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Predigt.
scheiden sich wiederum, indem dieselben entweder zurLeitung des gesummten wissenschaftlichen Studiumsder Theologen eingerichtet sind (so das Stift zu Tü-bingen und die Stipendiaten-Anstalt zu Marburg),od. nur die Bestimmung haben, die Alumnen prak-tisch für ihren Beruf (u. wissenschaftlich nur nebenbeidurch Repetitorien) vorzubereiten. Die Katholische! Kirche hat die Ausbildung ihrer Theologen großen-! theils oder fast ganz in die bischöflichen u. sonstigens Seminarien verwiesen, wahrend die protestantische! Seminar-Einrichtung das Universitäts-Studium zur8 Voraussetzung hat. Bes. zu erwähnen sind die P-eÄ zu Herboru im Consistorial-Bezirk Wiesbaden, ge-I gründet 1818; zu Wolsenbüttel in Braunschweig, ge-k stiftet 1836; ln Friedberg in Hessen-Darmstadt, ge-H stiftet 1837; in Heidelberg für Baden, gestiftet 1838;Z Los Hospitinm zu Lokknm in Hannover (für 10 Mit«I glieder): das P. in Hannover, gestiftet 1824; dasj P. in Wittenberg im dasigen Augustinerkloster, 1817z gestiftet für 25 Candidaten, welche hier eine prak-
4 tische u. zugleich höhere theologische Bildung erhal-
» ten. Sie müssen die erste theologische Prüfung be-Z standen u. dabei eine höhere Censur bekommen ha-st be». Vgl. Theiner, Geschichte der geistl. Bildunzs-z Anstalten, Mainz 1835; Palmer, in Herzogs theol.I Encyklopädie, XlV-, S. 242 f. H-ppe.
I Predigt, 1) ein erbaulicher Bortrag über Wahr-st heilen der christlichen Glaubens- oder Sitteulehre,
5 od. auch über allgemeine Wahrheiten, aber mit Be-S Ziehung auf Glauben u. Sittlichkeit, dem ein bibli-V sches Wort zum Grund gelegt ist. Man unterscheide!A nach der Methode der Textbenutzung die Ho milic,A in welcher die einzelnen Juhaltsmomente, wie sie im8 Text vorliegen, ihrer Reihenfolge nach entwickelt u.D dicsynthelische P., in welcher die einzelnen PunkteH des Textes unter einen allgemeinen HauptgedankenI gebracht werden. Die Texte, d. h. die Bibelstellen,8 über welche gepredigt wird, sind entweder die über-A lieferten Perikopen ober frei gewählte oder von denD kirchlichen Behörden vorgeschriebene Texte. AuchW gellen Katechismus-P-en nach der ReihenfolgeU der Fragen u. Antworten eines kirchlich anerkanntenU Katechismus als zulässig, indessen wird auch diesen
in der Regel ein Bibelrext zum Grunde gelegt.
Beider Theorie derP. sind zu berücksichtigen:l a) die Erfindung (Invsnbio) des Themas, wel-! ches ein biblischer Satz oder Begriff sein muß. b)f DieAnordnung od. Eintheilung, welche strenglogisch sein muß. Die von Manchen beliebte Th eil-st ling in gereimter Form wird von Anderen als spie-st lend getadelt. Die P. selbst beginnt mit einem Gebet! oder einem kurzen biblischen Wunsch; die Einleitung) Z (Exordium) steht entweder vor dem Text , als Bor-st bercitung auf denselben, wobei dann ein Übergang) (Iravsitus) zwischen Text n. Thema nöthig ist; od.z der Text steht voran u. dann fallen Einleitung u.» Übergang zusammen. Den Schluß bildet entwederl « wieder ein Gebet als Höhepunkt wahrer Ergriffen-« heit, auch die Wiederholung der HauptwahrheitenI «der ein kräftiger Bibelspruch, e) In dem Vor-1 trage (Ooolaiuatio, kronnnviabio st ä.sti») ist! Alles zu vermeiden, was den Zuhörer stören, u. Al-les in Anwendung zu bringen, was denselben für? den Vortrag gewinnen kann. Zum guten Bortragst einer P. ist ein strenges Memoriren derselben nöthig;S vur sehr begabten und lang geübten Rednern wird
es gelingen, genügend u. gut über einen Gegenstandsogleich frei zu sprechen (extemporiren). Meditationsollte wenigstens immer vorausgegangen sein. Inder Episcopalkirche in England und in der Schwe-dischen Kirche werden die P-en auch von den Pfar-rern gelesen, während dies sonst nur von stellvertre-tenden Schullehrern geschieht u. gesetzlich geschehenmuß. In der Katholischen Kirche gilt die P. als se-cundär, nicht als Haupttheil des Gottesdienstes. Dieunter den Evangelischen namentlich durch die Einführ-ung der preußischen Agende angeregte Frage, ob dieP. oder die Liturgie der Haupttheil des Gottesdien-stes sei, ist in der öffentlichen Meinung der Kirchezu Gunsten der P. entschieden.
