32 Die Reichstagssession von 1882—83.
auch vollständig zu der Neberzeugung gelangt, die dieStaatsregierung leitet, daß indirekte Steuern leichter zutragen und leichter aufzubringen sind, als die direkten.Aber weit entfernt, für die Gesamtheit ihrer Mitbürgerdiese Erleichterung zu erstreben, durch ihre Abgeordnetendie Regierung in dieser Richtung zu unterstützen, ver-langen sie für sich das Privilegium, nur auf ihrem engerenBezirk die Wohlthat der indirekten Steuer einznführenund bei ihnen das Leiden der direkten abzustellen, es dannaber der wissen soutridusns plsds ans dem plattenLande zu überlassen, sich weiter zu helfen, wie sie kann.Sie haben dann ihrerseits kein Bedürfnis mehr undhaben noch weniger Neigung als heute, die Regierungin ihren Reformbestrebungen zu unterstützen. Die Negie-rung aber hält an dem Prinzip fest: „gleiche Gerechtig-keit für alle" und ist entschlossen, Privilegien in dieserBeziehung nicht zu geben. Daß die großen Städte ihrer-seits, weil sie in noch höherem Maße als die Kreise undLandgemeinden eigentliche Staatslasten übernommen haben,bei einer Verteilung und bei einer Zuwendung von Er-trägen indirekter Steuern, die wir vom Reich erstreben,stärker bedacht werden müssen, als die gleiche Kopf-anzahl der sonstigen Bevölkerung, daß sie mit dem, wasfür sie in Aussicht genommen ist, Zuweisung der halbenGebäude- und Grundsteuer, nicht auskommen, ist ganzklar; es ist aber dann Sache der Prüfung und Bewilligungin den Verhandlungen des Landtags, wie der Hauptsachenach die Verteilung von Mitteln, sobald wir deren haben,stattfinden soll. Wir sind nicht bereit, einzelnen Klassenunsrer Mitbürger vor andern ein Privilegium zu geben,sondern die Erleichterung gleichmäßig zu schaffen für alle.Die Kreise sind in derselben Lage und bei ihnen ist die