38 Die Reichstagssession von 1882—83.
Wir stehen in Prenßen vor neuen Wahlen, und ichrechne darauf, daß diese Wahlen uns darüber Auskunftund Entscheidung bringen: fühlt das preußische Volkwirklich einen Steuerdruck, dessen Erleichterung es wünscht,oder nicht? Der bisherige Landtag hat uns eine Er-klärung darüber versagt. Wir erwarten, daß bei denbevorstehenden Wahlen in Preußen die Frage ein Haupt-kriterium bilde: soll die Klassensteuer mit ihren MillionenExekutionen beibehalten werden, mit ihrer Verfolgungder Verzogenen, das ganze veraltete Institut? Soll diehohe Belastung der Gemeinden beibehalten werden, ohneihnen zu helfen? Soll das Schulgeld beibehalten werden?Das werden Fragen sein, über die der Ausfall der näch-sten preußischen Wahlen der Regierung einen Fingerzeigund der Landtag eine durchschlagende Antwort gebenwird. Ist der nächste preußische Landtag gegen die Leidenseiner minderbegüterten Mitbürger ebenso gleichgiltig wieder jetzige, ja, dann, meine Herren, liegt vielleicht keineNot vor, sonst wäre er nicht gewählt worden, denn wozuder Lärm? was sollen wir uns dann quälen mit derSisyphusarbeit, eine weitere Erleichterung und Reformzu schaffen? — lisvstioiu non obtrnclnntnr! Ich kanndas aushalten, sobald ich ein reines Gewissen habe, undmein Gewissen zu befreien, ist der Grund meines jeder-zeitigen Auftretens. Wollte der nächste Landtag wiederum,wie der bisherige, sich einer eingehenden Diskussion derBedürfnis- und Verwendungsfrage, einer Beschlußnahmedarüber, welche Verwendung er haben will, versagen, sokönnte ich Seiner Majestät nur raten, so oft an dieWähler zu appellieren, bis darüber die notwendige Ent-scheidung erreicht ist, und ich werde kein Bedenken tragen,Seiner Majestät zu raten, den preußischen Landtag,