Moiccularströmc — Moliöre.
121
daß bei de» Gasen die M. von zu geringem Einfluß^sind. Bei den fliissigen n. noch mehr bei den festen-Körpern dagegen sind die unbekannten M. von gro-ßem Einfluß. Daher ist die Theorie dieser Aggregat-zustände noch wenig entwickelt. Eine auf mannig-. fachen, speciellen Annahmen über die M. beruhendes Ausbildung der atomistischen Theorie hat u.A. Red-leubacher versucht in seinem Dynamiden-System,
> Mannh. 1857. Sicchl.
! Molecularströme, die von Ampere zur Erklär-ung des Magnensmns angenommenen, die Moleculeder Körper, insbesondere des Eisens, permanent um-kreisenden elektrischen Ströme, s. Magnetismus undElektromagnetismus.
Molecule, s. Atome.
Miss (lat.), Masse, Last, großes Gebäude; so LI.Laärinni, die jetzige Engelsburg in Rom.
Moleschott,Jakob, berühmter Physiolog, einerder eifrigsten Vorkämpfer der Verbreitung der Na-turwissenschaft in weiteren Kreisen, geb. 9.Ang. 1822zu Herzogenbusch in Holland, stndirte seit 1812 inHeidelberg Medicin n. Physiologie, lebte seit 1815als praktischer Arzt in Utrecht u. wurde 1817 Da-mit der Physiologie u.Anthropologie inHeidclberg.Seit 1852 leitete er ein physiologisches Laborato-rium daselbst, wurde aber bald wegen seiner freienAuffassung der Lebenserscheinungen in dieser Thä-tigkeit gehindert u. ging 1856 als Professor der Phy-siologie an die Universität nach Zürich, von da 1861als solcher nach Turin. Er schrieb: HolländischeBeiträge zn den anatomischen und physiologischenWissenschaften (im Verein mitDonders n. vanDeen);
> Physiologie der Nahrungsmittel, Darmst. 1850, 2.A. Gieß. 1859 (einWerk, das ihm einen besonderenRuf verschaffte); Physiologie des Stoffwechsels, Erl.
> 1851; Lehre der Nahrungsmittel für das Volk, ebd.
^ 1850—53, 3. A. ebd. 1858, ins Englische, Fran-
! zösische, Italienische, Spanische, Russische n. Holläu-
! tusche übersetzt; Der Kreislauf des Lebens (Physiolo-
gischeAntworteuaufLiebigsChemischeBriefe),Mainz1852, 5. A. ebd. 1875, ins Französische, Italienische! und Russische übersetzt; Georg Förster, der Natur-forscher des Volks, 2. A., Franks. 1862; Licht undLeben (Rede beim Antritt seines Amtes in Zürich),Franks. 1856; Physiolog. Skizzenbnch, Gieß. 1861;gibt heraus die Zeitschrift: Untersuchungen zur Na-turlehre der Menschen n. Thiere, ebd. 1856 ff. Er be-gründete vor Allem die Lehre, daß Stoff n. Kraft nichtals etwasGesondertesbetrachtetwerdendürfe, sondernals etwas von EwigkeitherZusammengehöriges anf-zufassen seien. Seit 1876 ist er Senator. Thamhayn.
Moleski» (Beaverteen, engl. Leder, Baumwoll-Molton), baumwollenes, sehr dicht gewebtes Zeug.Das Gewebe ist meist ein 8bündiger atlasartigerKöper. Nach dem Weben wird der Stoff auf einerSeite gerauht u. geschoren. Im halbwollenen M. istdie Kette Baumwolle u. der Einschlag Strcichwolle.
Moleson, ein zn den Voralpen gehöriger Ge-birgszug im schweiz. Kant. Freibnrg, bis 2005 mhoch; feine obere Hälfte enthält vortreffliche Alpen-wciden, auf denen die besten Grnyere-Käse, nament-lich auch der Vacherin, bereitet werde». Die Aus-sicht, eine der vorzüglichsten in der südwestl. Schweiz,umfaßt die Alpenkette bis zum Montblanc, fast denganzen Jura, den Genfer, Neuenburger, Vieler u.Murtener See.
