Druckschrift 
13 (1891) Bis an die Schwelle der Kolonialpolitik
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

62 Die Reichstagssession von 1882—83.

Einheit liege im Reichstage, deshalb müsse man demReichstage möglichst viele Rechte geben und ihn möglichststark hinstellen. Weil ich damals unter dem Eindruck deralten bundestäglicheu Verhältnisse, die ich noch nicht über-wunden hatte, ganz von der Besorgnis beherrscht war,der nationalen Einheit und damit der Unabhängigkeitvon Fremden einen möglichst prägnanten, scharfen, binden-den Ausdruck zu geben, deshalb habe ich damals zu-gestimmt, den Reichstag in die Möglichkeit zu setzen, daßer seinerseits das Reich nicht nur fördern, sondern aller-dings auch wesentlich schädigen kann, wenn er die Auf-gaben, die von der Vorsehung in die Oekouomie desDeutschen Reichs eingefügt sind, nicht vollständig erfüllt.

Nun, meine Herren, ich gebe diesen Befürchtungenfür die Zukunft keine Audienz, aber mein Vertrauendarüber, daß unsre Einheit auch in Zukunft gesichertsei, beruht heutzutage auf den Dynastien. (Hört! hört!)Die deutschen Dynastien sind heutzutage national gesinnt,sie haben das Bedürfnis, Rücken an Rücken zusammen-zustehen gegenüber allen auswärtigen Gefahren, aber auchihre monarchischen Rechte, soweit wie sie verfassungsmäßigbestehen, nicht untergraben zu lassen. Wir haben festeVerbindung mit den außerhalb des Deutschen Reichs be-legenen großen Monarchien, welche gleiche Interessen mituns vertreten, erhaltende, friedliebende. Ich glaube auch,daß diese Verbindungen dauernde sein werden, und daßdie Verhältnisse, wie sie einst erstrebt wurden, ohne viel-leicht einen festen Glauben an ihre Verwirklichung zuhaben, im Jahre 1848 und später, sich befestigen undimmer schärfer ausprägen und immer deutlicher gestal-ten werden, und daß in der Mitte von Europa einegroße, feste, erhaltende Gewalt sein wird, und ich habe