6
Metz — Meudon.
noch ehe der Hunger die Kraft völlig erschöpft hätte.'Die vom General Bayer zuerst in Corny, dann inVersailles geführten Verhandlungen blieben resultat-los. Derselbe verlangte für die Nhcinarinee freien.Auszug mit Waffen u. Kriegsgeräth. Er gab zugleich!an, daß die Armee an ihrem, dem Kaiser geleisteten ^Eide festhalte u. daher nur die von diesem eingesetzte,Regentschaft anerkenne. Die infolge dessen an dieKaiserin Eugenie gestellte Anfrage, ob sie den Ver-handlungen beizntreten gedenke, wurde ablehnend be-antwortet; u. da eine Garantie, daß die Rheinarmeedie etwaigen Capitulationsbedingungen anerkenne,nicht gegeben werden konnte, so wurden deutscher-seits die Verhandlungen abgebrochen. Inzwischenerhielt die Einschlicßnngsarmee durch Aussagen franz.Mannschaften, welche sich häufig beim Kartoffelsuchenfestnehmen ließen, so wie durch die bei ihnen Vorge-fundenen Tagesblätter fortlaufend Aufschluß überdie jammervollen Zustände bei dem feindlichen Heere.Seit dem 20. Oct. hörte die Lieferung von Lebens-mitteln ans denFestungsvorräthen auf, die Truppenwaren auf die eigenen geringen Bestände angewiesen.Man aß meist nur noch Pferdefleischsnppe ohne Salzn. Brod, der Pferdebestaud minderte sich durch Ab-schlachten und Krankheiten täglich um 1000 Stück.Als am 24. Octbr. die Lebensmittel sowol für dieTruppen wie für die Einwohner bis auf den Bedarffür wenige Tage aufgezehrt waren, entschloß sichBazaine unter Zustimmung des Kriegsrathcs endlichzur Capitnlation, deren Bedingungen demnächst aupdem Schlosse Frescati zwischen den Generälen vonStiele u. Jarras besprochen wurden. Die Verhand-lungen kamen am 27. Octbr. zum Abschluß. DieFestung wurde mit allem in derselben befindlichenStaatseigeuthum den Deutschen übergeben, dieRheinarmee, welche einschließlich 6000 Offiziere u.20,000 Kranke n. Verwundete noch 173,000 Mannzählte, wurde kriegsgefangen. 56 Adler, 1570 Ge-schütze, 260,000 Gewehre nebst ansehnlichen Muni-tionsmassen waren die Beute der Sieger. Die Deut-schen hatten den großartigen u. weittragenden Erfolgmit einem Gesammtverlust von 240 Offizieren und5500 Mann erkauft. Diese Übergabe der Festung wardie erste seit ihrem Bestehen. Am 29. Oct., Morgens,wurden die Anßenforts und die Befestigungen derPorte Mazelle den deutschen Truppen übergeben,um 1 Uhr begann der Ausmarsch der franz. Corpsauf 6 in das Vorland führenden Straßen. An jederder letzteren stand ein Corps der Einschließungsarmeezur Übernahme der Gefangenen bereit, welche dannsogleich in die für sie eingerichteten und mit Lebens-mitteln versehenen Bivouacs abgeführt wurden, umdaun nach n. nach in die Kriegsgefangenschaft nachDeutschland zu gehen. Erster deutscherCommaiidantder Festung wurde General v. Kummer. Die Capi-tnlation von M. machte die 1. u. 2. deutsche Armeezur Sicherung der Ccrnirnngscvrps von Paris ver-fügbar, welche in jener Zeit sowol von Amiens, wievon der Loire her, durch die infolge des Massenauf-gebotes mit großer Schnelligkeit gebildeten neuenrepublikanischen Heere ernstlich bedroht wurden. InFrankreich erregte die Capitulation von M. großeBestürzung u. Marschall Bazaine wurde wegen seinerVertheidignugsogardesVerrathesbeschuldigt. Thiersmachte mit Aufgebot aller möglichen Anerbietungenvergebliche Anstrengungen, M. für Frankreich zu er-
