien), die Bruchstücke eines Pas-sionsspiels (in Bartschs Germania, 8), Las 1322 zuEisenach aufgeführte spiel von den klugen n. thö-richten Jungfrauen (in Bechsteins Wartbnrgbiblio-thek, I.) und bas Spiel von der St. Katharina (beiStephan: Nene Stofflieserungen für deutsche Ge-schichte, II.). Im 16. Jahrh. fand die Aufführungim Freien auf Wagen statt, welche von Ort zu Ortzogen. Die M-bllhne war in drei Stockwerke ge-theilt, von denen das oberste den Himmel, Las mitt-lere die Erde, das untere dieHölle darstellte. Neuer-dings hat O.Devrient bei der Aufführung des Faustdiese Dreitheilung wiederangewendet. In Englandzerfielen die Geistlichen Schauspiele in Darstellungender göttlichen Geheimnisse (LIxstsriss), der Wunderder Heiligen (Lliraolss) und moralischer lehrhafterHandlungen ans der Biblischen Geschichte (Llorali-biss). In Frankreich gab seit 1380 die Ooukiörigäs la kassion in Paris Geistliche Schauspiele underhielt 1402 ein Privilegium. Überreste der M. sinddie in neuester Zeit wieder berühmt gewordenen, alle10 Jahre zur Aufführung kommenden Passiv ns-spiele imOberammergan inOberbayern. Samm-lungen franz. M. sind: Jubinal, LkFotsrss ineäidäu XVms oisols, Par. 1837, 2 Bde., n. Monmer-que u. Michel, ll'üsLtrs Iranyais än Llozwn-Xgö,Par. 1839; deutscher M.: Mone, AltteütscheSchan-spiele, Quedlinburg 1841, u. Deutsche Schauspieledes Mittelalters, Karlsruhe 1846. Vgl. Wright,Larl/ LnAlioir mxstsrios, Lond. 1844; Alt, Theateru. Kirche, Berl. 1846; Devrient, Geschichte der deut-schen Schauspielkunst, Lpz. 1848; Hase, Das geistlicheSchauspiel, Lpz. 1858; Willen, Geschichte der geist-lichen Spiele in Deutschland, Gött. 1872; Klein, Ge-schichtedesDramas,Lpz.1865bis1876. s) Kürschner.
Mysteriös, 1) gehcimnißvoll, in ein gewissesDunkel gehüllt. 2) (Malerk.) bei Beleuchtungen,welche gehcimnißvoll oder unheimlich sich auf einemengen Raum concentriren u. dabei einen Gegensatzgroßer Schattenmassen haben. Die beiden größtenMeister in dieser Hinsicht sind Correggio (die Nacht)u. Rembrandl (die Hexe von Endor).
Mysterium (v. griech. Mysterion), Geheinmiß.Mysticismns, s. u. Mystik.
Mystifikation, 1) eigentlich Einweihung in dieMysterien. 3) In neuerer Zeit aber bes. der Plan,