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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
Entstehung
Seite
108
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108 Mohammed.

der im A. T> bewandert war u. später Christ wurde,beruhigt, betrachtete nun die Worte des Engels(Koran Sure 96, 1 5) als göttliche Offenbarungund verkündigte den Seinen, daß er einen Ruf alsProphet Gottes vom Himmel herab selbst erhaltenhabe. Von nun an erfolgten die Offenbarungen un-unterbrochen fort bis an das Ende seines Lebens u.sie bilden unter dem Namen Ajet, d. i. Wunder, denInhalt jenes religiösen und juristischen Gesetzbuchesder ganzen Mohammedanischen Welt, das unter demNamen Koran (s. d.) bekannt ist. Chadidscha wardie erste Gläubige; sie stand ihrem Manne wie einschützender Engel zur Seite, tröstete und ermuthigteihn, wenn er verspottet u. verfolgt wurde und stärkteihn, wenn er schwankte. Ihrem Beispiele folgte baldder ganze Familienkreis des M. mit Einschluß desnachherigenKhalifenAli, des jüngsten Sohnes seinesOheims Abu Talib , seines freigelassencn SklavenZeid u. anderer Freunde, wie des angesehenen Kauf-manns Abu Bekr, der den M. schon von Kindheitan kannte u. des Othman, welche beide später Kha-lifen wurden. Als er nach 4 Jahren öffentlich alsProphet anfzntrelen wagte, ließ man ihn anfangsruhig und ungestört seine Offenbarungen bekanntmachen, jedoch nicht ohne ihn bei jeder Gelegenheitzu verspotten. Sobald er aber die Götzen angriffund die Einheit Gottes, die Hölle und das Paradiespredigte, fand er überall heftigen Widerstand. Diebisher nuruochinWortenbestandenenDrohnngen u.Verwünschungen mannigfacherArt gingen inThätlich-keiteu über und die Anhänger der neuen Lehre wur-den so grausam gepeinigt und verfolgt, daß auf denRath M-s, der den Verfolgten in ihrer hilflosen Lagenicht den nöthigeu Schutz angcdeiheu lassen konnte,nach u. nach 83 Männer n. 18 Frauen, unter ihnender nachherige Khalis Othman, nach Abessinien ent-wichen, die erste Flucht (Hidschra). M. selbst, derdurch den Tod seinen Oheim Abu Talib und seineFrau Chadidscha verloren hatte, ward gleichfalls ge-nöthigt, sich mit den Haschimiten in eine weniger zu-gängliche Gebirgsgegend 3 Jahre lang znrückzu-ziehen, weil die Aoreischitcn ein öffentliches Interdiktüber ihn ausgesprochen hatten, indem sie sich durch einschriftliches Document untereinander verpflichteten,mit den Haschimiten, d. h. der Familie M-s,keine Ehen zu schließen, mit ihnen keine Handelsge-schäfte einzugehen und ihnen keinen Schutz zu ge-währen. Um so vertrauensvoller u. eifriger wandtesich jetzt M. an die arabischen Stämme außerhalbMekka, um dieselben für seine Lehre zu gewinnen.Die feierliche Wallfahrt nach Mekka bot ihm dazudie passendste Gelegenheit, u. so geschah es, daß derZufall ihm 6 Chazredschiten ans Medina znsührte,die mit ihrem Schwestcrstainmc, den Ausiten, un-aufhörlich in blutigen Händeln lebten, zu denen sichbald noch andere gesellten, die von nun anAnsarie r,d. i. Glaubenshclfer, hießen. Ihre Zahl vermehrtesich bald so, daß sie mit M. ein Schutz- und Trutz-bündniß schließen u. ihn anffordern konnten, sich vorden Nachstellungen seiner Feinde zu ihnen zu flüchten.Die Feinde hatten sogar in ihrer Erbitterung denPlan gefaßt, ihm das Leben zu nehmen. Allein M.entkam glücklich dieserGefahr; als nämlichdieMördersein Hans belagerten, soll es ihm durch List gelungensei», mit Abu Bekr zu entfliehen u. sich 3 Tage langin einer anderthalb Stunden südlich von der Kaaba