Molcsworth, Sir William, engl. Staats-mann n. Schriftsteller, aus einer alten, unter KönigWilhelm III. zur Baronetwürde erhobenen Familieaus Cornwallis geb. 23. Mai 1810 zn Camberwellin Snrrey; stndirte in Cambridge und Edinbnrg,machte bis 1831 Reisen Lurch Europa, gehörte seit1833 dem Parlament au, wo er an der Spitze derphilosophischen Radicalen stand n. sich bes. 1837 n.1838 durch seine Reden über das Deportations-systcm u. über Colonien bekannt machte; 1811 zoger sich als Whig zurück, trat aber 1815 wieder fürSonthwark ins Parlament; unter Aberdeen wurdeer Ende 1852 Minister der öffentlichen Arbeiten u.nach RusselsAbdankung imJuli 1855 Staatssecretärder Kolonien, st. aber schon 22. Oct. 1855 in London.Er gründete für seine Partei die später mit derbVsst-miustvr Hovisav vereinigte Union llavimv n. gabHobbes Werke, 1839 ff., 11 Bde., heraus. Bartling.
Motette, kurze stählerne Walze, welche auf ihrerOberfläche mit einer Verzierung versehen ist, welchein abgedrehte Metallstllcke od. Blechstrcifen od. Kat-tundrnckformen eingedrückt wird; auch bei der Banm-wollenspinnerei zwei gegen einander gepreßte eiserneWalzen, die eine mit einer Furche, die andere miteinein hineinpasscnden erhabenen Stäbchen versehen,welche an den Strecken (dann M-nstuhl oderM-n-strecke genannt) angebracht werden, um das loseBand znsammenzndrücken.
Molfetta, Stadt in der ital. Prov. Bari, amAvriatischen Meere u. der Nnterital. Bahn; Bischof,2 Kathedralen, Seminar, Museum, Theater, Hafen,Schiffswerft, Weberei, Fabrikation von Seife, Netz-werk, Leder, starke Fischerei, lebhafter Handel mitLandcsprodncten; 26,829 Ew. In der Nähe eineergiebige Salpetergrube.
Moliere, Jean Baptiste Poqnelin, genanntde M., der größte französische Lnstspieldichter, Sohneines Kammerdieners LudwigsXIII., geb. 15. Jan.1622 in Paris; stndirte Philosophie unter Gasscndiund Jura iu Orleans, versah eine Zeitlang dasAmt seines.Vaters und begleitete 1611 den Könignach Narbonne. Nach seiner Rückkehr 1612 schloßer sich unter dem Namen M. einer Schauspie-lertrnppc (1'IIInstrs ll'Iwälrs) au, dereu Chef erbald wurde u. mit der er 1616—58 in der ProvinzVorstellungen gab. Sein erstes Lustspiel, I-Ptourcki,wurde zwischen 1653 u. 1655 in Lyon aufgeführt.In Paris, wohin er 1658 kam, erntete er als Dich-ter und Schauspieler großen Beifall und genoß LeaSchutz LudwigsXIV. gegen die Ränke der von ihmVerspotteten, sowie die Angriffe der Kritiker denenznm Trotz er sich der Achtung vieler hervorragendenZeitgenossen erfreute. Doch wurde das Ende seinesLebens durch den Kummer über das Betragen seinerFrau getrübt, u. eine Krankheit, die Folge großerAnstrengungen, endete 17. Febr. 1673 sein Leben.1792 wurde seine Asche in das Museum der franz.Denkmälern. 1817uachdeml?örsl-aeüai8ögebracht.M., ein gründlicher Kenner ves antiken, wie des italieu.n. spanischen Dramas, verdankt es namentlich seinertiefen Menschenkenntniß, daß er als Charakterschil-dcrer einzig dasteht, seine Charaktere heute noch als. Typen gelten, er demgemäß auch bei der Nachwelt!in viel höherem Ansehen noch steht, als bei seinen! Zeitgenossen. Ebenso ist er aber auch in der Sprache^ und in der Form, im Verse und im Dialog Meister.