533
Polterabend — Polychrestsalz.
Elisabethbahn, u. der SW. Verbindungsbahn, vonhübschen Anlagen umgeben; Sitz eines Bischofs (Re-sidenz im ehemal. Chorherrustist S. Hippolyt, woherder Name der Stadt), Domcapitels, Rathhaus, bi-schösliche Residenz, Kirchen, darunter die Kathedralezu Mariä Hiinmeljahrt, ehemalige Stiftskirche mitsehenswerthen Gemälden u. guten Glasgemälden imsüdl. Seitenschiff, bischöfliche theologische Lehranstalt,Landcslchrerseminar, Real-Gymnasium, verbundenmit Ober-Realschule, Militär Unterrealschule, Gar-nison, mehrere Mädchenschulen, Theater, Francis-canerconvent, Taubstummen-Jnstitut u. andere Hu-manitätsanstalten, mehrere gemeinnützige Vereine;zahlreiche Fabriken, u. a. ein Zerrenn- u. Zeugham-merwerk, eine Schrauben- und Stiftenfabrik rc.,Sagemühlen, Kalkbrennerei; 1869: 7779 Ew. —In der Nähe verschiedene industrielle Etablissements(L Papierfabriken, Baumwollenspinnerei rc.). Zwi-schenSt. P. u. dem Marktflecken Wilhelmsburg brei-tet sich längs der Traisen das früher unwirthbarc,fetzt aber cnltivirte sogen. Steinfeld aus. H- Berus.
Polterabend, der Abend vor dem Hochzeittage,weil an ihm in mehreren Gegenden Deutschlandsaltes Geräth rc. mit Poltern zerschlagen wird, umdem neuen Geräthe der jungen Eheleute Platz zumachen u. auch zugleich die bösen Geister aus demHause zu treiben, damit die Braut bei ihrem Ein-zug nur Frieden fände.
Poltin (Poltina, Poltümik), russ. Münze zu 50Kopeken od. H Rubel.
Poltron (franz., v. ital. ?olbrons, abzuleitenaus dem althochd. polstar Bett), ein feiger, dabeiwol auch großsprecherischer Soldat, der sich auf alleWeise der Gefahr entzieht; auch einer welcher sichselbst, um dem Kriegsdienste zu entgehen, verstümmelt;feiger Prahler, Memme; scheues Pferd. Daher Pol-tronerie, Faullenzerei, Feigherzigkeit, Verzagtheit,Großthuerei.
Polyndelphie der Staubfäden einer Blüthe s.Blüthe VII.; ?ol)'aclvlpliia, s. Pstanzensysteme.
Polyämie, s. kletbora.
poljfsnclris, s. Pflanzensysteme.
Polyandrie (griech.,Lielmännerei),die Verbind-ung einer Frau mit mehreren Männern, üblich beiden rohen Stämmen am Abhang des Himalaja u.im Nilgiri Gebirge, bei den Nair auf Malabar, inTibet; ebenso auch bei am nördl. Eismeer wohnen-den Stämmen. Bei den meisten Völkern läßt sichdiese Sitte a»s ihrer Armuth erklären.
Polyänos, ans Makedonien, um 160 n. Ehr.Sachwalter und Rhetor in Rom. Er schr.:ry/y^arrxä oder (Erzählung von
Kriegslisten u. Beispiele vonKlugheit u. unredlicherSchlauheit im politischen u. bürgerlichen Leben), 8Bücher (das 6. u. 8. nicht vollständig), ans vielenSchriftstellern znsammcngctragen; Ansg. von Jj.Casanbonus, Leyd. 1589; von Wölsflin, Lpz. 1860 ;deutsch von Blume u. Fuchs, Stuttg. 1834.
. Polyarchie (v. Griech.), Viclhcrrschaft, die Re-gierung , die Herrschaft Mehrerer in einem Staat,der Monarchie entgegengesetzt.
Polybasit, so v. w. Eugenglanz.
