Die Regierung als Schuster des Volks. 171
Regierung verglichen mit dem eines Schusters, welcherdie Schuhe anmißt, die er danach beurteilt, ob sie ihmpassen oder nicht, und danach annimmt oder zurückschickt.Ich bin durchaus nicht unzufrieden mit diesem beschei-denen Vergleich, durch den Sie die verbündeten Regie-rungen auf den Standpunkt eines für Herrn Bambergermaßnehmenden Schuhmachers stellen. Der Beruf derRegierung im Sinne Friedrichs des Großen ist, demVolke zu dienen, und sei es auch als Schuster; der Gegen-satz ist, das Volk zu beherrschen. Wir wollen dem Volkedienen. Aber ich mache an Herrn Bamberger den An-spruch, daß er mein Mitschuster sei, um zu verhüten,daß jemand ini Volke barfuß gehe, um dazu zu gelangen,daß dem Volke ein passender Schuh auf diesem brennen-den Gebiet gemacht werde. (Bravo!) Das vermisse ichbisher.
Der Herr Abgeordnete von Vollmar ist dann über-gegangen auf den Zusammenhang, in welchen er dieseunsere Vorlage mit dem Sozialistengesetz bringt. Dasist so, wie er es auffaßt, nicht richtig, daß wir die Vor-lage machten, um dadurch mehr Stimmung für dasSozialistengesetz zu gewinnen. Ein Zusammenhang istja da, aber er ist ein anderer. Bei Einbringung desSozialistengesetzes hat die Regierung und namentlichSeine Majestät der Kaiser und, wenn ich nicht irre, auchder Reichstag in seiner Majorität gewisse Wechsel für dieZukunft unterzeichnet und Versprechungen gegeben dahin,daß als Korollär dieses Sozialistengesetzes die ernsthafteBemühung für eine Besserung des Schicksals der ArbeiterHand in Hand mit demselben gehen solle. Das ist meinesErachtens das Komplement für das Sozialistengesetz; undwenn Sie dauernd entschlossen sind, die Lage der Ar-