28 Dis Rsichstagssesston von 1882—83.
die Behauptung, daß er eine Regierung hat, mit der erunzufrieden zu sein berechtigt ist; es ist ihm sogar nichtunlieb, wenn er eine solche wirklich hat, denn er hatnoch so viel Gewissen, daß er sich doch zuzeiten schämt,auf die Regierung, die es nicht verdient, zu schimpfen.Hat er eine, auf die er mit Recht schimpfen kann, soist es ihm eine angenehme Satisfaktion. Das war dasErzeugnis der Politik in früheren Zeiten, wo die Regie-rungen im ganzen, ich will nicht sagen schlechter undungeschickter waren, aber sich weniger aus Eindrückenmachten und mehr Macht hatten; da war das Schim-pfen berechtigt, und es gehört zum deutschen Bedürfnis,beim Biere von der Regierung schlecht zu reden, und werden Ton anschlägt, der hat noch heut Wähler, von demsagt man: das ist unser Mann, für den stimmen wir,das ist kein Regierungsmensch, der ist nicht servil, derwird dem Kanzler „den Willen brechen". Meine Herren,das ist ja wirklich eine traurige Satisfaktion, dem Kanz-ler den Willen zu brechen, wenn der Wille vielleicht be-rechtigt ist, vielleicht zum Nutzen des Landes ist. Daswill doch erst geprüft sein; es kann sein — es läßt sichohne Sie ja nichts machen, und wenn Sie nichts be-willigen wollen, so ist es Ihr Recht und ist ja gut;aber daß der Kaiser als König von Preußen es schwerempfindet, daß er seinen Unterthanen nicht helfen kann,daß er sich fragt: waren die Gründe, die mein Bruder,König Friedrich Wilhelm IV., derzeit gegen die Reichs-verfassnng hatte, die ihn abhielten, die Kaiserkrone an-zunehmen, vielleicht doch nicht ohne Berechtigung? habeich wohlgethan, mich der Möglichkeit zu berauben, meinenUnterthanen zu helfen, indem ich die Quellen, die ichdazu anwenden könnte, aus den Händen gegeben und