Polybios, griech. Staatsmann u. Historiker, geb.Zw>schc,i2l2 u. 204 v. Ehr. zustNegalopolis in Arka-dien; bildete sich unter Philopömenznm Staatsmanneu. rieldherrn, bemühte sich, die Unabhängigkeit seines
Vaterlandes den Römern gegenüber zuwahrenu.be-kleiüete die wichtigsten Ämter im Achäischen Bunde.Den Römern verdächtig, wurde er 166 mit 1000 vor-nehmen Achäern nach Rom geschickt und daselbst 17Jahre zurückgehalteu. Während dieser Zeit pflegte erFreundschaft mitScipioÄmilianus u. anderen gro-ßen Feldherren u. Staatsmännern ».erhieltZutrittzu den römischen Staatsarchiven. Dieser Umgangu. die Beobachtung des geordneten Staatswesens inRom gegenüber dem Parteitreiben in seiner Hei-math, sowie sein praktischer Sinn söhnte ihn völligmit dem Römerthum aus. Im Jahre 150 ging erin sein Vaterland zurück, folgte dem Scipio im fol-genden Jahre nach Afrika und bereiste während derBelagerung Karthagos die Nordkllste Afrikas. Alsdarauf der Achäische Krieg gekämpft wurde, eilte ernach Griechenland zurück, wo er unmittelbar nachder Zerstörung Korinths u. der Unterwerfung Grie-chenlands unter die römische Herrschaft ankam unddurch seineDazwischenkunstnoch manches Unheil vonseinem Vaterlande abwendete, auch manches Kunst-werk rettete. Er erhielt nun von den Römern denAuftrag, die griech. Städte zu bereisen, Streitigkeitenzu schlichten und die Griechen an die neue Ordnungder Dinge zu gewöhnen, welchen Auftrag er zu bei-derseitiger Zufriedenheit ausführte. Er schrieb dannsein Geschichtswerk, wozu er noch mehrere Reisenunternahm, u. st. 122 v.Chr. Sein Geschichtswerk,xaSolllxy, ist eine Universalgeschichte Romsund aller zu dem röm. Reich in Beziehung stehendenLänder vom zweiten Punischen Krieg bis zur Er-oberung Makedoniens, 220—168 v.Chr., ».bestandaus 40 Büchern; übrig sind die fünf ersten, sowiegrößere Bruchstücke aus dem 6.—17. Buche, von denanderen nur kleinere Fragmente. P. Pflegt die prag-matische Geschichtschreibung, welchen Namen er auchselbst erfand. Ohne das kritische Studium andererQuellen zu vernachlässigen, schöpst er doch am lieb-sten aus seinereigenenKenntnißderThatsachen. SeineWahrheitsliebe ist uuansechtbar, doch kann seine Zu-verlässigkeit durch seine Vorliebe für römisches Wesenhie u. La unwillkürlich verringert sein. Sein Stil isteinförmig u. ohne Wohlklang. Ausgaben: I.A. vonOpsopöus,1530; von Casanbonus, Paris 1609; vonL-chweighäuser, Lpz. 1789—95, 9 Bde.; bereichertum die von A. Mai entdeckten Vaticanischen Frag-mente sind die neuen Ausgaben von L. Dindorf, Lpz.1866 ff., u. bes. Fr. Hultsch, Berl. 1867 ff.; deutschvon Haackh, 1858 ff.; Mo»ographievonNitzsch,Kiel1842. Riese.
poFcsrpioae, Pflanzenordnungder Dlal^potalas,Kelch frei, abfallend; Blumenkrone uuterständig, frei;Staubblätter in unbestimmter Zahl, selten einbrü-derig; mehrere Fruchtknoten, spiralig oder quirlig,frei od. manchmal verwachsen, schr selten nur einzelne;Frucht eine Schließfrucht, Balgfrucht, Kapsel oderBeere, sehr selten eine Steinfrucht; Keimling amGrunde des fleischigen Eiweißkörpers, sehr klein,seltener dem kleinen Eiweißkörper an Länge gleich,noch seltener ohne Eiweiß. Die Ordnung besteht ausfolgenden Familien: Llsnisporwaosas, Llzwistica.-eoue, ülaAiwIiaooas, Dillsniaosao, KunulloulLCLasund Lorborläaoimo. Auch werden in neuerer Zeitdie Imnraesas hierher gestellt.
! Polychrestsalz (vom gr. pol/olrrsstos von viel-fachem Nutzen,viele Ubelheilend),einfürverschiedenL