324 Die Frühjahrssession des Reichstages 1884.
mehreren glaubwürdigen Seiten die Unwahrheit gehört.Ich wiederhole, daß die Vorlage keine 24 Stunden beimir gelegen hat, und berufe mich hierfür auf das Zeug-nis meiner Kollegen hier. Ich bitte Herrn Kapp, dochgegenüber meiner Behauptung nicht zur Wiederholungsolcher unwahrer ihm angeblich von glaubwürdigerSeite zugekommener Nachrichten zu schreiten. «Bravo!rechts.)
und auf eine neue, immer noch bedingte Aeußerung desselben Red-ners abermals:
Ich war weder durch meine Gesundheit, noch durchetwas anderes verhindert, die Sache in die Hand zunehmen, sondern ich habe sie jederzeit in die Hand ge-nommen, eine halbe Stunde nachdem ich sie bekommenhabe. Ich weiß ja, daß ich unfähig bin, meine Ge-schäfte zu besorgen; aber es ist nicht hübsch, mir dasimmer vorzuhalten.
Staatsminister v. Bötticher legte darauf aus den Aktendie Daten der Vorgeschichte des Gesetzentwurfs aufs genaueste dar,worauf der Abgeordnete Richter darüber klagte, daß man es demReichstage verarge, wenn er nicht in vier Wochen eine Vorlageerledige, dis auf dem Wege aus dem Kabinett des Kaisers bis zurEinbringung über zwei Monate gebraucht habe. Auch diesmal bliebFürst Bismarck die Abwehr nicht schuldig:
Der Herr Abgeordnete Richter stellt den Zeitbedarfdes Bundesrats zu seinen Beratungen und den des Reichs-tages vollständig auf gleiche Linie. Ich hätte bei ihmeine genauere Kenntnis unserer Verfassungszustände vor-ausgesetzt, als daß er in diesen Irrtum verfallen könnte.Es trifft das leider nicht zu. Bekanntlich brauchen dieMitglieder des Bundesrats für ihre Abstimmungen In-