halten. Im Frankfurter Frieden, 10. Mai 1871,wurde M. definitiv an Deutschland abgetreten. Vgl.Histoiro cko^IstL, 6. Bde., 1769—90; Davilly, ^n-tiguitg8 Nscliomatrioionnss, Metz 1823; Hannon-celles, 2lobr rmeisn, ebd. 1856, 2 Bde.; Dentsch-franz. Krieg 1870—1871, redigirt von der kriegs-geschichtl.AbtheilnngdcsGroßen Generalstabes, Berl.1872 u. f.; von der Goltz, die Operationen der 2. Ar-mee bis zur Capitnlation von M., Berl. 1873; Pau-lus, die Cerniruug von M., Berl. 1874; Bazaine,Rapport soinmairs surlesopsratimw cls 1'arms« änRliin, deutsch von Mels, Berl. 1871; Westphal, Gesch.der Stadt M., Metz 1875—77, 3 Bde.; Lang, M.u. seine Umgebungen nebst Plan, ebd. 1877. I-
Metz, 1) August, Führer derLiberalenimGroß-herzogthuinHessen,geb. 20. April 1818inDreieicheu-hain in Hessen; studirte die Rechte, ward Hofgerichts-Advocat in Darmstadt und trat seit 1848 als politi-scher Redner u. Parteimann auf, gehörte als Partei-führer 1850—56 und 1862—74 der Hess. ZweitenKammer an, war bes. thätig bei Gründung u. Aus-breitung des Natioual-Vereins und zählte dann imReichstage zur national-liberalen Partei. Er starbplötzlich 23. Febr. 1874. 2) Karl, der Gründerder ersten Feuerwehren, geb. 5. Ang. 1818 zu Hei-delberg; wurde Mechaniker, errichtete 1842 eine me-chanische Fabrik in Heidelberg, rief 1846 die Dur-lacher Feuerwehr, die erste inDeutschland, insLeben,n. widmete seitdem seine ganze Thätigkeit dem Feuer-löschwesen sowol organisirend, als Apparate verbes-sernd, vervollkommnend u. neu erfindend, so daß erauf vielen Ausstellungen (bes. 1855 in Paris) Aus-zeichnungen erhielt n. seine Fabrikate weit über dieGrenzen Deutschlands Eingang fanden. Bei Gele-genheit seines 30jährigen Jubiläums (2.Nov. 1872)konnte er bereits seine tausendste Löschmaschine zurProbe vorführen. M.st. 3l.Oct. 1877zuHeidelberg.
Metze, 1) ehemaliges Maß für trockene Dinge;in Preußen—3,^x1, in Sachsen—6,^gl, in Bayern(der Metzen) — 37, „g I, in Oesterreich — 611 rc.
Metzger, s. Fleischer. M-sprung, die jährlicham Fastnachtsdienstag in München stattfindende Ce-remonie, bei welcher die M-lehrjungen, in Lämmer-felle gekleidet, in den Brunnen am Schrannenplatzspringen n. dann zu Gesellen gesprochen werden.
Metzingen, Stadt im Oberamte Urach des Würt-temberg.Schwarzwaldkreises, an der Erms, Stationder Württemberg. Staatsbahnen; Wollcnspinncrei,Tuchfabrikation, Leinen- und Wollenweberei, Baud-u.Strumpfweberei, Färberei, Gerberei, mechanischeWerkstätten rc>; Frachtmärkte, Vieh- und Pferde-handel; 1875: 5003 Ew.
Menbles (frz.), Möbel, Hausgeräthe;Meuble°ment, das sämmtliche Hausgeräth; meubliren,ein Haus oder Zimmer, es mit Möbeln versehen.
Meuchelmord , ein heimlich und hinterlistiger-weisc begangener Mord, s. d.
Meudon , Marktflecken im Arr. Versailles desfranz. Dep. Seine-ct-Oise, unfern der Seine, Sta-tion der Westbahn; alte Kirche mit einem DenkmalRabelais'; Gips- und Mühlsteinbrüche, Glashütte,Bleichen, Fabrikation von Knöpfen u. Kapseln, Wein-bau rc.; 1872: 12,037 Ew. — Ein altes, vom Car-dinal von Lothringen unter Franzi, erbautes Schloßwurde 1803 zerstört; ein neueres, vom Dauphin,dem Sohne Ludwigs XIV., erbautes u. später von