322 Dis Frühjahrsssssion des Reichstages 1884.
ob wir, wie Friedrich der Große nach denl ersten schle-sischen Kriege einen zweiten führen mußte, sofort nachdem ersten französischen Kriege einen zweiten führenmüßten. Es hat ja nicht an Elementen gefehlt, welchediese Möglichkeit herbeizuführen gesucht haben, in Frank-reich natürlicherweise, wo die von uns im Verteidigungs-kampf geschlagene Wunde noch nicht vernarbt war; aberauch bei anderen Nationen hat es nicht gefehlt an derNeigung, die Eventualität des Krieges näher zu rückenund wahrscheinlicher zu machen, und dennoch, meineHerren, müssen Sie mir das Zeugnis geben, daß diePolitik heute ziemlich 14 Jahre nach der Zeit, wo dernächste Krieg in ganz kurzer Zeit erwartet wurde, unsrundum, so weit wir sehen können, nur friedliche Aus-sichten bietet, und absolute Unwahrscheinlichkeit vorhandenist, daß wir in der nächsten Zeit in Krieg geraten könnten(Bravo!), daß wir aber namentlich mit der französischenRegierung, mit der jetzigen sowohl als der vorigen,ununterbrochen in so vertrauensvollen Beziehungen ge-standen haben, daß mein persönliches Wort jeder Zeitgenügt hat, die französische Regierung über unsere Ab-sicht für die Zukunft vollkommen zu beruhigen. (Bravo!)Das ist bei den historischen Verhältnissen, wie sie sichseit 1870 entwickelt haben, außerordentlich viel, diesemBlaß von Glauben und Vertrauen in unserer Politikdauernd zu begegnen durch mehrere Regierungen hin-durch, und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daßdieses gegenseitige Vertrauen auch jetzt und für die Zu-kunft unverändert fortbesteht. Also unsere Beziehungenzu Frankreich und zu der französischen Regierung, —wenn es auch Parteien und Zeitungen in Frankreichgibt, die lieber heute als morgen Krieg haben möchten.