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Politiker — Politisches Gleichgewicht.
Saß man unter P. in der Regel den Inbegriff derallgemeinen Untersuchungen über den Staat u. daspolitischeLeben versteht, u.siedaher cinmaldiefür dieübrigen Staatswissenschasten grundlegende Wissen-schaft ist, dann aber auch sich die Resultate derselbenanzueiguen hat. Solche allgemeine ans die Natur,die Zwecke und die Gestaltung des Staatslebens ge-richtete Untersuchungen sind zuerst bei den altenGriechen in wissenschaftlicher Form ausgebildet wor-den; Plato und Aristoteles müssen als die Schöpferderselben angesehen werden u. namentlich Letzterer inseiner Politik (Politeia); manches Treffliche enthal-ten auch die Schriften Ciceros u. des Tacitus. In-sofern die P. die Zwecke zu bestimmen hat, nach wel-chen die Einrichtungen und Thätigkeiten im Staateregulirt werden sollen, hängt sie von der Ethik undRechtsphilosophie ab; da aber diese Einrichtungenu. Thätigkeiten durch die in verschiedenen Zeiten u.bei verschiedenen Völkern höchst verschiedenen For-men u. Bedingungen ihres öffentlichen Lebens viel-fach niodificirt u. durch den Gang der historischen Er-eignisse mannigsaltig durchkreuzt werden, so ist siicdie P. als Wissenschaft das Studium der Geschichteu. der großen, von politischem Geiste durchdrungenenGeschichtschreiber ein unentbehrliches Hilfsmittel, u.gerade solche Werke, welche sich, wie z. B. Machi-avellis Betrachtungen über den Livius, des HugoGrotius, Moutesquieus Geist der Gesetze, DelolmesAnalyse der englischen Verfassung, Bnrkcs Betracht-ungen über die Französische Revolution, GagcrnsResultate der Sittengeschichte, Tocquevillcs Arbeitenüber Amerika und den Zustand Frankreichs vor derRevolution, ganz ans dem Boden der Geschichte be-wegen, sind in dieser Beziehung die lehrreichsten fürsie. Insofern nun das Detail der P. sich bei Weitemweniger auf die Zwecke des Staatslebeus, als ausdie besonderen Thätigkeiten u. Institutionen bezieht,durch welche diese Zwecke annähernd erreicht werdenkönnen od. verfehlt werde», wird in Bezeichnungen,wie z. B. Cultur-P., Verwaltungs-P., Finanz-P.,das Wort P. in einem auf besondere und bestimmteGebiete der politischen Thätigkeit beschränkten Sinnegenommen. Die Ausübung nun n. die Anwendungder von der P. als Wissenschaft, als Theorie ge-gebenen Vorschriften die P. im praktischen Sinne, diePraktische P., zerfällt, je nachdem sie entweder dieinnerhalb des betreffenden Staates selbst od. die inseinen Beziehungen zu anderen Staaten liegendenVerhältnisse zum Gegenstände hat, in eine inneren. eine äußere P. Die Ausübung der äußeren P.Mt vorzugsweise der Diplomatie anheim. Da je-doch in der Wirklichkeit die Frage nach Leu höchsten,absolut giftigen Zwecken des Staatslebeus hinter dierelativen, das Festhalten der ethischen Aufgaben hin-ter die Bedrängnisse momentaner Bedürfnisse, oderauch hinter den Egoismus der Herrschsucht, die par-tlcularen Interessen einzelner Dynastien od. Stände,die Gewalt bald der Vorurthcile, bald der Leiden-schaften häufig znrückgedrängt wird, so hat daS Wortp. nn praktischen Sinne oft vorherrschend tue Bedeut-ung eines lediglich klugen, die geeigneten Mittel zuirgend einem Zwecke schlau crkennendcnu. verschlagen,uichichts- u. vielleicht selbst gewissenlos anweudendenVerfahrens, wie mau denn auch im gewöhnlichen Le-ven ein kluges Benehmen politisch, ein unkluges un-Mitisch zn nennen Pflegt. Daher versteht man auch
unter der P, eines Staates od. eines Staatsmannesdie Gesammtheit der Mittel, welche, und die Art, inwelcher er sie für seine gerade jetzt verfolgten Zweckeanwendet; wie feige od. kühne, ehrliche od. unehrliche,consequente od.inconsequente, kleinliche od. großartigeP. rc. Vgl. Constant, 6ours cke pokitügus eonstitu-biouells, Par. 1817—20, 4 Bde., Hrsg. vonLabou-laye, 2. A. 1872, 2 Bde.; Dahlmann, P., 1 . Bd.Gött. 1835,3. A. Berl. 1847, K. F. Zachariä, Vier-zig Bücher vom Staat, 2. A. Heidelb. 1839—43, 4Bde.; Mohl,Staatsrecht, Völkerrecht n. P., Tübing.1862—69, 2 Bde.; Waitz, Grundzüge der P., Kiel1862; Esther, Handbuch der prakt. P., Lpz. 1863, 2Bde.; Holtzendorff, Prineipien der P., Stuttg. 1869;Bluntschli, P. als Wissenschaft, ebd. 1876. 'Lagai."
