Herr Sonnemann und die Frankfurter Zeitung. 237
kanzler die Aufforderung zu richten, irgend eine Thatsache mit-zuteilen, aus der hervorgeht, daß ich oder die Frankfurter Zeitungjetzt oder früher, zu irgend einer Zeit, oder irgend ein Mitarbeiterder Frankfurter Zeitung jemals in irgend einer Verbindung mitder französischen Regierung oder irgend einem französischen Amtoder ähnlichem gestanden haben. Bis das geschehen ist, muß ich,so leid es mir thut, diese Behauptung als eine willkürliche Erfin-dung bezeichnen. Bis jetzt hat der Herr Reichskanzler nicht denSchatten eines Beweises für diese Behauptung erbracht. — Wiekann die Frankfurter Zeitung die Tendenz einer auswärtigen Re-gierung verfolgt haben? Soll es etwa die frühere französische Re-gierung vor dem Jahre 1870 gewesen sein? Da erinnere ich michdoch noch deutlich, daß die französische Regierung in Frankfurt beidem dortigen, jetzt hiesigen Polizeipräsidenten v. Madai hat anfragen lassen, in welcher Weise man der scharfen Opposition derFrankfurter Zeitung gegen die französische Regierung beikommenkönne. Also diese kann es nicht gewesen sein. Ich erkläre noch-mals: die Frankfurter Zeitung ist nie mit einer fremden Regierung,sei es die französische oder irgend eine andre auswärtige oderdeutsche, in Verbindung getreten. — Weiter hat der Reichskanzlermir gegenüber gesagt, daß ich die französischen Kriegsgerichte undderen Thaten gar nicht erwähnt hätte. Ich habe hier ausdrücklichvon einem Präventivgesetz gesprochen, von einem Gesetz, welchesgegen Vereine und Presse gerichtet ist. Daß Kriegsgerichte inFrankreich nach einem so großen Aufstande abzuurteilen hatten,das versteht sich von selbst. Das war auch in andern Ländern derFall. Weiter hat mich der Herr Reichskanzler direkt über meineStellung zur Kommune interpelliert. Ich will aus das bestimm-teste erklären, daß kein Mitglied dieses Hauses und auch keinBlatt der Kommune entschiedener entgegengetreten ist als dieFrankfurter Zeitung und ich selbst. Ich kann das Urteil über dieseAngelegenheit ruhig diesem hohen Hause und der öffentlichen Mei-nung überlassen; mich schützt mein gutes Gewissen gegen jedenderartigen Angriff." Der Reichskanzler erwiderte:
Der Herr Vorredner hat sich über Vorwürfe ge-rechtfertigt, die ich ihm gar nicht gemacht habe. (Oh! oh!links.) Wir haben gewisse deutsche Sprichwörter, wenn