gelegenen Höhle zu verbergen u. von da nach Medinazu gelangen, wohin sich vor ihm schon seine Anhängeraus Mekka geflüchtet hatten. Diese Flucht M-s ist be-kannt unter demNamenHidschra(od.Hedschra)u.es gründet sichdaraufdieMohammedanischeZeitrech-nung, welche 17 Jahre später vom Khalifcn Omareingeführt wurde u. mitdem I.Muharrem (16.Juli)des I. 622 u.Chr. beginnt. Die nach Medina Aus-gewanderten führen den Namen Mohadschirnn, u.um diese mit den Ansaricrn eng zu verbinden, ver-ordnete M. bald nach seiner Ankunft in Medina, daßjeder Ansarier einen Mohadschirnn als Bruder auf-nehmen solle, um auf diese Weise gleichsam eineGütergemeinschaft und ein unverbrüchliches Schutz-bündniß zu erzielen. Auch sicherte M. den in Medinabefindlichen Judenfamilien freie Religionsübnng, sowie Schutz ihrer Person n. ihres Eigenlhnms unterder Bedingung zu, daß sie bei einem Angriff ans dieStadt den Moslimen helfen u. im Falle eines Kriegeszu den Kosten beitragen sollten. Ähnliche Bündnisseschloß er mit den jüdischen Stämmen der Umgegendab; doch blieben sie sammtlich im Geheimen ».selbstöffentlich mit sehr wenigen Ausnahmen seine Gegner.Gleich nach seiner Ankunft in der Stadt Medina,deren früherer Name Dathrib war, vermählte sichM. mit A'ischa, des Abu Bekr Tochter, u. schritt zur ^Erbauung einer Moschee und eines Wohnhauses fül ^sich u. seine Familie. Im 2. Jahre der Hidschra be- !stimmte er auch Mekka als den Ort der Gebets- !Achtung, Ki b la h (s.d.), während er bisherJerusalemals solchen festgesetzt hatte und verorünete auch dasFasten im Monat Ramadhan, das Ausrufen der Zeitdes täglichsünfmalzuverrichtenden Gebetes (Jdhan,woher Mueddin, der Gebetsausrufer), so wie denAlmosenzehent (Zakat). Um diese Zeit beginnen auchM-s Raubzüge gegen Koreischitische Karawanen. Daserste eigentliche Treffen zwischen den Moslim unddenMekkanern fand aber erst im Monat Ramadhan des2.JahresderHidschra statt. M. war nämlich auch dies-mal ausgezogen, um eine aus Syrien zurückkehrendereich beladene Karawane auszuplündern. Die Kara-wane entkam zwar, aber es entspann sich bei B edrein heftiger Kamps zwischen den ans Mekka herbei-eilenden Hilfstrnppen u. den Gläubigen, in welchemdiesx Sieger blieben u. viele Gefangene machten, fürdie sie ein großes Lösegeld erhielten, während bezüglichder Vertheilung der Beute von nun an, um Streitig-keiten vorzubengen, die Bestimmung getroffen wurde,baß der fünfte Theil der Sache Gottes, d. h. dem M.».seiner Familie, angehöre, die 4 Fünftel aber gleich-mäßig vertheilt werden sollen. Dieser Sieg war fürdie Sache M-s von den günstigsten Folgen begleitet,indem er eine Menge beutelustiger Leute unter seineFahne lockte. M. fetzte nun seine Nanbzüge gegendie Koreischiten u. jüdischen Stämme fort, und ob-gleich er außer anderen Unfällen im 3. Jahre derHidschra eine große Niederlage bei dem nördlich vonMedina gelegenen Berge O h o d erlitt, so wuchs dochsein Ansehen und seine Macht dergestalt, daß er im6. Jahre einen Ausruf zu einer Wallfahrt nach Mekkaergehen lassen konnte. Allein der beabsichtigte Besuchdes Gotteshauses zu Mekka scheiterte an dem hart-näckigen Widerstande derKoreischiten; man kam aberüberein, dem M. zu gestatten, daß er im nächstenJahre ohne andere Waffen als denen eines Reisendenwicverkommen u. die Omra od. den Besuch derKaaba