Politiker, 1) Staatsmann. 2) Jemand, der dieZeitgeschichte mit reger Theilnahme betrachtet u. gerndarüber spricht. 3) Eine Partei der Hugenotten, s. d.
Politische Arithmethik, s. Statistik.
Politische Geoaraphie, s. u. Erdkunde.
Politische Geschichte, s. u. Geschichte, S. 144.
Politisches Gleichgewicht, Gleichgewicht derStaaten (latein. Lilanr 8. Trutünn. xsntönm, franz.Lalanoo cku pouvoir, Lguilibrs polibigus, 8/8töinscks oontrs-poiäs), das Bestreben der Staaten, dieschwankenden äußeren Verhältnisse gegen einanderdadurch zu befestigen u. sich einem rechtlichen, ruhigenBesitzstände in so weit zu nähern, daß mindestens allegrößeren Staaten hinsichtlich ihrer Nationalkraft ineinem möglichst gleichen Verhältnisse zu einanderstehen u. daher die nach Außen strebende Macht vonden übrigen gemäßigt wird. P. G. ist, wie Gentz ganzrichtig sagt, diejenige Verfassung neben einander be-stehender n. mehr od. weniger mit einander verbun-dener Staaten, vermöge deren keiner unter ihnen dieUnabhängigkeit od. die wesentlichen Rechte eines an-deren ohne wirksamen Widerstand von irgend einerSeite u. folglich ohne Gefahr für sich selbst beschälst-gen kann. Die Idee, ein solches Verhältniß herzu-stellen od. zu behaupten, hat schon den Griechen vor-geschwebt, sie wurde in neuerer Zeit zuerst im 15.Jahrh. in Italien gegenüber den Ansprüchen Frank-reichs auf Neapel u. damit auf eine Uebermacht zumSystem, verbreitete sich dann im 16. Jahrh. überdie slldeuropäischen Staaten und veranlaßte im 17.Jahrh. die Coalition der Fürsten Europas gegendas seine Herrschaft über Spanien und Deutschlandausdehnende Hans Habsburg; es wurde das Poli-tische G. im Westfäl. Frieden für die Contineutal-staaten des europäischen Abendlandes in dem ange-gebenen Sinne zu einem garantirtcn Gesetze des eu-ropäischen Völkerrechts erhoben, u. ist insofern auchbis in die neueste Zeit (bei allen materiellen Ver-änderungen im Einzelnen) als Grundlage des euro-päischen Staatensystcms betrachtet worden. InDeutschland begründete sich damals der Mittelpunktdes Gleichgewichtssystems u. verbreitete sich von hierans im 18. Jahrh. über ganz Europa. Nachherdurch die militärischen Fortschritte Frankreichs zurZeit der Revolution u. unter Napoleon fast ganz auf-gehoben, suchten der Pariser Friede von 1814 u. derdarauf weiter sortarbeitende Wiener Congreß das-selbe wieder herzustellen. Durch die Bestrebungender politischen Propaganda der Revolution, die daszweite Kaiserreich durch Anrufung des sogen. Na-tioualitätsprincips unterstützte, hat das Politische G.,