Der Landtag hat kein Herz gehabt. 29
von andern abhängig gemacht habe? Solche Nachgedankenkönnen einem Könige, der seine von Gott ihm gegebeneMission ernst ausfaßt, der ein Herz für die Leiden seinerNnterthanen hat, wohl kommen mit der Zeit. Daß eineparlamentarische Körperschaft, auch selbst die des preußi-schen Landtages, wenn die heißen Tage eintreten, die-selben ernsten Mitempfindungen für solche Notstände habensoll, wie der König von Preußen, das ist ja gar nichtzu verlangen. Eine Majorität hat viele Herzen, aberein Herz hat sie nicht — ein König hat ein Herz fürsich, was Leiden mitempfindet. Aber, die preußischenLandeskinder, die im Landtage sind, hätten so viel Herzfür dieses Elend, welches sie aus den Druckschriftenkennen, doch wohl haben können, daß sie der Sache einpaar Tage Sitzungen, auch bei gutem Wetter, inehr ge-liehen und nicht so unwillig die Sitzungen abgebrochenund der Regierung die Vorwürfe gemacht hätten, daßdie Würde des Landtages beeinträchtigt werde durch diespäte Vorlage. Ja, wir können die Vorlage nicht ehermachen, ehe wir sie fertig haben, hexen können wir auchnicht, wir müssen unsre Arbeitszeit irgendwie haben undBedenken berücksichtigen und prüfen, auch wenn sie spätkommen; der Landtag hätte wohl Zeit haben können inden drei Wochen, die nach der Vorlage verloren wurden,das Wohl des Landes zu beraten und die Vorlagenäher zu prüfen. Die Frage der Parallelsitzungen, diedabei den Hauptvorwand abgab, um uns der mangeln-den Rücksicht zu zeihen, ist ja eine Zwangslage, aus derwir uns nicht retten können, denn wir können in denSommermonaten vom Juni bis zum 1. Oktober die par-lamentarischen Versammlungen nicht berufen, ohne unsschon einer Verstimmung auszusetzen, die sich nachher in