Schon bei den Juden hielten die Propheten, wieauch später die Lehrer in den Synagogen, Vorträgeüber Stellen der Schrift. Jesus erhob das Elementder Rede zu seiner ganzen Würde, u. sie wurde vonden Aposteln u. in der ganzen ältesten Kirche geübt.Da ans dem Rechte jedes Kirchengliedes, in der Ver-sammlung anfzutreten u. zu sprechen, Unordnungenentstanden, so wurde dies schon früh den Bischöfenu. Presbytern ausschließlich übertragen. Der Vaterder eigentlichen Homilie ist OrigeneS (250 n. Chr.),nach ihm sinv als geistliche Redner berühmt: Basi-lius der Große (st. 379); Makarius (370—91, pre-digte ohne Text), Ambrosius (385—97, war beson-ders Sittenprediger) und Joh. Chrysostomus (380bis 4»8), welchen seine tiefe Schriftkenntniß u. seinheiliger Eifer zum größien Kircheuredner erhoben;nächst ihm Leo der Große (440—61), Gregor d. Gr.(590) u. Benedict (530). Unter den geistl. Rednerndes 8. Jahrh. zeichneten sich Beda (715—30), wel-cher in seinen Homilien über die seit dem 5. Jahrhziemlich allgemein gewordenen Perikopen selbst ste-rile Texte fruchtbar machte, und Joh. Damascenns(730) aus. Karl d. Gr. suchte dem Mangel an geist-lichen Rednern durch ein Homiliarium und Lothardurch ein ähnliches Buch abzuhelsen. Unter denScholastikern sind nur diejenigen als wirkliche Red-ner zu neunen, welche die Mystik mit der Scholastikzu verschmelzen verstanden, wie Hugo u. Richard aSt. Victore, des. aber die ganz der mystischen Richt-ung folgten, wie Bernhard von Clairvaux, Tauler,Thomas a Kempis, Laur. Valla u. A. Neben die-sen sind als geistl. Redner im 15. Jahrh. noch zunennen: Gabr. Bamlet (1470), Gabr. Biel (1477bis 1495), Bernhardin von Busti (1480), Nob. Ca-racciolus (1470 — 95), Hieronymus Savonarola(1452), Johann Tritlenheim, Joh. Picus (1494)und Geiler von Kaisersberg (1445). Indessen sankdie P. durch die Scholastik immer tiefer; erst die Re-formation wirkte zugleich auf die Verbesserung desP-geschmacks. Denn indem das Dogma auf die Lehreder Heiligen Schrift, als höchster Glaubensnorm,zurllckgeführt u. Liese zum Volksbuch wurde, gewanndie P., als volksthümliche Auslegung der HeiligenSchrift, ganz neue Bedeutung. Reuchlins lüdsroonAsstornm äs arts prasäieanäi (1502) war dieerste Homiletik in Deutschland, u. Luther bildete sichnach seinem Austritt aus der Kathol. Kirche auchals Kanzelredner so selbständig aus u. wirkte durchsein Beispiel und viele gelegentlich gegebene Regeln(die Conr. Porta in seinem Pastorale Luthers, 1586,u. Walch, Sammlung kleiner Schriften von der gott-gefälligen Art zu predigen, 1746, zusammenstellte),