312 Die Frühjahrssession des Reichstages 1881.
Regierung, die Zeit nicht, uns über Anträge, die ausIhrer Mitte hervorgehen, monatelang oder auch nurwochenlang zu besinnen und zu beraten, geben Sie unsdie Zeit nicht, wenigstens nicht freiwillig, zwischen 25 Re-gierungen ein Einverständnis herbeizuführen, wenn hiereine Interpellation über eine politische Frage gestellt wird,die nur mit Kenntnis der Ansichten aller Regierungenbeantwortet werden kann, so sind auch wir berechtigt,von Ihnen zu verlangen, über eine Frage, die jeder nachseinem Verstände und seiner Bildung beantworten muß,in vier Wochen ein Urteil zu fällen. Wer das nichtwill, der muß kein Mandat annehmen.
Was dann die Aeußerungen des Herrn AbgeordnetenKapp betrifft über meinen Mangel an Diensteifer, sokann ich es dem Urteil des Auditoriums überlassen, obdas, was der Herr Abgeordnete Kapp in Bezug hieraufsagte, und die Reproduktion und Verbreiterung, die derHerr Abgeordnete Richter in seinem stets bereiten Wohl-wollen für mich übernommen hat, — ob jene Aeußerungendie Bedeutung gewonnen haben, die ich denselben vorhinbeilegte. Ich bin durch wichtige Geschäfte genötigt worden,meine hiesige Anwesenheit zu unterbrechen. Ich kannnicht allen Sitzungen beiwohnen. Ich überlasse es denHerren Abgeordneten Kapp und Richter, untereinanderauszumachen, wer von ihnen über meinen Diensteifer undmein Pflichtgefühl die schlechteste Meinung hat.
Sodann hat der Herr Abgeordnete Richter wiederein eklatantes Beispiel gegeben, wie schnell die innereGärung bei ihm eine Umgestaltung einer ministeriellenAeußerung hervorruft. Er sagte zuerst, in meinem Auf-träge mären die Verhandlungen in der Kommission steno-graphiert morden; wenigstens habe ich es ans seinen