Die deutsch-russische Freundschaft.
67
was nach seinem Nationalgesühl, nach seinem eignen In-teresse, nach dem Interesse von achtzig Millionen Russenmöglich ist, dem europäischen Frieden zum Opfer bringt;ich halte es an und für sich für überflüssig, das zu sagen,aber, wenn wir es thäten, so bitte ich doch die Herren, welcheauf dergleichen denken, — ich habe noch einen ähnlichenArtikel, „Deutschlands Schiedsrichterrolle" ist er über-schrieben, aus einem Berliner Blatt — nehmen Sie an,wir folgten diesen Ratschlägen und erklärten das Ruß-land in irgend einer höflichen und freundschaftlichen Weise,wir sind zwar seit hundert Jahren Freundegewesen, Rußland hat uns Farbe und Freund-schaft gehalten, während wir in schwierigenVerhältnissen waren; aber jetzt liegt die Sachedoch so: im europäischen Interesse, als Polieemen vonEuropa, als eine Art von Friedensrichter müssen wirdem Wunsche nicht länger widerstehen . . .*) Es gibtin Rußland erhebliche Parteien, die Deutschland nichtlieben und glücklicherweise nicht am Ruder sind, die aberauch nicht unglücklich sein würden, wenn sie ans Ruderkämen (Heiterkeit), — wie würden die nun zu ihrenLandsleuten sprechen, vielleicht auch andre Leute, viel-leicht auch noch andre Staatsmänner, die jetzt noch nichtunsre ausgesprochenen Feinds sind? Sie würden sagen:„mit welchen Opfern an Blut, Menschen und Schätzenhaben wir die Stellung erreicht, die seit Jahrhundertendas Ideal des russischen Ehrgeizes war, wir hätten siegegen diejenigen Gegner, die ein wirkliches Interesse Hüt-ten, sie uns zu bestreiten, behaupten können; es ist nichtOesterreich, mit dem wir in mäßig intimen Verhältnissen
*) Man wolle die Anakoluthie beachte».